Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Diakonissen-Campus: Archäologen machen spektakulären Fund

Hockerbestattung: Mittlerweile zehn solcher Funde aus dem dritten Jahrtausend vor Christus haben die Archäologen gemacht.
Hockerbestattung: Mittlerweile zehn solcher Funde aus dem dritten Jahrtausend vor Christus haben die Archäologen gemacht.

Eine unerwartete Entdeckung haben Archäologen und Grabungstechniker auf dem Campus des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses in Speyer gemacht. In der Baugrube, in der ein neues Wohnheim entstehen soll, haben sie Skelette ausgegraben. Und die liegen wohl schon deutlich länger dort, als die Experten erwartet haben.

Wirbelsäule, Becken- und Kieferknochen von „Nummer zehn“ sind schon freigelegt. Mit Kellen und Stuckateurswerkzeug nähern sich drei Grabungstechniker gerade vorsichtig Ober- und Unterschenkeln des neusten Funds in der Sandgrube auf dem Diakonissen-Campus in der Rulandstraße. Noch bis zum Abend wollen sie ihn ausgraben und in blauen Plastikboxen verteilt zurück in die Werkstatt bringen, wo Anthropologen eine detaillierte Einschätzung der Knochen vornehmen sollen. „Das ist schon spektakulär“, sagt David Hissnauer, Archäologe und zuständiger Gebietsreferent der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Speyer. So viel sei schon klar.

Dass da etwas Spannendes im Boden zu finden sein würde, habe sich früh abgezeichnet, sagt Hissnauer. Nicht nur weil in Speyerer Baugruben regelmäßig viele historische Befunde freigelegt werden. Schon bei den Voruntersuchungen im vergangenen Sommer auf dem Campus des Stiftungs-Krankenhauses hatten die Archäologen einen besonders gefärbten Sandboden vorgefunden, der Großes versprach. „Wir wussten, dass hier mit römischen Befunden zu rechnen ist“, sagt Hissnauer. Doch das sei jetzt überraschenderweise nicht alles gewesen.

Fast 5000 Jahre alt

Die Knochen, auf die die Archäologen und Grabungstechniker am Dienstagvormittag gestoßen waren, sind nämlich deutlich älter. „Wir vermuten, dass die Bestattung ins End-Neolothikum oder in die Frühbronzezeit datiert“, sagt Hissnauer. Statt römisch und ungefähr aus der Zeit um zwölf vor Christus, als die Römer in die Pfalz kamen, sind die Knochen wohl eher aus der Zeit um 3000 vor Christus. „Das könnten also mit die ältesten Befunde sein, die wir bisher in Speyer freigelegt haben“, macht Hissnauer deutlich.

Laut Grabungstechniker Harald Wintermantel, der die Arbeit der zehn Archäologen vor Ort koordiniert, sei die erste Bestattung – das ist der Begriff für ein Grab – bereits Anfang Dezember in tieferliegenden Schichten gefunden worden. Der Fund am Dienstag sei mittlerweile der zehnte dieser Art. Neben Knochen von Erwachsenen habe das Team in rund 1,60 Meter Tiefe auch die von Kindern freigelegt. „Männer und Frauen sind dabei mit dem Kopf vermutlich in unterschiedliche Himmelsrichtungen begraben worden“, sagt Wintermantel. Ein Teil der Skelette sei nämlich in die eine, ein anderer in eine andere Himmelsrichtung gelegt worden. Kiefer, Wirbelsäule und Becken seien zudem flach auf den Boden, die Beine angewinkelt worden. „Normalerweise gibt es bei Bestattungen aus dieser Zeit nicht so viele in einem Verbund“, sagt Wintermantel. Das sei eine weitere Besonderheit.

Bustum freigelegt

Mit Blick auf Befunde aus der römischen Siedlungszeit sind die Archäologen allerdings auch nicht enttäuscht worden auf dem Klinik-Campus, auf dem ab Ende des Jahres ein neues Wohnheim mit 70 Einheiten entstehen soll. Neben den zehn wohl sehr alten Bestattungen hat das Team laut Hissnauer auch ein frührömisches Bustum im Bereich zur Rulandstraße hin finden können. Bei dieser Bestattung wurde der Tote oberhalb einer Grube verbrannt. Der Leichnam fiel samt Asche hinein und die Grube wurde verschlossen. „Spannend ist da die Zusammensetzung der Grabbeigaben“, sagt Hissnauer. Gefunden hätten die Archäologen unter anderem Überreste von zerstörten und verbrannte Gefäßen, Glas und sogar Schuhnägel, die einen Hinweis darauf geben, in welche Himmelsrichtung die Person für die Bestattung gebettet wurde.

Weitere Gräber möglich

Ebenfalls in die römische Zeit datiert ein großer Brunnen, der zur Rulandstraße hin freigelegt worden ist. „Meist handelt es sich dabei um Holzbrunnen“, erklärt Hissnauer das Erkennungsmerkmal der Römerzeit. „Hier ist er aber nicht mehr erhalten und zeigt sich nur noch in der Verfärbung des Bodens.“ Der hat einen dunklen Orange-Ton und setzt sich gut vom restlichen, helleren Sandboden ab.

Noch bis Mitte Februar wollen die Archäologen auf dem Klinik-Campus graben. „Wir müssen jetzt in alle Richtungen schauen, ob da noch mehr Gräber sind“, sagt Grabungstechniker Wintermantel. Dass dort noch weitere Befunde aus der Zeit um 3000 vor Christus zu finden sind, sei denkbar. Sie alle müssen dokumentiert und aufbewahrt werden. In Ausstellungen zu sehen sein werden sie wohl nicht.

Urne: Sie stammt aus einer Brandbestattung.
Urne: Sie stammt aus einer Brandbestattung.
Baugrube: Die Archäologen graben an der Rulandstraße im Speyerer Süden.
Baugrube: Die Archäologen graben an der Rulandstraße im Speyerer Süden.
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