Speyer
Der Weg des Lazarus führt zu den Diakonissen
Gleich zwei Großplastiken gehören zum „Lazarus-Weg“: eine vor dem früheren Stiftungskrankenhaus in der Spitalgasse, eine weitere am Königsplatz. Sie erinnern an die biblische Geschichte des Lazarus, der angeblich schon verstorben war und von Jesus wiedererweckt wurde. In Speyer gibt es das Kunstwerk seit 1985. Der aus der Domstadt stammende und in Darmstadt lebende Künstler Thomas Duttenhoefer hat es geschaffen. Eine Bronzeplatte am Marktplatz gehört dazu und beim Eingang des bisherigen Krankenhauses eine Skulptur des Lazarus.
Diese Plastik ist vor Kurzem abgebaut worden. Die Stadt Speyer und die Diakonissen hätten sich nach der Aufgabe des ehemaligen „Stifts“ als Krankenhaus-Standort darauf verständigt, die zwei Großplastiken auf den Campus der Diakonissen zu versetzen. Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, war auch Künstler Duttenhoefer eingebunden. Der „Lazarus-Weg“ war beim Neubau des seinerzeit städtischen Stiftungskrankenhauses geschaffen worden. Die Lazarus-Plastik sei bereits demontiert und werde derzeit in der Bildhauerei Grimm aufgefrischt; das Gegenüber an der Einfahrt zum Marktplatz werde folgen, so die Stadt.
Neuer Standort gefunden
Als neuer Standort seien Grünstreifen am Parkplatz zwischen dem Diakonissen-Mutterhaus und dem Ärztehaus an der Klinik ausgedeutet, erklärt Diakonissen-Sprecherin Barbara Fresenius. Laut Stadt geht es darum, Statue und Stele wieder besser zur Geltung kommen zu lassen und in ihren ursprünglichen Kontext zu setzen. Dazu gehöre der Bezug zwischen den Plastiken, aber auch der Blick des Lazarus „in Richtung Dom und Spitalgasse“, den Fresenius ankündigt. Noch unbekannt ist, welche Rolle zwei weitere Bestandteile des Kunstwerks künftig spielen: einerseits das von der Stadt als „Sargdeckel-ähnlich“ beschriebene Podest des Lazarus, das in der Spitalgasse stehen blieb. Zweitens dunkle „Pflastertränen“ auf dem Boden, die bisher den Weg vom Königsplatz zu der Klinik weisen.
Die Tränen sind weiter Bestandteil des Gehwegs am alten Standort. Sie waren auch in der Vergangenheit zumindest einmal „vergessen“ worden: 2005 hatten Tiefbauarbeiten eine klaffende Wunde in das Gesamtkunstwerk gerissen. Die dunklen Basaltsteine wurden danach jedoch nicht im Duttenhoefer’schen Sinn, sondern durcheinander verlegt. Die Bauarbeiter mussten ein zweites Mal anrücken und flicken.
Diakonissen-Campus wächst
Die schon seit Jahren angekündigte Räumung ihres Standorts in der Spitalgasse haben die Diakonissen laut Fresenius Ende Mai vollendet. Zuletzt war dort noch die Schmerztagesklinik ansässig, die in die Rulandstraße 3 auf dem Diakonissen-Campus umgezogen ist. Zudem war in der Pandemie Unterricht der Diakonissen-Pflegeschulen an den zweiten Standort verlegt worden.
Der Campus zwischen Hilgard-, Ruland- und Paul-Egell-Straße ist zuletzt mehrfach erweitert worden, um die Angebote der Diakonissen zu zentralisieren. Aktuell wird auf dem Gelände ein neues Wohnheim vorbereitet, wo aber noch Archäologen das Baufeld erkunden müssen. Das andere Areal in der Spitalgasse gehört der Stadt, die ab 2022 neue Nutzungsoptionen prüfen will.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Neue Möglichkeiten
Dass ein Kunstwerk auch mal umgesetzt wird, ist in Ordnung, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Beim „Weg des Lazarus“ ist der Umzug nicht so einfach, weil das Kunstwerk aus mindestens drei Komponenten besteht. Solange der Künstler mit der neuen Lösung einverstanden ist, können die bisher im öffentlichen Raum etwas an den Rand gedrängten Plastiken vom Umzug an einen belebteren Platz nur profitieren. Dass die Veränderung überhaupt ansteht, ist ein Beleg für die Dynamik, die in Speyer seit Jahren herrscht: Da ist ein Gesundheitskonzern, der wächst, dort eine Stadt, für die sich am alten Standort neue Entwicklungsmöglichkeiten auftun. Schon jetzt ist das Interesse an der Fläche groß.