Speyer Die Aktbilder kommen ins Schlafzimmer

Aufzuhören mit dem Malen? Das kommt für Monika Kuhn aus Schwegenheim nicht infrage. Die jung gebliebene 70-Jährige, die Kunst studiert hat, dem Germersheimer Kunstverein und den Pfälzer Malern angehört und Bauchtanz liebt, malt mit großer Leidenschaft Aquarelle und Acrylbilder – und das schon seit 52 Jahren. Nach 2009 und 2012 lädt die gebürtige Schwegenheimerin, die 50 Jahre in Wiesbaden wohnte, Kunstfans am Samstag erneut zum Tag des offenen Ateliers ein. „Wahrscheinlich zum letzten Mal“, wie sie im Gespräch mit Timo Nagel sagt.
Ich weiß ja nicht, ob ich das mit 73 Jahren noch machen kann. Das ist ja immer mit großem Aufwand verbunden. Und außerdem: Aller guten Dinge sind doch drei. Heißt das dann auch, dass Sie mit dem Malen aufhören wollen? Nein! Niemals! Da müsste ich schon aus gesundheitlichen Gründen keinen Pinsel mehr halten können. Wer rastet, rostet! Was bedeutet Ihnen das Malen? Das kommt von innen raus. Das, was du verinnerlicht hast, musst du nach außen bringen. Malen bedeutet für mich frei sein, mich frei zu machen von Zwängen und Belastungen. Malen dient zum Verarbeiten von Problemen und Situationen. Wie fing denn 1963 alles an? Was hat Sie zum Malen animiert? Mein Vater Max Seib war Berufsmusiker und Maler. Er hat sehr gegenständlich gemalt und mich unfreiwillig zum Malen animiert. Als kleines Mädchen war ich immer hintendran gestanden und habe geguckt, was er macht. Ich habe seine Bilder geliebt. Ich habe aber mehr expressionistisch gemalt und war auf der Freien Kunstschule in Wiesbaden. Da konnte ich mich mit dieser Methode verwirklichen. Mein Vater hat meine Bilder toleriert und nie gesagt, dass ich seinem Stil nacheifern soll. Wie oft malen Sie denn? Gibt es Lieblingszeiten? Eine gute Frage! Ich male intervallmäßig – wenn es mich überkommt. Auf Kommando geht das nicht. Ich kann nicht jeden Tag malen. Es kann sein, dass ich dreimal pro Woche male, und dann mal wieder einen Monat gar nichts mache. Das hängt von der inneren Konstellation, vom Gefühl ab. Wenn ich male, höre ich gerne klassische Musik, am liebsten Werke von Verdi. Und die Lieblingszeit? Morgens bin ich am Wüten, abends habe ich mehr Freiraum zum Malen. Wie viele Bilder haben Sie schon gemalt? Etwa 400 könnten es schon sein. Ich habe an zirka 45 Ausstellungen teilgenommen. Anfangs hauptsächlich in Wiesbaden, die letzten 20 Jahre dann im Bereich Vorder- und Südpfalz. Meine erste Ausstellung fand übrigens 1967 in Limone am Gardasee statt. Haben Sie eine Lieblingsfarbe, ein Lieblingsmotiv und ein Lieblingsbild? Meine Lieblingsfarbe ist Rot. Ein Lieblingsmotiv habe ich eigentlich nicht. Lieblingsmotive entstehen oft spontan: Wenn du irgendetwas siehst, es dir gefällt und du es plötzlich umsetzen willst. Ich habe ein gutes Gefühl für Proportionen. Bei mir ist von allem etwas dabei: Bäume, Vögel, Akte. Mein Lieblingsbild ist ein Aktbild meiner Tochter Sandra, das ich vor sechs Jahren gemalt habe. Aber verraten Sie doch nicht gleich alles: Die Leute sollen am Samstag einfach kommen und selbst schauen. Übrigens: Die Aktbilder stelle ich im Schlafzimmer aus (lacht). Na, das klingt ja wirklich verlockend! Was erwartet die Besucher am Samstag denn noch alles? Sie dürfen sich etwa 100 meiner Bilder anschauen – Motive querbeet. Es gibt Sekt und Brezeln. Und es soll eine informative Ausstellung, keine Verkaufsausstellung sein. Die Leute sollen sehen, sich informieren, wie ich male. Und was haben Sie noch alles vor? Weiter zu malen. Ich möchte meine Malfamilie, die Pfälzer Maler, auch künftig unterstützen. Denn dort herrscht immer eine so schöne entspannte Atmosphäre. Und ich werde mich um die Teilnahme am „Albert Haueisen-Preis“, dem Kunstpreis des Kreises Germersheim, bewerben.