Speyer Ein befriedigender Beruf
Der heutige 10. Februar gilt bundesweit als „Tag der Kinderhospizarbeit“. In Kinderhospizen in ganz Deutschland gibt es Veranstaltungen, bei denen über die Arbeit der Einrichtungen informiert wird, aber auch Missverständnisse und Vorurteile aus dem Weg geräumt werden sollen. Martina Olf arbeitet als Heilpädagogin im Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen. Sie erzählt von ihrer Arbeit und den schönen, aber auch den traurigen Seiten des Berufs.
Im ersten Moment irritiert das Lächeln von Martina Olf, man erwartet eher Trauer an einem Ort wie diesem. Aber sobald sie von ihrer Arbeit erzählt, erkennt man, dass es im Kinderhospiz zahlreiche glückliche Momente gibt. Am Ende kann man ihr Lächeln verstehen. Die 54-Jährige arbeitet seit sechs Jahren im Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen, davor war sie als Krankenschwester in einem Krankenhaus tätig. „Ich habe dann eine Umschulung zur Heilpädagogin gemacht, und als ich dann das Angebot von der Gründerin Ursula Demmer bekommen habe, habe ich sofort zugesagt. Inzwischen ist mir klar: Das Schicksal hat mich hierher geführt.“ Ihre Aufgabe besteht darin, im Team mit ihren Kollegen das erkrankte Kind, aber auch dessen Eltern und Geschwister auf ihrem Weg zu begleiten. Dabei bestimmen die Familien den Weg, das Team handelt nach dem Grundsatz: „Die Eltern sind die Experten“, sie kennen ihr Kind am Besten. Es gebe einen grundlegenden Unterschied zwischen einem Hospiz für Erwachsene und einem für Kinder. „In einem Erwachsenenhospiz kommen die Betroffenen an, und bleiben dann dort bis zum Ende. Ein Kinderhospiz dient zur Auszeit für das Kind und seine Familie. Sie kommen dreimal pro Jahr zu uns, jeweils für eine Woche. Die Familien können sich aber entscheiden, wenn die finale Phase beginnt, zu uns zu kommen und bis zum Ende zu bleiben“, erklärt Olf. Die 54-Jährige hat selbst drei erwachsene Kinder. Als sie angefangen hat, im Kinderhospiz Sterntaler zu arbeiten, haben zwei ihrer Kinder noch zu Hause gewohnt. Für sie sei es nicht komisch gewesen, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und ihre gesunden Kinder zu sehen. „Man muss beim Heimkommen Distanz zu der Arbeit aufbauen und sich ablenken. Das heißt nicht, dass man nicht darüber sprechen soll. Ich bin ein Mensch, es wäre gelogen zu sagen, ich kann einfach den Schalter umlegen.“ Das sei in ihren Augen auch nicht Voraussetzung, um den Beruf auszuüben. Vielmehr sollte man sich vorher mit dem Thema Tod auseinandersetzen, sich klar werden, was man selbst darüber denkt. Olf erzählt, dass sie oft von den Kindern danach gefragt werde. Außerdem sei es wichtig, das eigene Leben wertzuschätzen und seine Interessen zu verfolgen. Und man sollte zuhören können. Alles in allem überwiegen für die Heilpädagogin die glücklichen Momente bei ihrer Arbeit. Das heiße aber nicht, dass sie nie weinen müsse. Sie könne dann aber im Team immer mit einem offenen Ohr rechnen. „Natürlich ist es nicht einfach, wenn ein Kind stirbt, das man schon länger betreut und zu dem man eine Bindung aufgebaut hat. Es ist auch nicht einfach, die Eltern danach zu sehen. Aber die Kinder bleiben in unseren Herzen.“ Im Kinderhospiz stünden das Kind und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt. „Wir erfüllen auch letzte Wünsche: Wir hatten einmal ein Mädchen, das unbedingt in ein Märchenschloss wollte. Also organisierten wir eine Kutschfahrt auf einem Schlossgelände.“ Die Kinder auf diese Weise glücklich zu machen, sie lachen zu hören, sei das Schönste an ihrem Beruf. Olf genießt es, an einem Ort zu arbeiten, wo Menschen Halt finden und den Alltag ein Stück weit vergessen können. „Hier bei uns ist immer Remmidemmi, wir machen zusammen Musik oder besuchen Tiere. Wir versuchen, die wenige Zeit, die bleibt, so schön wie möglich zu gestalten.“ Martina Olf lächelt immer noch, als sie ein Fazit zieht: „Unser Ziel ist es, den Kindern ein schmerzfreies und würdevolles restliches Leben zu schenken. Man kann auch mit den Kindern offen über das Sterben sprechen, die können damit umgehen. Unsere Gesellschaft darf den Tod nicht mehr zum Tabuthema machen.“