Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Einmal in der Klinik, zweimal bestohlen

Im Krankenhäusern gibt’s viele Wertsachen: Das reicht von medizinischer Ausrüstung bis zu Eigentum der Patienten.
Im Krankenhäusern gibt’s viele Wertsachen: Das reicht von medizinischer Ausrüstung bis zu Eigentum der Patienten.

Krankenhaus-Aufenthalte sind selten vergnügungssteuerpflichtig. Wenn ein Patient dann noch ans Bett gefesselt ist und bestohlen wird, kann es richtig belastend werden. Ein aktueller Doppel-Diebstahl zulasten einer 90-Jährigen in einer Speyerer Einrichtung wirft ein Licht auf ein immer wieder vorkommendes Delikt.

„Angehörige durften wegen der Corona-Gefahr nicht hinein ins Krankenhaus. Die Täter haben sich in dieser Zeit offenbar sehr sicher gefühlt.“ Mit diesen Worten kommentiert eine Frau aus dem Landkreis Germersheim die Tatsache, dass die 90-jährige Tante ihres Mannes in Speyer innerhalb von zwei Wochen als Patientin des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses gleich zweimal bestohlen wurde. Sie betont: „Beide Diebstähle wurden zur Anzeige gebracht.“ Zunächst sei es am 8. Juni um zwei Creolen-Ohrringe im Wert von rund 70 Euro gegangen, dann sei der Frau am 21. Juni Bargeld in ähnlichem Wert gestohlen worden. Der erste Vorfall habe sich auf der Intensivstation ereignet, der andere auf der geriatrischen Station.

„Die Ohrringe wurden wohl nachts um 3 Uhr gestohlen. Sie hat danach richtig Angst gehabt“, berichtet die Angehörige über die Patientin. Die Germersheimer Seniorin sei geistig noch fit und meine mitbekommen zu haben, wie sich nachts ein Pfleger an ihr Bett geschlichen und nach Wertsachen gefragt habe. Später sei das Fehlen des Schmuckes aufgefallen. Das Bargeld habe ihr die Familie erst später übergeben lassen, damit sie vor der Entlassung etwas zur Verfügung hat. Eine These der Frau: Klinikpersonal könne sich in der Zeit, in der die meisten Patienten keinen Besuch erhalten durften, zu Diebstählen ermutigt gefühlt haben, „da in den Krankenzimmern soziale Kontrolle gefehlt hat“.

Bedauern und Kulanz

„Wir bedauern die Diebstähle sehr“, sagt auf Anfrage Jonas Sewing, Geschäftsführer des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses. Dass Personal zugreife, sei jedoch nicht nachweisbar, eine Häufung der Vorfälle in der Corona-Zeit ebenfalls nicht. Der beschriebene Vorfall sei der erste aus dieser Phase, die beiden anderen ihm bekannten Fälle 2020 hätten sich vor dem März zugetragen. Das Problem hat sich laut Sewing seit dem Lockdown sogar eher verkleinert, weil nicht mehr so viele Unbekannte im Krankenhaus seien. Die Klinik habe im konkreten Fall nachgeforscht und auch die Familie darüber informiert, mögliche Täter aber bislang nicht gefunden, sagt Sewing. Er fügt hinzu: „Wir können keine Möglichkeit ausschließen.“

Keine Möglichkeit auszuschließen, das bedeute auch, dass es vielleicht gar kein Diebstahl gewesen sein könnte: Immer wieder komme es vor, dass Wertgegenstände versehentlich in die Bettwäsche gerieten und Tage später in der Wäscherei wieder auftauchten. Das sei grundsätzlich auch für die Ohrringe der Seniorin noch denkbar. Sollte doch mit niederen Beweggründen zugegriffen worden sein, wären die Täter nicht zwingend Mitarbeiter. „Auch in der Pandemie durften immer wieder Besucher auf die Station mit 40 bis 50 Patienten kommen, zum Beispiel als Bezugspersonen Dementer“, nennt der Geschäftsführer eine Möglichkeit. Das Krankenhaus wolle sich aber nicht herausreden und werde der Familie aus Kulanz den Schaden erstatten, obwohl seine Versicherung nicht greife.

Tipp: Wertsachen daheim lassen

Natürlich wisse er, dass man gerade den Verlust von Schmuck, mit dem oft Erinnerungen und ideelle Werte verbunden seien, allein mit Geld nicht gutmachen könne, so Sewing. Deshalb ergehe an Patienten allgemein der Rat, zu stationären Aufenthalten nach Möglichkeit keine Wertgegenstände mitzubringen. Im Fall der 90-Jährigen habe es sich indes um eine Einlieferung als Notfall gehandelt, bei der sie vorher die Creolen nicht habe abnehmen können. Immer wieder komme es auch vor, dass Notfall-Patienten Eheringe abgenommen werden müssten, um die Erkrankten bei der Behandlung nicht zu gefährden, so Sewing. Diese würden sorgfältig verpackt, könnten aber auch mal verschwinden.

Der Diakonissen-Verantwortliche sieht in seinem Haus keine problematische Häufung von Diebstählen. In den meisten Jahren handle es sich nur um eine einstellige Anzahl von Fällen. Keine auffällig hohen Werte bilanziert auch die Polizeiinspektion Speyer, wie Sprecher Timo Ott sagt. Für 2020 stünden vier Fälle aus dem „Diak“ in der Statistik, wobei die Anzeige aus dem Kreis Germersheim noch fehle, erklärt er. Das Vincentius-Krankenhaus, in dem 2019 laut Polizeibericht zum Beispiel einmal eine Geldbörse aus einem Patientenschließfach gestohlen worden ist, weise für 2020 noch keinen Eintrag in der Liste der Ermittler auf.

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