Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Der Norweger Magne H. Draagen an der Dom-Orgel

Magne H. Draagen an der Dom-Orgel.
Magne H. Draagen an der Dom-Orgel.

Der 47jährige norwegische Orgelvirtuose Magne H. Draagen hatte an der Kaiserdom-Orgel eine doppelte Premiere: Er spielte im durch Platzabstände bis hinten besetzten Dom erstmals in Speyer. Und er konzertierte zum ersten Mal öffentlich in seiner am Mittwoch angetretenen Position als Hauptorganist an der Hamburger Michaelis-Kirche.

Eine fürwahr nach Draagens Positionen in Stavanger, Oslo und Trondheim brillante Karriere, wie sie sein Speyerer Kollege Markus Eichenlaub bei der Begrüßung kurz umriss. Der norwegische Orgelgast löste die hohen Erwartungen denn auch mit drängendem, prächtigem und kraftvollem Spiel voll ein. Schon der Aufbau seines französisch-norwegisch akzentuierten Programms verriet den kenntnisreichen Meister: Drei Großwerke umschlossen drei kleinere liturgische und folkloristische Stücke.

Keine Frage, dass Draagen die Möglichkeiten der beiden Seifert-Orgeln mit ihrer Registerfülle zu nutzen wußte. Im toccatenartig-wilden Beginn von Camille Saint-Saens' Präludium und Fuge C-Dur hatte der Norweger mit seinem stürmischen Auftakt die hallige Dom-Akustik noch nicht voll im Griff. Absolvierte die harmonischen Fortschreitungen mit stark drängendem Impetus, blieb dabei technisch einwandfrei und setzte kraftvolle Orgelpunkte. Die Fuge fasste er mehr von ihrem wuchtigen harmonischen Zusammenklang als von der Transparenz ihres Stimmen-Nebeneinander auf. Dennoch klangen Saint-Saens' kleinmetrige Zier-Einlagerungen gut durch.

Funkelnde Glanzpunkte

Ob Eugène Gigouts dreisätzige „Suite de trois morceaux“ als Finale so glücklich gewählt war, kann man bestreiten. Draagen begann sie liebevoll mit der am Ende groß aufgezogenen heimeligen „Marche rustique“ tanzender Paare. Das an zweiter Stelle sehende Lied als typisch französisches Andante religioso hatte doch zuviele konventionelle Längen, über die auch Draagens apartes und verhaltenes Spiel nicht hinweg half. Und der abschließende Festmarsch „Marche de fête“ macht zuviele Anleihen bei Mendelssohns Hochzeitsmarsch, als dass man sich für Draagens wuchtig eingebrachte Akkordblöcke hatte erwärmen können.

In Programm-Mitte siedelte Draagen mit Introduktion und Passacaglia h-Moll seines Landsmanns und Tronheimer Vorgängers Arild Sandvold ein gehaltvolleres Großwerk an: Zugriffig setzte er mit dem an Regers Schroffheit erinnerndem Eingang an. In der Passacaglia erzielte der Neu-Hamburger immer wieder funkelnde Glanzpunkte, denn der erst 1984 verstorbene Sandvold bleibt hier nicht eindimensional linear, sondern befleißigt sich einer wechselnden Auf-und-Ab-Dynamik.

Aufleuchtende Kraft

Norwegisch dann danach auch Edvard Griegs lieblicher „Brautzug im Vorüberziehen“ mit dem typisch schnell mäandernden Gestus norwegischer Bauerntänze und einem Schuss deftig-koboldhafter Akzente. Hohe Klangpoesie mobilisierte Organist Draagen für ein Psalm-Prélude des an der farbigen französischen Orgelsinfonik orientierten (auch erst 1983 verstorbenen) Engländers Herbert Howells. Mit stetig zunehmender Dynamik erreichte der norwegische Orgelspieler kraftvoll aufleuchtende Entladungen.

Als Reverenz an seinen neuen Standort Deutschland brachte Draagen zwei Choralimprovisationen Sigfrid Karg-Elerts ein: Liebevoll vertiefte er sich gemäßigt in der Dynamik in die eher introvertierte, aber klanglich subtil abgewandelte Variierung von „Aus tiefer Not“. Im feinen Zungenregister-Gewand blieb er mit Hinzuschaltung der Chororgel in „Lobe den Herrn“ lange zurückhaltend, ehe er nach flirrenden Passagen grandios und virtuos das volle Werk einschaltete.

x