Speyer Die Welt ein Stückchen besser machen

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Der Glaube ist für Ludwig Ofer Ansporn, die Welt ein Stückchen besser machen zu wollen. Das erzählt der 70-Jährige bei einem Besuch der Senioren-Residenz Dudenhofen. Ofer ist Mitglied des Caritasteams der Pfarrei Heilige Hildegard: Wöchentlich besucht er mit drei Mitstreiterinnen kranke und alte Menschen in der Gemeinde.

„Grüße Sie, wie geht’s Ihnen denn?“ Mit einem breiten Lächeln geht Ludwig Ofer auf einen Bewohner der Senioren-Residenz zu, der gerade die Cafeteria durchquert. „Was macht das Kopfweh?“, fragt er den älteren Mann, mit dem er bei seinen Besuchern immer wieder gerne ein paar Worte wechselt. „Ich brauche einen neuen Kopf“, antwortet der Mann lachend und freut sich sichtlich über die kleine Aufmerksamkeit. Seit 34 Jahren ist der Dudenhofener Ofer im Gemeindeausschuss seines Heimatdorfs aktiv und kümmert sich um die Caritas-Arbeit. Mit drei Mitstreiterinnen besucht er alle ein, zwei Wochen kranke Gemeindemitglieder in den drei Speyerer Krankenhäusern. Jede zweite Woche ist er zudem in der Dudenhofener Senioren-Residenz und betreut dort vor allem demenzkranke Bewohner. Nicht mit allen ist ein Gespräch möglich. „Manchmal sitze ich auch einfach nur bei den Menschen, halte die Hand, lächele sie an“, erzählt Ofer. Es gehe darum, Zuneigung zu geben. Bei anderen versuche er, durch gezielte Fragen, etwa über den Zweiten Weltkrieg und ihre Erfahrungen und Erlebnisse damit, etwas aus ihnen herauszubekommen. „Manche sprudeln geradezu, wenn es um früher geht“, berichtet er. Ofer war als 20-Jähriger ein Jahr lang selbst schwer krank. Das habe sicherlich eine Rolle für sein Engagement für die Alten und Sterbenden gespielt, ist er überzeugt. Die Arbeit im Krankenhaus und der Seniorenresidenz ist „eine Bereicherung für mich“, sagt er. Menschen aus ihrer Lethargie herauszuholen und dafür ein Lächeln zurückzubekommen, sei schön. „Auch wenn sie nichts sagen, sie merken, dass jemand da ist, der ihnen Zuneigung gibt“, ist der 70-Jährige überzeugt. Er unterhält sich angeregt auch mit denen, die ihm nur zufällig in der Senioren-Residenz begegnen. Wie Doris Dieter. Die Seniorin hat sich ein helles Fleckchen am Fenster in der Cafeteria gesucht und schlägt die RHEINPFALZ auf. „Ich komme gerne hierher, wenn der Putztrupp durch ist, dann ist es so schön ruhig hier“, erzählt sie, ehe sie die Zeitung gemeinsam mit Ofer durchblättert. Der Dudenhofener hatte als Bankkaufmann gearbeitet, wechselte dann zu Mercedes nach Mannheim in die Verwaltung. Seit zehn Jahren ist er im Ruhestand. Sein Engagement war quasi der Gegenpol zur Arbeit. Zum Glauben kam er als Kind, „vor 60 Jahren war ich schon Ministrant“, erzählt er. An Gott zu glauben, ist seiner Ansicht nach „wichtig, wenn man sieht, wie die Welt ist“. Auch im Kleinen könne man sie ein Stückchen besser machen. Seine Frau nehme es mit Humor, dass er so viel in Sachen Ehrenamt unterwegs ist, sagt Ofer lachend. Denn abgesehen vom Caritasteam engagiert er sich als zweiter Vorsitzender des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer im Rhein-Pfalz-Kreis sowie im Asylkreis Dudenhofen, macht mittwochs Domdienst in Speyer und hatte jahrelang eine eigene Galerie. Einmal im Monat gibt er inzwischen eine Wortandacht für Demenzkranke in der Kapelle in der Senioren-Residenz, gemeinsam mit Hedwig Kögel vom Pfarreirat. Diese Andacht bedeute den Menschen viel. „Wenn sie singen, merken sie gar nicht, dass sie krank sind“, beobachtet er. Ein Krankenbesuchsdienst soll nun auch in den anderen Gemeinden der Pfarrei aufgebaut werden, berichtet Ofer. An eine Begegnung im Stiftungskrankenhaus erinnert er sich besonders gerne. Vor 20 Jahren habe er einen todkranken Mann dort besucht. Als er an die Tür geklopft habe, habe ihm eine Krankenschwester gesagt, dass er besser wieder gehen solle. Aus dem Zimmer habe der Mann aber gerufen: „Herr Ofer, kommen Sie.“ Dann habe er um den Beistand des Pfarrers gebeten, der abends noch vorbeigekommen sei. Ofer dachte, dass es wegen der letzten Salbung sei – bis ihm zehn Jahre später jemand beim Tanken auf die Schulter geklopft und gesagt habe: „Du hast mich damals im Krankenhaus besucht, jetzt bin ich wieder gesund.“ |hn

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