Speyer
Die Stolpersteine kommen per Post
Ingrid Kolbinger, Mitglied der Initiative, hat vorige Woche ein ganz besonderes Paket erhalten: Der Bote habe zuerst bei ihr geklingelt, um sicherzugehen, dass er die mehr als 20 Kilogramm schwere Fracht nicht unnötig aus dem Laster hievt. Drinnen: die 15 messingfarbenen Steine, „schön gepolstert und angeordnet“. Sie erinnern an die Mitglieder der fünf Speyerer Familien Reichenberg, Moritz, Herz, Jossé und Hildesheimer, die bei der diesjährigen Verlegung berücksichtigt werden sollen – in der Maximilianstraße, Gilgenstraße und Kleinen Gailergasse.
„Wir warten jetzt auf die Stadt und wünschen uns ganz arg, dass es noch in diesem Jahr mit einem Termin klappt“, sagt Kolbinger. Demnig lege normalerweise großen Wert darauf, die Steine persönlich zu verlegen, habe aber schon so viele Termine zugesagt, dass er die jetzt wegen der Corona-Auflagen ausfallenden nicht nachholen könne. Für das Jahr 2021, wenn je nach Genehmigung der Stadtgremien erneut zehn bis 20 Stolpersteine verlegt werden sollen, sei der Kölner Künstler wieder angefragt, berichtet Corinna Benz von der Initiative. Vorschläge dafür gebe es bereits. Der Kulturausschuss wird damit befasst.
„Es geht weiter“
Die Speyerer Gruppe hat die Biografien der Opfer erforscht und eine Liste erstellt, die noch Verlegungen weit über 2021 hinaus ermöglicht. Die Stadt und zahlreiche Spender unterstützen sie dabei. „Die Steine für 2020 sind da und sind bezahlt, es ist uns wichtig ein Signal zu geben, dass es trotz Corona weitergeht“, betont Benz. 37 Steine sind schon verlegt, „und die Ideen gehen uns nicht aus“, versichert sie. Was damit zu tun hat, wie gründlich die Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 mehrere Opfergruppen wie Juden, Homosexuelle, Zeugen Jehovas oder politische Gegner verfolgt haben.
Zeugen Jehovas waren etwa die Mitglieder der Familie Jossé, von der diesmal die einzigen Nachkommen angekündigt waren, die der Verlegung beiwohnen wollten: Unter anderem die in Speyer noch bekannte ehemalige Artistin Freya Widmeier-Jossé (90) aus Kirchheim-Teck gehöre der Familie an. In den vergangenen Jahren waren unter anderem Gäste aus den USA angereist, auch für kommende Jahre habe sie schon wieder einen Kontakt in die Staaten geknüpft, berichtet Kolbinger.
Öffentlicher Termin geplant
Wenn die Corona-Situation und die Stadt es zulassen, soll die Verlegung auch 2020 öffentlich stattfinden, gerne wie in den Vorjahren mit Empfang im Historischen Ratssaal, so Benz. Bis dahin gebe es aber noch einige Ungewissheiten, weiß sie: „Wir sind beim Termin flexibel.“