Speyer Eine Sensation wird heimisch

DUDENHOFEN. Was grünt denn da so grün? Himmlischen Besuch hat RHEINPFALZ-Leser Ralf Hummel auf einem Strauch in seinem Garten entdeckt: eine Gottesanbeterin. Laut Bildungsförster Volker Westermann vom Revier Pfälzer Rheinauen kommt die Fangschrecke hierzulande häufiger vor, als mancher denkt.
Grün in grün: Leicht ist sie nicht zu erkennen, die Gottesanbeterin, die Ralf Hummel in seinem Garten in Dudenhofen fotografiert hat. Perfekt getarnt sitzt das Exemplar der „Mantis religiosa“ im grünen Dickicht und verfolgt mit ihren Facettenaugen aufmerksam, was um sie herum geschieht. Doch ihre scheinbare Regungslosigkeit täuscht: Blitzschnell können die Fangarme der Gottesanbeterin nach vorne schnellen, wenn sich ein Käfer oder eine Made nähert. Hummel hat sich über den außergewöhnlichen Besuch in seinem Garten gefreut. „Ich war froh, eine Gottesanbeterin bei mir zu Hause fotografieren zu können“, schreibt er. So ungewöhnlich sei das Vorkommen der Fangschrecke hierzulande mittlerweile nicht mehr, sagt Bildungsförster Volker Westermann. „Früher, also vor zehn, 15 Jahren, war sie eine absolute Sensation“, erzählt er. „Aber durch die trockeneren und wärmeren Sommer ist sie hier inzwischen häufiger anzutreffen. Mittlerweile ist sie immer noch ein faszinierendes Tier, aber keine Sensation mehr.“ Gottesanbeterinnen gebe es in der Pfalz also schon seit Langem, inzwischen aber mehr als früher. Ursprünglich stammen die Fangschrecken aus Afrika. Von dort aus haben sie den Mittelmeerraum besiedelt. Ihren Namen verdankt die Gottesanbeterin ihrem Aussehen: Weil sie ihre beiden Fangarme vor der Brust zusammenfaltet, sieht es aus, als würde sie beten. In Wahrheit lauert sie dabei auf Beute, die sie mit den Dornen an der Spitze der Arme einklemmt. Weibchen können bis zu 7,5 Zentimeter groß werden, Männchen werden nur bis zu sechs Zentimeter groß. Bildungsförster Westermann begegnet auf seinen Streifzügen durch die Wälder „mindestens alljährlich einer Gottesanbeterin“, erzählt er. „Früher hat man sie nur alle paar Jahre mal gesehen.“ Die Fangschrecke bevorzuge die „warmen Ecken“ der Rheinebene, erläutert er, etwa in Weinlagen. „Im Hunsrück werden Sie keine finden“, so der Förster. Laut Artenfinder Rheinland-Pfalz wurden Exemplare in diesem Jahr in unserer Region in Hanhofen, Schifferstadt und Mechtersheim gesichtet; im vergangenen Jahr in Speyer, Römerberg und Mechtersheim. Gottesanbeterinnen gehören zu den ältesten Bewohnern der Erde, sie bevölkerten den Planeten schon vor Millionen Jahren. Bei der Paarung muss sich das Männchen vorsehen: Hat das Weibchen während des Geschlechtsakts Hunger, vertilgt sie das, was am nächsten liegt – ihren Sexualpartner. Und auch wenn sie in der Region öfter als früher gesichtet wird: Nach der Bundesartenschutzverordnung ist sie eine besonders geschützte Tierart. Sie darf weder gefangen noch gehalten werden. |hn