Speyer „Die Sprache ist wunderschön“

Erstes Musiktage-Konzert im neuen Chorsaal der Dommusik: Solistin Juliane Banse.
Erstes Musiktage-Konzert im neuen Chorsaal der Dommusik: Solistin Juliane Banse.

Paul Hindemiths Lieder nach Rainer Maria Rilkes Gedichtzyklus „Das Marien-Leben“ stehen auf dem Programm eines Konzertabends der „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer“. Die Sopranistin Juliane Banse singt am Dienstag, 18. September, 20 Uhr, im Haus der Kirchenmusik. Die Pianistin Liese Klahn begleitet sie. Unsere Mitarbeiterin Antonia Kurz hat vorab mit der 49-Jährigen gesprochen.

Frau Banse, was wissen Sie über „Das Marien-Leben“?

Es ist ein Gedichtzyklus von Rainer Maria Rilke, der 1912 geschrieben wurde. Rilkes Text wurde von dem deutschen Komponisten Paul Hindemith für Sopran und Klavier vertont. 1923 hatte das Werk in Frankfurt Premiere. Der Titel verrät einiges. Aber worum geht es? Der Text von Rilke besteht aus 15 Teilen. Sie erzählen das Leben Marias. Von der Geburt der Muttergottes über die Geburt Christi bis zum Tod Marias. Die Sprache ist wunderschön, wenn man folgende Zeile als Beispiel nimmt: „Und der Engel sprach und gab sich Müh’ an dem Mann, der seine Fäuste ballte: Aber siehst du nicht an jeder Falte, dass sie kühl ist wie die Gottesfrüh’.“ Haben Sie sich das Werk selbst ausgesucht? Ja, ich habe das Stück erst vor einigen Jahren wirklich näher kennen gelernt und war sofort sehr fasziniert davon. Es wird ja nicht oft aufgeführt, und man hat deshalb auch keine wirkliche Vorstellung davon, bis man sich sozusagen selber hineinkniet. Was gefällt Ihnen daran? Das Besondere daran ist, dass einmal der gesamte Fokus auf der Person Marias liegt, auf ihrem Leben auch vor der Geburt Jesu und nach dessen Tod. Es ist von Rilke in seinen Texten sehr liebevoll dargestellt, zum Beispiel mit dem Bild, dass Marias Platz im Himmel ja noch ganze 24 Jahre leer war, bis sie dann endlich auch kam. Ist es gesangstechnisch besonders herausfordernd? Es gibt ja zwei Fassungen von diesem Stück. Hindemith hat es umfassend überarbeitet und in gewisser Weise auch vereinfacht, sowohl für den Zuhörer als auch für die Ausführenden. Wir haben uns für die frühe Fassung entschieden, die sowohl für das Klavier als auch für die Sängerin musikalisch komplizierter und technisch herausfordernder ist. Wir finden, dass diese Frühfassung reicher, spannender und vielfarbiger ist als die „entschärfte“ spätere Fassung. Freuen Sie sich darauf, in Speyer zu singen? Sehr. Bei solchen kurzen Terminen hat man ja nie wirklich Zeit, den Ort zu genießen, aber ich werde bestimmt etwas Zeit in der Stadt verbringen und die Atmosphäre auf mich wirken lassen. Was glauben Sie, wird der 18. September eher elegisch oder überraschend aufregend? Der Abend wird eine spannende Erfahrung für das Publikum. Die Musik ist nicht ganz leicht, man muss sich darauf einlassen, aber dann ist das Stück sehr aufregend. Was geht Ihnen in den Minuten vor dem Auftritt durch den Kopf? Das ist ganz unterschiedlich. Natürlich versucht man, sich ganz auf die Aufgabe, das Stück und das Konzert zu konzentrieren. Aber es kann auch sein, dass zwei Minuten vor dem Auftritt noch eines meiner Kinder anruft. Dann geht es noch mal kurz um ganz etwas anderes. Vorverkauf Eintrittskarten gibt es bei den RHEINPFALZ-Servicepunkten und beim RHEINPFALZ-Ticketservice unter der Telefonnummer 0631 37016618.

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