Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Eisenbarren aus vorrömischer Zeit in der Rheinebene gefunden

Derzeit in Mainz ausgestellt: der Fund.
Derzeit in Mainz ausgestellt: der Fund.

Im Wald bei Speyer sind 20 Eisenbarren aus vorrömischer Zeit entdeckt worden. Den Fund aus dem Jahr 2020 hat die Landesregierung erst am Dienstagabend bekanntgemacht.

Es sind laut Innenministerium unscheinbare Stücke – und doch erzählen sie von großen Zusammenhängen: Eisenbarren aus der vorrömischen Eisenzeit sind am Dienstagabend als Ausstellungsstück im „Schaufenster der GDKE“ im Landesmuseum Mainz vorgestellt worden. Die Barren wurden 2020 in einem Wald westlich von Speyer gefunden und geben nach Ansicht der Experten von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) wertvolle Hinweise auf frühe Handelsnetzwerke in Mitteleuropa und die Arbeitsweise damaliger Eisenproduzenten. Nähere Auskünfte zum Fundort erteilt das Ministerium nicht: Man wolle keine „Raubgräber“ anziehen.

Die 20 unscheinbar wirkenden Eisenbarren werden als „Schlüssel zu Wirtschafts- und Technikgeschichte von vor über 2000 Jahren“ bezeichnet. Die auffällige Einheitlichkeit von Form, Größe und Gewicht zeige, dass es sich um standardisierte Handelsprodukte gehandelt habe. Das zeige, dass die Vorderpfalz schon in der vorrömischen Eisenzeit Teil weitreichender europäischer Austauschnetze war, so die für das kulturelle Erbe zuständige Staatssekretärin Simone Schneider (SPD). Möglicherweise stammten die Funde aus einer einzigen Schmiedewerkstatt.

Archäologen jubeln

Die Eisenbarren seien von einer erfahrenen Sondengängerin, die mit der Landesarchäologie zusammenarbeitet, entdeckt worden. „Als diese erkannte, wie tief die Funde lagen, informierte sie umgehend die Landesarchäologie in Speyer, die zur Generaldirektion Kulturelles Erbe gehört“, heißt es in der Mitteilung. So seien die Objekte nach den gültigen archäologischen Standards geborgen werden – inklusive aller notwendigen Informationen zu Lage und Befundsituation. Das sei ein echter Glücksfall: „Zwar sind rund 1300 Eisenbarren dieser Art aus Mitteleuropa bekannt, doch nur wenige stammen aus einem gesicherten archäologischen Kontext.“ Hinzu komme, dass die Speyerer Funde bislang restauratorisch unbehandelt sind. Dazu laufe derzeit eine wissenschaftliche Untersuchung.

Ein Objekt ist anders

Der unveränderte Zustand der Eisenbarren ermöglichte demnach eine naturwissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie (CEZA) in Mannheim. Erste Ergebnisse von dessen Untersuchungen zu Materialbeschaffenheit und Alter zeigten: „19 der 20 Barren weisen die gleiche chemische Signatur auf, ein Objekt fällt durch eine andere Zusammensetzung auf. Anhand einer C14-Analyse konnte die typologische Datierung in die vorrömische Eisenzeit bestätigt werden.“

Bettina Hünerfauth, kommissarische Leiterin der Außenstelle der Landesarchäologie in Speyer, sieht einen weiteren positiven Aspekt: „Das Erfreuliche an diesem Beispiel: Eine Zusammenarbeit zwischen interessierten Bürgerinnen und Bürgern und der Wissenschaft ist absolut möglich und kann erfolgreich sein. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass dies noch viel häufiger geschieht.“

Fund vorgestellt (von links): Birgit Heide, Heike Otto, Simone Schneider und Bettina Hünerfauth.
Fund vorgestellt (von links): Birgit Heide, Heike Otto, Simone Schneider und Bettina Hünerfauth.
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