Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Diagnose Herzinfarkt: Neues Übermittlungssystem spart wertvolle Zeit

EKG per E-Mail: DRK-Mitarbeiter Reinhold Rossbach zeigt das neue Gerät.
EKG per E-Mail: DRK-Mitarbeiter Reinhold Rossbach zeigt das neue Gerät.

Bei einem akuten Herzinfarkt zählt jede Minute. Notfallsanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Vorderpfalz haben seit Ende Juli die Möglichkeit, das EKG eines Patienten direkt aus dem Rettungswagen an das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus zu schicken. Das spart wertvolle Zeit.

Elend hat sich Ana Milicevic am Montagabend gefühlt. „Ich musste brechen, hatte Schweißausbrüche, konnte mich nicht mehr festhalten“, berichtet die Mutterstadterin. Ihr Sohn habe den Rettungsdienst alarmiert. „Es ging alles sehr schnell. Ich wurde ins Krankenhaus gefahren, direkt in den OP“, sagt Milicevic.

Die Diagnose war bereits im Rettungswagen klar: Herzinfarkt. „Die Symptome haben dafür gesprochen, auch das EKG war eindeutig“, erklärt DRK-Mitarbeiter Björn Biedlingmeier. Dass Milicevic sofort operiert werden muss, wussten die Ärzte im „Diak“ bereits, bevor die Patientin im Krankenhaus eingetroffen war. Sie hatten ihr EKG bereits selbst begutachten können, als die Mutterstadterin noch im Rettungswagen lag. Die Daten wurden direkt in die Klinik übertragen – per E-Mail.

Pilotprojekt am „Diak“

„Das ist die Modernisierung eines früheren Systems“, erläutert Anna Meinhardt, Geschäftsführerin des DRK Vorderpfalz. Datenkarten in den EKG-Geräten ermöglichen den E-Mail-Versand. Bundesweit nutzen Rettungsdienste und Krankenhäuser ähnliche Methoden zur EKG-Übertragung bereits, im Zuständigkeitsbereich des DRK Vorderpfalz sei das Speyerer „Diak“ jedoch das erste Haus, so Meinhardt. Geplant sei eine Ausweitung auf alle Krankenhäuser der Region.

Bei einem Herzinfarkt verschließt sich plötzlich ein Gefäß, das den Herzmuskel mit Blut versorgt. Es muss schnellstmöglich wieder geöffnet werden, um irreversible Schäden am Muskelgewebe zu begrenzen. Bei der Diagnosefindung kann ein EKG, mit dem die elektrische Aktivität des Herzens gemessen wird, den Ärzten wichtige Hinweise liefern.

Doch die Daten sind nicht immer eindeutig. Vor der Möglichkeit der Übertragung per Mail „mussten wir im Krankenhaus uns auf das verlassen, was der Notarzt auf dem EKG sieht und wie er es interpretiert“, erläutert Dr. Max Baur, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin/Kardiologie. Das habe zwar bisher meist gut funktioniert, doch gerade bei uneindeutigen Fällen sei es hilfreich, „wenn das EKG durch die Internisten mitbeurteilt wird“, sagt Baurs Kollege, Oberarzt Dr. Thomas Müller. Auch für die Notfallsanitäter habe das System Vorteile, ergänzt DRK-Mitarbeiter Biedlingmeier. „Für uns ist das gerade dann eine Erleichterung, wenn der Notarzt noch bei einem anderen Notfall gebunden ist und wir vor ihm vor Ort sind.“ Zwei Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug sind ihm zufolge mit dem neuen System ausgestattet.

Nachts Zeit gespart

Wichtige Minuten könnten gespart werden. „Nachts zum Beispiel ist nicht immer ein Kardiologe oder Internist im Haus. Bei einem Herzinfarkt werden die Kollegen im Hintergrunddienst informiert, die dann sofort kommen“, erläutert Müller. „Auch das Herzkatheterlabor muss nachts erst hochgefahren und vorbereitet werden.“

Ana Milicevic erholt sich im Krankenhaus noch von ihrer zweieinhalbstündigen Operation. Zwei weitere Herzinfarkt-Fälle wurden ins „Diak“ seit Ende Juli mit dem neuen System übermittelt. Milicevic ist froh über die schnelle Hilfe. „Ich bin allen dankbar, die mir geholfen haben. Es ging alles sehr schnell. Wer weiß, wie das sonst ausgegangen wäre.“

Froh über schnelle Hilfe: Ana Milicevic.
Froh über schnelle Hilfe: Ana Milicevic.
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