Speyer Eine der letzten ihrer Art

Schwergewicht: Rheinschlepper „Glarus“, der seit 2014 im Technik-Museum steht, wurde auf der Schiffswerft verladen.
Schwergewicht: Rheinschlepper »Glarus«, der seit 2014 im Technik-Museum steht, wurde auf der Schiffswerft verladen.

Die Schiffswerft Josef Braun am Neuen Rheinhafen hat in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte die eine oder andere Turbulenz überstanden und ist inzwischen eine der letzten ihrer Art am Rhein. Über die wechselvolle Geschichte und die heutige Lage des Unternehmens informiert Geschäftsführer Werner Schulz bis zu 30 Teilnehmer bei einer Betriebsführung am Samstag, 14. Juli, bei der vierten RHEINPFALZ-Sommertour.

Der Navigator durch die lange Firmenhistorie und über das weiträumige Betriebsgelände ist neu an der Werft-Spitze. „Am 1. April bin ich Geschäftsführer geworden. Davor war ich seit 1993 Prokurist. Angefangen habe ich bei der Werft im Jahr 1968“, sagt Werner Schulz (Jahrgang 1953). Die Werft sei für ihn nicht bloß eine Arbeitsstätte. Vielmehr bedeute sie „das Leben“ für Schulz. Deshalb sei er ans „Steuerrad“ auf der „Brücke“ gewechselt, als diese Position nach dem Tod des langjährigen Geschäftsführers Peter Hebel Anfang dieses Jahres vakant wurde. Gegründet worden ist die Werft 1901 von Josef Braun am Alten Floßhafen in Speyer. 1928 folgte die Umsiedlung in den Neuen Rheinhafen. Seit den 1970er Jahren liegt sie am heutigen Standort. In den ersten Jahrzehnten sind bei der Werft zahlreiche Schiffe gebaut worden. In jüngerer Zeit überwiegen Reparatur, Wartung und Vergrößerung von teils mehrere Jahrzehnte alten Pötten, wie Firmenchef Schulz mitteilt. In der Vergangenheit gehörte auch immer wieder die Ausführung von Kunstwerken, meist aus Stahl, zum Betätigungsfeld des Unternehmens, erinnert der Geschäftsführer. Die Großplastik „Orpheus“ von Wolf Spitzer beispielsweise sei dort entstanden. Seit 2000 steht sie auf dem Gelände des benachbarten Technik-Museums vor dem Wilhelmsbau, der unter anderem eine große Sammlung mechanischer Musikinstrumente beherbergt. Doch nicht nur die Verteilung der Arbeitsaufgaben hat sich geändert, auch die Organisationsstruktur des Unternehmens hat sich gewandelt, wie Schulz informiert. „Die Bootswelt ist inzwischen ausgegliedert. Zudem haben wir die einzelnen Gewerke der Werft Anfang der 2000er Jahre in die Hände der Meister gegeben. Derzeit hat die Werft selbst 27 Mitarbeiter, mit den Angestellten bei den Gewerken sind es 40 bis 50 Beschäftigte“, sagt er. Bei der RHEINPFALZ-Sommertour führt Schulz durch einzelne Werkstätten. Zu ihnen zählen Schiffbau, Schlosserei, Schweißerei, Maschinenbau, Dreherei, Rohrleitungsbau, Spenglerei, Hydraulik, Schreinerei und Elektrik. Zu den großen Infrastruktureinrichtungen der Werft gehören das Dock zur Trockenlegung von Schiffen und die Helling (befestigte Schräge zum Hafen hin). Auch von diesen Bereichen können sich die RHEINPFALZ-Leser einen Eindruck verschaffen. Tour-Info —Sommertour (4): Zwischen Ölhafen und Werft: Was passiert in der Schiffswerft Braun? — Termin: Samstag, 14. Juli, 10 bis 12 Uhr — Treffpunkt: Schiffswerft Josef Braun GmbH & Co. KG, Am Neuen Rheinhafen 14 — An- und Abreise: individuell —Teilnehmerzahl: 30 —Teilnahme: auf eigene Gefahr; nicht barrierefrei —Anmeldung: heute, 17 bis 18 Uhr, Telefonnummer 06232 1307-26.

Mehr zum Thema
x