Speyer „Dort bin ich der, der anders ist“

Hat sich im Vorfeld viel über Uganda, das in Ostafrika liegt, informiert: Jannes Wagner aus Waldsee.
Hat sich im Vorfeld viel über Uganda, das in Ostafrika liegt, informiert: Jannes Wagner aus Waldsee.

„Warum ausgerechnet Uganda?“ Diese Frage hat Jannes Wagner aus Waldsee in den vergangenen Wochen häufiger zu hören bekommen. Der 19-Jährige, der im Frühjahr sein Abitur an der IGS Mutterstadt gemacht hat, fliegt heute für 13 Monate nach Uganda, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Therapie-Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung zu machen.

Für Wagner steht schon länger fest, dass er Informatik mit dem Schwerpunkt Kryptologie studieren möchte. Ebenso klar war für ihn, dass er zwischen Schule und Studium eine andere Kultur kennenlernen und eine andere Art, die Welt zu sehen, erleben möchte. „Wann habe ich so eine Gelegenheit noch einmal?“, fragt er. Der 19-Jährige hat sich nach reiflicher Überlegung für die christliche Organisation Eirene mit Sitz in Neuwied entschieden, einem relativ kleinen Verein, der sich seit 1957 gewaltfrei für den Frieden einsetzt und der gerade dieses Jahr den Evangelischen Friedenspreis verliehen bekommen hat. „Bei den Informationsseminaren habe ich gelebtes Christentum erfahren und ich befürworte ihre Grundsätze“, erklärt er. Die Organisation bietet Freiwilligendienste in Marokko und Uganda an. „Marokko war mir zu nah, wenn, dann sollte es eine völlig fremde Kultur sein“, erklärt der Waldseer. Und fremd wird das afrikanische Land Uganda sein, dessen ist sich Wagner bewusst. „Die Landessprache Lunada kann man hier gar nicht lernen“, erklärt er. Die ersten vier Wochen wird er in Uganda erst einmal bei einer Gastfamilie wohnen und einen Sprachkurs machen. Dann kommt er an seinen Einsatzort, dem Katalemwa Cheshire Home (KCH), am Rand von Ugandas Hauptstadt Kampala. Das ist ein Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Sie werden dort mit einem Elternteil aufgenommen und medizinisch versorgt und therapiert. Außerdem erhalten sie Informationen über ihre Behinderung und den Umgang damit. Ziel ist es, die Kinder in die Gesellschaft zu integrieren. Was Wagner genau machen wird, steht noch nicht fest, denn er ist der erste Freiwilligendienstleistende in dieser Einrichtung. Möglichkeiten gebe es aber einige: Er könne mit den Kindern etwas Kreatives unternehmen, bei der Dokumentation von Entwicklungen der Kinder helfen, eine Internetseite der Einrichtung aufbauen und pflegen, bei der Schulung der Eltern mithelfen und die Organisation bei der Eintreibung von Spendengeldern unterstützen. Das seien nur einige Beispiele, sagt der 19-Jährige. Wie es in der Praxis aussehe, werde sich zeigen. Ebenso ob er in der Einrichtung wohnen, oder sich eine eigene Unterkunft suchen werde. Anfangs habe er sich den Umgang mit den Kindern gar nicht so recht zugetraut, erzählt Wagner. Doch bei einem vierwöchigen Praktikum in der Pestalozzi-Förderschule in Speyer und als Betreuer bei Kinder-Freizeiten der protestantischen Kirchengemeinde Waldsee-Otterstadt habe er Erfahrungen sammeln können und festgestellt, dass ihm der Umgang mit Kindern viel Spaß mache, erzählt er. Vor seiner heutigen Abreise hat Wagner sich über das Land informiert, viel auf den Vorbereitungsseminaren von Eirene erfahren und sich, wie er sagt, gegen so ziemlich alles, was möglich sei, impfen lassen. Mit im Gepäck sind auf alle Fälle ein Moskito-Netz, Malaria-Prophylaxe und – ganz wichtig – Sonnencreme für die ersten Wochen. Ansonsten könne man ja alles, was man brauche, in Kampala bekommen – außer vielleicht Brot, wie Wagner mit einem Schmunzeln erklärt. Das werde in Uganda nämlich kaum gegessen, und er werde es wahrscheinlich ein bisschen vermissen. Mit dabei ist natürlich auch der Laptop und das Smartphone, um Kontakt mit der Familie und Freunden zu halten und regelmäßig Rundbriefe an sie und an Sponsoren sowie alle anderen, die Interesse daran haben, zu schreiben. Der 19-Jährige ist sich bewusst: „Ich werde mich in diesem Jahr verändern.“ Interessant werde auch sein, das Thema Rassismus aus einer anderen Perspektive zu erleben. „Da bin ich dann der, der anders ist“, sagt Wagner. Kontakt — Wie bei Freiwilligendienstleistenden üblich, ist auch der Waldseer Jannes Wagner angehalten, Sponsoren zu suchen, die einen Teil seiner Aufenthaltskosten mitfinanzieren. Wer ihn unterstützen möchte, kann das entweder über die Eirene-Internetseite machen: www.eirene.org/freiwillige und dann Jannes Wagner anklicken oder direkt eine Spende überweisen an: Eirene Freiwilligendienst Jannes Wagner, KD-Bank, IBAN: DE16 3506 0190 1011 3800 14, BIC: GENODED1DKD. —Wer Wagners Rundbriefe bekommen möchte, kann sich per E-Mail anmelden: janneshelmke@gmail.com

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