Speyer Ein Abend im Zeichen des vollen Klangs

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Ganz im Zeichen romantischer Klangfülle stand ein Konzert des Hesse-Quartetts am Sonntagabend in der gotischen Kapelle des Speyerer Adenauerparks. Nicht zeichnerische Strukturbestimmtheit, sondern voller emphatischer Klang kennzeichnet das Spiel des Ensembles.

Wie schon in früheren Jahren begann das Streichquartett aus Wolfgang Brodbeck, Manfred Holder (beide Violine), dessen Ehefrau Susanne Holder (Viola) und Schwester Beate Holder-Kirst (Violoncello) mit einer Bearbeitung: vier Sätze aus der Oper „Ariane“ und Georg Friedrich Händels „Wassermusik“. Es war reizvoll, einmal wieder Barockmusik ohne Referenz an die historische Aufführungspraxis, sondern im volltönenden und weichen Klanggewand zu hören. Mit Joseph Haydns Streichquartett D-Dur folgte ein Klassiker der Gattung. Das an der Schwelle zum 19. Jahrhundert entstandene Spätwerk weist eine Menge für die damalige Epoche geradezu eklatanter Neuerungen in der Satztechnik, Melodik, Harmonik und formalen Gestaltung auf. Die Wiedergabe des Hesse-Quartetts stellte im Kopfsatz und Menuett nicht ganz zufrieden. Hier fehlte einiges an Konturiertheit und Stringenz. Pures Glück vermittelte hingegen der exponierteste Satz („Largo cantabile“), der in seiner für die Zeit erschreckenden Modernität weit in die Zukunft weist – bis hin zum späten Beethoven mit seinem ernsten Tonfall, der Expressivität, kühnen, chromatischen Harmonik und Modulatorik. Das Hesse-Quartett wurde diesem Satz vollauf gerecht, brachte all diese Eigenheiten mit großer Intensität zum Klingen und produzierte einen Reichtum am Klangfarben. Schon wie ein Vorgriff auf die Romantik wirkt auch das Finale, das von einem quasi-mendelssohnschen Tonfall geprägt ist. Diesem Presto verlieh das Hesse-Quartett ebenso prägnante Gestalt. Nach der Pause stand mit dem zweiten Streichquartett in a-moll von Johannes Brahms keine musikalische „Lean Cuisine“ auf dem Programm – zumal an diesem heißen Sommerabend, dessen Bruthitze selbst durch die dicken Mauern der alten Kapelle drang und eine Herausforderung für die Musiker darstellte. Dabei erfordert Brahms’ Quartett in seiner Satzdichte und Ausdehnung für die Zuhörer und besonders für die Instrumentalisten an sich schon Konzentration genug. Bei Brahms war das Hesse-Quartett ganz in seinem Element. Leidenschaft und romantische Emphase prägten die Interpretation. Deutlich arbeitete das Ensemble das komplexe Stimmgeflecht heraus, überzeugte auch durch das exakte Zusammenspiel der einzelnen Instrumente und gab dem spezifischen inneren Glühen der Musik beredten Ausdruck.

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