Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Stück Postgeschichte verlässt die Galerie

Übergabe: Rüdiger Weitzel (rechts) und das Ehepaar Dries.
Übergabe: Rüdiger Weitzel (rechts) und das Ehepaar Dries.

Seit 2012 heißt das Riesengebäude im Herzen Speyers „Postgalerie“, vorher war es lange die Oberpostdirektion. Historische Spuren hat es nicht nur an der Fassade, sondern auch im Keller: Ein besonderes Überbleibsel hat jetzt einen neuen Besitzer gefunden.

Walter Dries weiß es als „Ur-Speyerer“ ganz genau: Zwei der 1,20 auf 1,20 Meter großen gelben Metallschilder mit dem Post-Zeichen hätten einst die Einfahrt in der Mathäus-Hotz-Straße flankiert. Er ahnte auch, dass zumindest eines davon noch existierte, schrieb das Centermanagement an, ob er es erwerben dürfe – und bekam es geschenkt. Rüdiger Weitzel, Vorstand des Gebäudeeigentümers Erwe Immobilien AG, überreichte es am Dienstag persönlich. „Ich hab’ den ganzen Bau gekannt“, gestand ihm Dries Insider-Kenntnisse. Er sei beruflich als Hausmeister der Liga-Bank tätig und mit seinem Kollegen von der Post bestens bekannt gewesen.

88 Lenze zählt Dries heute, und man sieht ihm das Alter ebenso wenig an wie Gattin Erika, die sich die Schild-Übergabe auch nicht entgehen lässt. Der Enkel hat die Sackkarre für den Abtransport dabei. Im Vorgarten im Neuland („der mit der Gartenbahn und der Bahnschranke“) werde das Schild künftig die Herzen der Post-Fans höher schlagen lassen, kündigt die Familie an. Weitzel will sie dann vielleicht einmal besuchen. „Es ist in guten Händen bei Ihnen“, sagt der Immobilienmanager. Weitere Relikte aus der Posthistorie fänden sich nicht mehr in Keller oder Speicher, berichtet er. Das historische Tor werde nun im Hotel gezeigt. Bedauerlich sei der Verlust eines Kunstwerks, das einst das Dach zierte: „Die Weltkugel ist nicht mehr aufzufinden.“

Intime Speyer-Kenner

Walter und Erika Dries sind intime Speyer-Kenner. „Wir waren immer auf Achse“, erzählt der frühere Hausmeister aus seiner Jugend. Er weiß, dass 1926 in Speyer Elektrolaster die Postkutschen ablösten. Er überreicht seine Aufzeichnungen zur Historie der Postgalerie an Centermanagerin Katja Stuck: „Damit Sie die Hintergründe erfahren.“ Walter Dries ordnet es als Kardinalfehler ein, dass einst das Altpörtel umbaut worden ist und der Postgalerie damit eine Freifläche fehle. „Eine Poststelle müsste rein“, rät seine Gattin dem Betreiber noch.

„Es wird immer besser“, sagt Weitzel über „sein“ Projekt in Speyer. Noch in diesem Jahr werde die Außenfassade mit größeren Fenstern geöffnet, um eine neue Gaststätte zu ermöglichen. Gespräche mit möglichen Pächtern und weiteren Mietern liefen. Bereits angekündigt ist die Zahnklinik eines örtlichen, aber noch nicht benannten Betreibers, die nach Umbauten im Laufe des Jahres im Westflügel einziehen werde. Das Amedia-Hotel ist seit vorigem Jahr im Vollbetrieb.

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