Speyer „Eltern haben es in der Hand“

Wahlfreiheit: Auf welche weiterführende Schule ein Kind geht, ist den Eltern freigestellt.
Wahlfreiheit: Auf welche weiterführende Schule ein Kind geht, ist den Eltern freigestellt.

«Lingenfeld/Dudenhofen.»Waren es für das laufende Schuljahr nur 18 Anmeldungen für die Realschule plus in Lingenfeld, werden im kommenden Schuljahr 35 Fünftklässler die Schule besuchen. „Es ist sehr erfreulich, dass die Schule im kommenden Schuljahr 35 Anmeldungen hat und somit die Zweizügigkeit in der fünften Jahrgangsstufe wieder erreicht wird“, teilt die Kreisverwaltung Germersheim auf Anfrage mit. Der Kreis als Schulträger ist sich laut eigener Aussage mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) einig, dass sie den Schulstandort in Lingenfeld erhalten wollen. Weist eine Schule drei Jahre in Folge pro Jahrgangsstufe zwei Klassen oder nur eine Klasse auf, kann die ADD ein Prüfverfahren einleiten. Auf dem Prüfstand stand die Realschule plus in Lingenfeld laut Kreisverwaltung bisher nicht. Mit Blick auf den Schulentwicklungsplan rechnet der Kreis bis zum Schuljahr 2019/20 mit leicht ansteigenden Schülerzahlen. Der Plan prognostiziert für das Schuljahr 2019/2020 215 Schüler an der Realschule plus in Lingenfeld. Entscheidend werde aber sein, wie viele Eltern ihre Kinder im Endeffekt wirklich an der Realschule plus anmelden. „Insofern haben es die Lingenfelder Eltern selbst in der Hand, ihre Schule zu stärken“, heißt es vom Kreis. Um die Schule attraktiver zu machen, wurden die Standorte Lustadt und Lingenfeld zu einem Schulstandort zusammengeführt, außerdem wurde eine Ganztagsschule eingerichtet. Des Weiteren wurden laut Kreis die Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit der örtlichen Grundschule intensiviert. Der Kreis Germersheim hat fünf eigene Realschulen – zwei in Germersheim, eine in Kandel, eine in Lingenfeld und eine in Bellheim. Mit insgesamt 276 Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr verbuchen die Schulen einen Zuwachs von 56 Anmeldungen gegenüber dem Vorjahr. Vergleicht man die Zahlen, haben die Realschule plus in Lingenfeld und die Richard-von-Weizsäcker-Realschule plus in Germersheim den größten Zuwachs. An der Realschule in Germersheim sind es 35 Anmeldungen mehr als zum vergangenen Schuljahr, in Lingenfeld sind es 17 mehr. Somit kann die Kreisverwaltung die Ansicht, dass die Realschule plus als Schulform an Ansehen bei den Eltern verloren hat und die Anmeldezahlen deshalb sinken, nicht bestätigen. Unstrittig sei jedoch, dass die Schülerzahlen der Realschulen in den vergangenen Jahren zurückgegangen und die Schulen der Konkurrenz der Integrierten Gesamtschulen (IGS) ausgesetzt seien, heißt es vom Kreis. Die IGS sind mit insgesamt 379 Neuanmeldungen die am stärksten nachgefragte Schulform im Kreis Germersheim. Gemessen am Vorjahr gibt es laut Schuldezernent Christoph Buttweiler jedoch einen leichten Rückgang. Mit der Realschule plus in Lingenfeld konkurriert die IGS Rülzheim, die im kommenden Schuljahr 105 Fünftklässler haben wird (2017: 112). Positive Nachrichten gibt es auch von der Realschule plus in Dudenhofen. Laut Schulleiter Christian Wallner gibt es bisher 41 Anmeldungen für das kommende Schuljahr. Seit fünf Jahren seien die Anmeldezahlen nicht mehr so gut gewesen, und das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, freut sich Wallner, der die Schule seit diesem Schuljahr leitet. Er und die Kreisverwaltung gehen davon aus, dass sich die Zahl noch ein wenig nach oben korrigiert. 51 neue Fünftklässler, die es braucht, um drei fünfte Klassen einzurichten, wird es im kommenden Schuljahr aber nicht geben, glaubt Wallner. Somit kommen zwei fünfte Klasse zustande. Die Anmeldezahlen zu erhöhen, sei eins seiner Ziele, sagt der Schulleiter. Zum Vergleich: 41 Anmeldungen gab es zuletzt im Schuljahr 2013/2014, danach sank die Anzahl der neuen Fünftklässler und erreichte in diesem Schuljahr mit 28 Anmeldungen den Tiefststand. Mit Blick auf die Anmeldezahlen in den vergangenen Jahren ist auch die Realschule plus in Dudenhofen nicht von einem Rückgang verschont geblieben. Der Schulträger – der Rhein-Pfalz-Kreis – macht den ersten großen Bruch mit der Schulstrukturreform und der damit verbundenen Auflösung der Regionalen Schulen und der Bildung der Realschulen plus aus. Vor der Reform gab es 104 Anmeldungen an der Realschule in Dudenhofen/Römerberg, ein Jahr nach der Reform, die zum Schuljahr 2009/10 vollzogen wurde, waren es nur noch 59. Vor der Reform habe die Regionale Schule Dudenhofen/Römerberg in dem örtlichen Umfeld ein Alleinstellungsmerkmal gehabt, sodass 35 Prozent der Schüler aus Speyer kamen, heißt es von der Kreisverwaltung. Durch die Bildung der Realschulen plus und die Auflösung der Hauptschulen und Regionalen Schulen hätten sich die Schülerströme geändert, zumal die Reform auch Auswirkungen auf die Kostenübernahme der Schülerbeförderung gehabt habe. Schüler aus Speyer bekamen laut Kreisverwaltung je nach Wohnlage das Maxx-Ticket nicht mehr finanziert, weil die Realschule plus in Dudenhofen beziehungsweise Römerberg näher als vier Kilometer entfernt lag. Auf dem Prüfstand stand die Realschule plus in Dudenhofen laut Kreisverwaltung jedoch noch nie. Aufgrund von Rückläufern – Kinder, die vom Gymnasium oder wegen Umzugs auf die Realschule wechseln – konnte die Schule laut Kreisverwaltung immer eine höhere Klassenanzahl aufweisen. Wie in Lingenfeld hat auch die Kreisverwaltung in Ludwigshafen als Schulträger ein Interesse daran, den Schulstandort Dudenhofen zu stärken. Investiert werde in die Modernisierung der Ausstattung, wie zum Beispiel die Sanierung zweier naturwissenschaftlicher Räume. Außerdem werden Smartboards angeschafft. Zurzeit wird laut Kreisverwaltung die Internetseite der Schule neu gestaltet. Als Großprojekt im Jahr 2019 steht die Sanierung der Ganerbhalle an, die die Realschule als Sporthalle benutzt. Hier werden laut Kreisverwaltung rund 1,7 Millionen Euro investiert. Als einen großen und wichtigen Schritt bezeichnet die Kreisverwaltung die Auflösung des Schulstandorts in Römerberg im vergangenen Jahr. Dadurch könne sich die Schule zu einer Einheit entwickeln. Die Erfahrung habe gezeigt, dass eine Schule mit zwei Schulstandorten von Eltern nicht unbedingt präferiert werde. Schulleiter Christian Wallner findet, „dass sich der Kreis noch stärker auf die Schultern klopfen kann“. Neben den genannten Investitionen statte der Kreis zum nächsten Schuljahr eine siebte Klasse mit Tablets aus, was 10.000 bis 15.000 Euro koste. In der Zukunft soll laut Wallner zum einen auch die Schulbibliothek vergrößert werden. Zum anderen wird die Schule den Schwerpunkt auf neue Medien legen. „In fünf bis zehn Jahren werden wir eine Schule sein, an der nur noch mit Tablets gearbeitet wird“, sagt Wallner. Die Realschule plus in Dudenhofen nennt er „eine kleine, aber feine Schule“.

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