Speyer „Die haben uns nicht weggelassen“

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Der Rock-Ruhestand ist längst vertagt. Heute, 20 Uhr, stehen die Scorpions auf ihrer „Return To Forever“-Tournee auf der Bühne der Mannheimer SAP-Arena. Rest-Eintrittskarten gibt es laut Veranstalter an der Abendkasse. Unser Mitarbeiter André de Vos hat vorab mit Bandgitarrist und Gründungsmitglied Rudolf Schenker (65) gesprochen.

Nach Rücktritt und dem Rücktritt vom Rücktritt folgten „50 Jahre Scorpions“ und jetzt die „Return To Forever“- Tour. Das klingt wirklich wie eine unendliche Geschichte...

Mit der Abschiedstour damals war alles wirklich ernst gemeint. Wir hatten ein tolles Album gemacht und waren überzeugt, dass wir das nicht noch einmal hinkriegen werden. 61 waren Klaus Meine und ich damals, da weiß man, was mit 65 ist: Nachher laufen wir hinter uns her, und alles ist nur blamierend. In diese Lage wollten wir nicht kommen. Da haben wir ganz klar gesagt, wir lösen uns nicht auf, sondern hören mit den Touren auf. Aber da standen noch ein paar Kontinente zur Disposition, die noch gar nicht berücksichtigt waren? Ja, dass diese Abschiedstour so fantastisch läuft, das hätten wir nicht gedacht. Und dass wir auf einmal über sechs Millionen Facebook-Fans haben, von denen 80 Prozent zwischen 16 und 28 Jahre alt sind, auch nicht. Und auch bei unseren Livekonzerten merkten wir, dass wir da total euphorisch sind. Wir konnten 2012 nicht das letzte Konzert absolvieren, weil wir England, Japan und Asien zum großen Teil noch gar nicht gespielt hatten. Aber dann hätten Sie doch nach diesen Konzerttourneen Schluss machen können... Ja, genau. Wir hatten uns gesagt, 2013 machen wir zunächst einmal ein bisschen frei, dass wir mal runterkommen. Da kommt im Januar von MTV das Angebot zu „Unplugged“. Wir hatten da das Gefühl, dass wir mit denen was ganz Außergewöhnliches machen können. Wir hatten noch dieses Bonustrack-Album in der Mache und mussten das dann stoppen, um „MTV – Unplugged“ fertigzustellen. Das wurde dann ein großer Erfolg. Und dann war im vergangenen Jahr ja auch noch das 50-Jährige zu feiern... Als ich bei der Fertigstellung eines Albums mit Bonustracks mein Büro renoviert habe, was mehr ein Gitarrenzimmer ist, da kamen auf einmal alte Unterlagen zutage. Das war das Kassenbuch von meiner Mutter, die damals das Geld eingetrieben hat, was uns mein Vater geliehen hatte, damit wir uns Verstärker, Boxen und Gitarren kaufen konnten. Da stand die erste Eintragung: „Scorpions – Rückzahlung der Anlage“ und die Beträge. Das war September 1965. Da habe ich zu unserem Manager gesagt: „Weißt du, was los ist? Nächstes Jahr 50-Jähriges!“ Und unser Manager: „Das ist ja der Hammer! Da werde ich gleich einmal die Promoter fragen, ob die interessiert sind.“ Und die waren mehr als interessiert. Haben Sie jemals gedacht, dass die Scorpions den größten Teil Ihres Lebens ausmachen werden? Als wir 24 Jahre alt waren, da hat man uns gefragt: „Wie lange wollt ihr das noch machen? Was willst du mal mit 30 machen?“ Und heute machen wir das immer noch, und jetzt haben wir schon über 50 Jahre drauf und sind so euphorisiert, dass wir statt des Bonustrack-Albums jetzt ein ganz neues Album haben. Dazu kommt noch der Film „Forever And A Day“ über die Scorpions. Also hier hat sich etwas zusammengebraut. Wir wollten weg, aber die haben uns nicht gelassen. Das muss man einfach so sagen. Wissen Sie noch, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass Sie eine Rockband gegründet haben? Elvis, Little Richard, Eddie Cochran, alle die, wie sie da waren, haben mich hypnotisiert. Da habe ich mir eine Gitarre gewünscht. Mein Vater war riesenfroh, weil ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, mir ein Moped schenken zu lassen. Da war er kein Freund von: „Den Kopf abfahren sollst du nicht“, hat er immer gesagt. Sie haben auch noch in einem Fußballverein gespielt? Ja, ich war sogar ein sehr guter Fußballspieler, und alle fragten: „Wann kommst du wieder Fußballspielen?“ Und ich: „Ja, ja“, da hatte ich nämlich gemerkt, das Gitarrespielen nicht so einfach ist. Ich habe mich dann mehr aufs Musikhören verlegt, bis zu dem Zeitpunkt, als die Beatles und die Rolling Stones kamen. Da war für mich der Funke gelegt. Ich war mir trotzdem noch nicht ganz sicher, als ich angefangen habe, Gitarre zu üben, da hat mir das Schicksal genau diese Entscheidung abgenommen. Was ist passiert? Ich habe Starkstromelektriker gelernt. Da musste ich mal mit ein paar Lehrlingskumpeln was von A nach B transportieren. Bei diesem Ding ist mir die Anhängerkupplung auf den Fuß gefallen, und der Mittelfußknochen war gebrochen. Ein Vierteljahr kein Fußball spielen, das war die Entscheidung. Also da waren viele Faktoren im Spiel, als das Schicksal meinte, du musst Rockmusiker werden.

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