Speyer
Die Tanne wird vermisst
Früher war mehr Lametta. Auf diese Weise kann man Weihnachtsfeste oder auch die Adventszeit in mehreren Jahren vergleichen. Neuerdings können auch die Corona-Inzidenzen herangezogen werden – ist es 2021 schon katastrophaler als im Vorjahr? Da die Antwort so unerfreulich ist, ziehen wir lieber die Christbaum-Statistik heran: Wie viele öffentliche Plätze hat die Stadt mit geschmückten Bäumen bestückt?
Hier ist es anders als bei der Inzidenz, aber auch nicht unbedingt positiv: Es sind nämlich weniger große Christbäume. Der auf dem Postplatz wurde zuletzt schon vermisst. Traditionell hat die Stadt dort früher einen aufgestellt, aber diesmal fehlt er. Die Ursache liegt ausnahmsweise mal nicht in der Pandemie, wie eine Stadtsprecherin sagt: Auf den städtischen Aufruf an die Bürger, wer eine zu groß gewordene Tanne aus dem eigenen Garten spenden wolle, sei die Resonanz „eher verhalten“ gewesen. Folge: Es fehlte an geeigneten großen. Früher hatte es mehrere Spender gegeben. Der Postplatz erhielt somit keinen entsprechenden Schmuck, für den Berliner Platz und den Heinrich-Lang-Platz waren nur Gruppen kleinerer Fichten und Nordmanntannen möglich. Christa Berlinghoff in West und Rosemarie Keller-Mehlem in Nord koordinieren deren Verzierung, so die Stadt.
Baum für Dom gekauft
Für den repräsentativsten Platz, direkt am Dom, nimmt die Stadt das Fehlen von Nadelbaum-Spendern nicht einfach so hin. Hier musste es ein großes Exemplar sein – und das wurde eben eingekauft. Nach einer Ausschreibung erhielt ein Lieferant aus Essen den Zuschlag, erklärt die Stadtsprecherin. Der Tannenbaum kommt also aus dem Kohlenpott.
Am Postplatz bleibt es jedoch bei wenig Lametta – im übertragenen Sinn. Hinzu kommt, dass dort auch kein Weihnachtsmarkt mehr gastiert, wie noch vor einigen Jahren. Und nicht einmal der Blick auf den Glas-Nikolaus ist möglich, der jahrelang das Altpörtel zierte. Dieser wurde schon im Vorjahr wegen statischer Probleme nicht mehr aufgehängt, weshalb er in den Kulturhof umzog. „Daran hat sich nichts geändert“, wird im Rathaus bestätigt.