Speyer / Neustadt
Die kleinen Streber sind eine Sensation
„Das ist auch für mich einmalig“, sagt Chefarzt Dr. Hans-Jürgen Gausepohl. Die Wahrscheinlichkeit eineiiger Drillinge liegt demnach bei 1 zu 200 Millionen. Die drei Mädchen sind ein Ergebnis von jährlich rund 700.000 Geburten in Deutschland. Im Speyerer Krankenhaus sind Rosalie, Genevieve und Ida nach Angaben von Hebamme Sandra Weichsel in diesem Jahr die ersten Drillinge, 2019 gab es eine Dreifach-Geburt.
Für ihre Eltern ist der dreifache Nachwuchs wie ein Sechser im Lotto. „Ich habe mir immer zwei bis drei Kinder gewünscht“, sagt Sommer. Über weiteren Zuwachs will sie noch lange nicht nachdenken. Bis zur 13. Schwangerschaftswoche sei sie von Zwillingen im Bauch ausgegangen, erzählt die junge Mutter. „Bis der Frankfurter Mehrlingsspezialist einen dritten Herzschlag vernommen hat.“ Weder sie noch der Vater seien daraufhin in Panik geraten. „Wenn wir zwei schaffen, schaffen wir auch drei“, so ihre Devise von Anfang an. Dennoch habe sie die Ankunft ihrer Babys überrascht.
Zwölf Wochen zu früh
Rund 40 Zentimeter großes und 980, 1150 und 1290 Gramm schweres Glück sei ihnen zwölf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin 30. Juni in den Schoß gefallen, sagt die Mutter. Inzwischen sind die Drillinge jeweils fünf Zentimeter gewachsen, bringen bis zu knapp 3000 Gramm auf die Waage. „Sie sind kleine Streber“, beschreibt Sommer die „vorbildliche Entwicklung“ ihrer Töchter. Vor zwei Wochen konnten sie von der Neonatologie in die Normalstation der Klinik wechseln. Bis dahin habe sie sich mit ihrem Partner im Krankenhaus abgewechselt, erzählt Sommer. Sie stillt die Kinder und hat in diesen Wochen mit Hilfe des Pflegepersonals „alles gelernt, was ich über den richtigen Umgang mit drei Babys wissen wollte“.
Den Eltern ist nicht bange vor dem Familienalltag inklusive Hund und Katze. An ruhige Nächte glaubt Vater Jarred Joens jedoch zunächst nicht. „Die Großeltern und sechs Paten werden eingespannt“, kündigt der US-Amerikaner an, der bis zur Corona-Krise als Stuntman tätig war. Seitdem ist er arbeitslos, was die Familie finanziell hart trifft.
Berufspläne verschoben
„Trotzdem ist es gut, dass er erst einmal zu Hause bleiben kann“, sagt Sommer, die vor ihrer Schwangerschaft auf dem Weg in die Selbständigkeit als Theaterpädagogin war. „Solche Pläne habe ich auf Jahre verschoben.“ Die Drillingsmutter weiß, was mit drei Kindern auf sie zukommt. Diese sollen zweisprachig aufwachsen. Die Großmutter väterlicherseits setze alles daran, von Amerika nach Neustadt reisen zu können, um ihre ersten drei Enkelinnen sehen: „Zwei Monate will sie bleiben und uns unterstützen.“
Zunächst freut die Mutter sich auf die gemeinsame Fahrt im neuen, Großfamilien-tauglichen VW Maxi Team nach Hause und auf ihr eigenes Bett. Im Gepäck: Windelgutscheine der Diakonissen à 150 Euro sowie von einer anderen Mehrlingsmutter genähte Kleidung. Die Babys gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen. „Dennoch sind sie individuelle Geschöpfe“, sagt Sommer. „Jedes soll sich eigenständig entwickeln.“