Speyer Eine Perle flutscht durchs Netz

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Wie sagte ein Kollege einst zu einem Leser, der sich über einen Schreibfehler in der Zeitung mokierte: „Fehler werden überall gemacht, aber unsere kann halt jeder am nächsten Tag lesen.“ Da ist was dran, deshalb gibt sich die Redaktion auch redlich Mühe, die Fehlerquote niedrig zu halten: Texte werden redigiert, ein Rechtschreibprogramm überprüft die fertigen Artikel, und Seiten werden, bevor sie zum Druck übermittelt werden, korrekturgelesen. Dabei bleiben so einige Stilblüten im Netz hängen. Die schönsten Formulierungen, die 2018 gerade eben so nicht erschienen sind, hat die Redaktion gesammelt. Der ein oder andere Klops wird natürlich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gedruckt. Mit einem hat es die Speyerer Rundschau 2018 sogar in einen Eintrag der Facebook-Seite „Perlen des Lokaljournalismus“ geschafft. Dort ist unfreiwillig Komisches aus Zeitungen im ganzen Land nachzulesen (Reinschauen lohnt sich: sehr lustig!). Aus Speyer gibt’s vom Februar die Überschrift „Unbekannter überfällt Messer mit Wettbüro“. Die Macher der Perlen-Seite kommentieren das mit den Worten: „Doch er hatte Pech. Ein Baseball-Schläger jagte ihn mit einer Angestellten zur Tür hinaus.“ Immerhin 813 Facebook-Nutzer klickten dabei auf „Gefällt mir“. Doch genug der Selbstgeißelung. Der Blick soll nun auf die kleinen, oft lustigen Fehler gerichtet werden, die noch rechtzeitig entdeckt wurden. Sowohl Redakteure und Freie Mitarbeiter als auch Polizei, Verwaltung und Vereine haben sie fabriziert – vor dem Fehlerteufel ist niemand sicher. Nicht sonderlich gastfreundlich zeigt sich der Anglerverein Mechtersheim in einem Text über seinen Dreck-Weg-Tag, wenn es heißt, dass „zudem noch etlicher Unrat beim Fischgewässer durch ungebetene Gäste eingesammelt“ wurde. Frechheit, da erscheinen die Leute einfach uneingeladen und dann machen sie auch noch den Dreck weg! Auch beim Waldseer Fasnachtsumzug hätte es geholfen, die Wort-Reihenfolge zu überdenken, um das Bild eines erwachsenen Mannes, der am Milchfläschchen nuckelt, im Kopf des Lesers zu verhindern: „Angesichts der Temperaturen war das winzige Eisbärbabykostüm auch ideal für den einjährigen Justus auf dem Arm seines Vaters, der sich zwischendurch mit seiner Milchflasche stärkte.“ Möglicherweise enthielt das Fläschchen auch Hochprozentiges. Solches Zeug flößt die Polizei offenbar zwei Lkw-Fahrern ein: „Zwei betrunkene Lastwagen-Fahrer, denen die Weiterfahrt untersagt wurde, sind das Resultat eines Einsatzes der Polizei“, verschlimmbesserte die Redaktion eine Polizeimeldung – was zum Glück beim Korrekturlesen auffiel. Alkoholisches wird offenbar auch beim Umwelttag in Otterstadt gereicht, denn dort hieß es: „Zum Abschuss ist um 12 Uhr auf dem Bauhof für eine kleine Stärkung gesorgt.“ Dagegen blieben bei Harthausens Tischtennis-Team die Flaschen offenbar zu, denn „nach einer verkorkten Vorrunde“ sei der ASV gerade dabei, in die obere Tabellenhälfte vorzudringen. Was so ein vergessener Buchstabe noch alles anrichten kann, zeigt folgende Meldung aus der Feder des Landesbetriebs Mobilität: „Bei dem jetzt anstehenden 2. Bauabschnitt wird bei der Fahrbahn Richtung Norden der Fahrbahnbelag vom rechten Fahrstreifen sowie des Standsteifens erneuert.“ Und der Musikverein Berghausen verkündet anlässlich der Feier zu seinem 60-jährigen Bestehen: „Als Gaskapelle ist der Fanfarenzug aus Weiher dabei.“ Ein Buchstabe zu viel hat sich hingegen beim Text über die Lese-Scouts – oder Lese-Pfadfinder – der Realschule plus Dudenhofen eingeschlichen. Sie sollen demnach eine „Pfandfinderrolle“ übernehmen. Dass die Schüler später ihren Lebensunterhalt mit Flaschensammeln bestreiten müssen, wünscht ihnen keiner. Von einem 13-Jährigen, der nachts alleine radelnd unterwegs war, berichtet die Polizei. Übelnehmen kann man dem Jungen seinen Ausflug aber kaum, scheint es doch daheim extrem langweilig zu sein. Diesen Schluss legt zumindest die Formulierung nahe, der „junge Mann wurde nach Hause begleitet und dort seinem wenig begeisternden Vater übergeben.“ Manches will man auch gar nicht so genau wissen, zum Beispiel was unter dem „Anschauungsmaterial“ zu verstehen ist, das für den Vortrag zum Thema Darm, Verstopfung und Durchfall in Lingenfeld angekündigt wird. Vielleicht handelte es sich auch um eine moderne Kunstaktion. Eine solche steht offenbar in Waldsee an. Ob Christo da an seinen verhüllten Reichstag anknüpfen will? Zumindest hat die Ortsgemeinde in unserem Text schon mal einen „Ausschuss für Bau, Verkehr und Ortseinwicklung“ eingerichtet. Immerhin wird der Ort offenbar nur verhüllt und nicht verbuddelt. Dieses Schicksal ereilt den Speyerer Oberbürgermeister fast bei einem Spatenstich: „Die RHEINPFALZ von gestern, Pläne für das Bauwerk sowie einen Euro packten die Firmenvertreter in die Kapsel, schraubten sie zu und vergruben sie zusammen mit Oberbürgermeister Hansjörg Eger“, steht in einer ersten Textversion. Das zumindest sollte für den Gerade-Noch-OB ein Trost nach der Wahlniederlage sein: Im neuen Jahr hat es der Fehlerteufel nicht mehr auf ihn, sondern auf seine Nachfolgerin abgesehen.

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