Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Dudenhofen: Holger Grimm leitet Symposium

Glückliche Gesichter: Holger Grimm, Marlies Goldschmidt und Enkel Friedrich, der ihre Werke vom Staub reinigt. Foto: Lenz
Glückliche Gesichter: Holger Grimm, Marlies Goldschmidt und Enkel Friedrich, der ihre Werke vom Staub reinigt.

Einmal im Jahr heißt es auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Dudenhofen: Parken verboten! Denn für eine Woche schlagen zehn Hobby-Steinmetze dort ihren Arbeitsplatz auf, und es wird fleißig gehämmert. Allen gemeinsam ist die Faszination an der Entstehung eines Kunstwerkes in einzigartiger Atmosphäre

Diesmal hat der Speyerer Bildhauer Holger Grimm, der den Kurs leitet, aus dem Haardter Steinbruch besonders schöne Steine mitgebracht. Spannende rötlich braue Maserungen ziehen sich durch das warme Gelb. Mit Stein zu arbeiten hat den gelernten Werkzeugmacher Gustav Adlhoch immer schon gereizt. Zum elften Mal schwingt der Dudenhofener hier den Hammer und lässt dabei „Die Hockende“ entstehen. „Weil es Spaß macht“, nennt er seine stete Motivation. Nur seine Frau sei ein wenig skeptisch. „Sie weiß nicht, wie viel Kunst der Garten noch vertragen kann“, scherzt er.

Erfahrung bringt auch Eveline Sanderbeck mit, sie ist zum siebten Mal dabei. Schon in früher Jugend hat die Krankenschwester aus Dudenhofen plastisch gearbeitet. Ihr aktuelles Projekt sind die fünf Sinne. Sie beginnt mit dem, wie sie sagt, leichtestem davon, dem Mund. Das Ohr soll folgen. „Wenn man die Technik raus hat, ist vieles möglich“, sagt sie und gibt noch einen entscheidenden Tipp: „Kauf dir gescheites Werkzeug!“

Ein Geschenk zur Hochzeit

Georg Scherdel, Starkstromelektriker aus Lambsheim, nimmt zum fünften Mal teil und fertigt ein Geschenk zur Hochzeit seiner Cousine im Schwabenländle. Daher ziert den „Eingangsstein“ eine Eisenbahn, und auch die Arbeitsstelle des Bräutigams bei einer Schweißfirma spiegelt sich wider. Mittig prangt ein Amboss. „Handwerklicher Kram macht mir halt Spaß“ lautet der Antrieb für sein schöpferisches Tun.

Holger Blaufuß, technischer Angestellter aus Lambsheim, legt zum vierten Mal Hand an den Stein. Ergebnis ist eine Marienfigur „Mutter mit Kind“, der möglichst im nächsten Jahr ein Josef folgen soll. Nach einigen Acryl-Malkursen reizt ihn beim Bildhauen die Dreidimensionalität. „Das sehe ich als Herausforderung“, so sein Eigenanspruch.

Kombination aus Vergnügen, Kunst und Arbeit

Die Inspiration für das Oberteil einer keltischen Grabstele bekam Christine Horrer durch eine Ausstellung im badischen Landesmuseum. Der dort auf eine Eisenstange montierte „Heidelberger Kopf“ bekommt in der Version der technischen Zeichnerin aus Waldsee einen soliden Steinsockel. Nach Berichten über Sandsteinworkshops vor drei Jahren ist ihr Entschluss gefallen: „Das will ich auch mal machen.“ Seither ist sie dabei.

Gegenständliche Arbeit hat es ebenso dem Otterstädter Diplom-Pädagogen Michael Kurt angetan. Seit zwölf Jahren einer Malgruppe angehörig, wollte er etwas Neues ausprobieren und meißelt im dritten Jahr mit – heuer einen Fisch. Die Kombination aus Vergnügen, Kunst und Arbeit begeistern ihn genauso wie die Unterstützung der routinierteren Teilnehmer. „Das ist fantastisch“, schwärmt er.

Ägyptische Vorbilder

Davon überzeugt hat er seinen Freund Wolfgang Hanel, der extra aus Ramseck (Raum Ludwigsburg) angereist ist, um sich nun erstmalig einen schon langen gehegten Wunsch zu erfüllen – einen Bildhauerkurs. „Bei uns gibt es sowas nicht“, sagt der Internist und Diabetologe. Sein Werk, eine eher archaisch gehaltene Skulptur, erinnert an ägyptische Vorbilder.

Stefan Seepe aus Maudach bekam den Kurs von seiner Frau geschenkt, die meinte: „Sowas könnte sich gut im Garten machen!“ Sicherlich erfüllt die Arbeit des Psychologen, ein geteilter und ein weiterer aufgelegter Block, bei dem die Ursprünglichkeit zusammen mit den einwirkenden Kräften sowie die künstlerische Eigengestaltung sichtbar werden, die Vorgabe.

Die Wingertsteine der Deidesheimer Künstlerin Bettina Morio haben der Sozialpädagogin Melanie Paff aus Schifferstadt den Impuls gegeben. An ihrer in Stein gehauenen orientalischen Stadtansicht möchte sie Zuhause noch weiterarbeiten. In ihrem zweiten Kurs hat sie sich viel vorgenommen. „Das habe ich unterschätzt“, gibt sie lächelnd zu.

Die zehnte Teilnehmerin bin ich selbst. Als erstmalige Wiederholungstäterin versuche ich mich an einer schlanken weiblichen Skulptur. Den gewollten Körperschwung bekomme ich nicht so hin wie gewollt, und am fünften Tag passiert die Katastrophe: Der Kopf springt in der Mitte. Zum Glück kann Meister Grimm mit Epoxidharz kitten. Täglich begleitet er die Gruppe mit Tipps und gekonnten Schlägen, spendet Lob und Trost – so auch Marliese Goldschmidt, Leiterin der örtlichen Volkshochschule. Ihre künstlerisch versierten Hände gestalten einen abstrakten Frauentorso und einen Zweiteiler aus Adam und Eva.

Alle Werke konnten bei ihrer Entstehung und der abschließenden Vernissage, musikalisch umrahmt von „Halitus Exprementes“, bewundert werden.

x