Speyer Die ewige Vizemeisterin

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WALDSEE. Lena Ebel wirkt derzeit sehr zufrieden. Die Waldseerin spielt in der Zweiten Bundesliga bei den Kurpfalz Bären in Ketsch Handball. Und daneben bleibt noch für (fast) alle anderen Dinge Zeit, die ihr wichtig sind.

Bei vielen Menschen, die man trifft, hat man das Gefühl, sie sind nicht so ganz glücklich. Irgendeine Stellschraube in ihrem Leben scheint nicht richtig zu sitzen. Beruf, Privates, Hobbys, irgendwo fehlt der letzte Dreh zum Glück – und der typische deutsche Pessimismus kommt zum Vorschein. Trifft man Lena Ebel, ist dies allerdings anders: Egal ob die Waldseerin vom Handball, von ihrem Privatleben oder von ihren Hobbys erzählt, sie klingt einfach immer glücklich und zufrieden. So, als befände sie sich in einem durchgängigen Glücksrausch. Mag sein, dass das auch an der Lebensfreude liegt, die sie versprüht. Aber sie hat an ihrem Leben derzeit auch wenig auszusetzen: Ebel wohnt in dem Ort, aus dem sie sich nicht vorstellen kann, einmal wegzuziehen, spielt in der Zweiten Bundesliga-Handball, wirkt privat gefestigt – und wenn sie Zeit hat, dann geht die Naturliebhaberin ihrem Lieblingshobby, dem Reiten, nach. Und Zeit dafür findet sie eigentlich fast immer. „Andere legen sich auf die Couch, ich setze mich eben aufs Pferd“, sagt Ebel. Reiten, sie betreibt dies schon seit ihrer Kindheit, ist für sie der perfekte Ausgleich zum Arbeiten – und auch zum Handballtraining. „Beim Handball kann ich mich körperlich fordern“, sagt die Freundin von Roko Peribonio, Torwart beim Zweitligisten TSG Friesenheim: „Reiten ist eher etwas, bei dem man einfach mal abschalten kann.“ Aber im Mittelpunkt ihrer Freizeit steht natürlich der Handball – und dies schon seit der C-Jugend bei der TSG Ketsch. Ins Badische wechselte Ebel nach drei Jahren bei der TG Waldsee, wo sie als Neunjährige begann. „Waldsee ist handballverrückt. Da landet man fast automatisch dort“, sagt die mittlerweile 23-Jährige. Mit der badischen Auswahl beziehungsweise der TSG Ketsch erreichte Ebel, die sich selbst als „ewige Vizemeisterin“ bezeichnet, die Finalpartien beim Länderpokal 1992 und 1993 und die Endspiele um die deutsche B-Jugendmeisterschaft 2009 und um die deutsche A-Jugendmeisterschaft 2011. Alle vier Begegnungen gingen verloren. Es waren Niederlagen, die schmerzten, die sie allerdings nicht aus der Bahn geworfen haben. Dafür verfolgt die Industriekauffrau, die bei der BASF in Ludwigshafen arbeitet, zu konsequent und zu ehrgeizig ihre Ziele. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, versuche ich das auch zu erreichen“, sagt Ebel. Im Sommer 2011, nach dem mit einem Tor verlorenen Finale um die deutsche A-Jugendmeisterschaft (Ketsch führte neun Minuten vor dem Ende der Begegnung mit drei Treffern), bekam sie einen Vertrag für die erste Mannschaft. So schnupperte sie in der Saison 2011/12 als Ergänzungsspielerin erstmals Zweitliga-Luft. „Das ging alles sehr schnell und ich habe lange gebraucht, um das zu realisieren“, sagt Ebel über die rasante Entwicklung. Nach einer Saison im Bundesliga-Unterhaus folgte der Abstieg in die Dritte Liga, der für Ebel persönlich allerdings eigentlich eher ein Aufstieg war. Sie wurde nämlich die Nummer eins auf der Linksaußenposition. Dadurch konnte sich Ebel in den drei Jahren in der Dritten Liga (ein Jahr in der West- und zwei in der Südstaffel) bis zum Wiederaufstieg mit den Kurpfalz Bären, wie die erste Damenmannschaft der TSG Ketsch mittlerweile heißt, im Frühsommer 2016 enorm weiterentwickeln. „Die Zweite Liga kam für meine Entwicklung jetzt genau richtig“, sagt Ebel: „Sie ist eine Herausforderung.“ Eine Herausforderung, die ihr allerdings manchmal noch etwas zu schaffen macht, beziehungsweise ihrem Kopf zu schaffen macht. „Ohne Kopf würde es vielleicht besser laufen“, sagt Ebel und lacht: „Manchmal stehe ich mir selbst ein bisschen im Weg, weil ich es nicht schaffe, alles abzurufen, was ich drauf habe.“ Aber auch das hat sich im Saisonverlauf schon gebessert. Übrigens: Mit einer Sache in ihrem Leben ist Lena Ebel dann doch nicht so ganz glücklich: Sie würde gerne mehr Zeit haben, um zu reisen. „Ich bin gerne an fremden Orten“, sagt sie und meint damit nicht die Auswärtsspiel-orte der Zweiten Handball-Bundesliga. Sondern richtig fremde Länder, auf anderen Kontinenten. Aber dafür hat sie derzeit einfach zu viele Handballtermine und zu selten mal über einen längeren Zeitraum frei. |tnf

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