Speyer
Der neue Chef wird zusammen mit seinem Sohn eingeschult
Die Schule auch sportlich voranzubringen, ist ein Ziel des 47-Jährigen. Kein Wunder, war Tito Casara doch brasilianischer Handball-Profi und Nationalspieler, bevor er 1998 nach Deutschland gegangen ist. Angekommen ist er in Heidelberg. „Jeder Handballer will einmal in der deutschen Bundesliga spielen“, erklärt Casara. In die Zweite Bundesliga hat er es geschafft. Studiert hat er in Heidelberg Sport- und Erziehungswissenschaften und Soziologie. Seine Liebe hat er in Speyer gefunden. 2005 hat Casara in Römerberg geheiratet, wo er noch heute mit Frau und Kind wohnt.
Sport war und bleibt im Leben des Schulleiters zentral. „Ideal ist die Verbindung mit Kinder- und Jugendarbeit“, sagt er. Die Symbiose ist ihm vor vier Jahren gelungen, als die Klosterschule einen Sportlehrer gesucht hat. „Ich wurde zusammen mit meinem Sohn eingeschult“, erzählt er lachend. Für beide habe es im Sommer 2018 eine Schultüte gegeben. Seither setzt sich Casara für ein qualitativ gutes Sportangebot in allen Klassen der Klosterschule ein. Vorgängerin Judith Wendt habe ihn dabei unterstützt und ihn für die Leitungsfunktion der Schule stark gemacht, berichtet er. Es habe einen engen Austausch auch nach dem Ausscheiden der ehemaligen Schulleiterin gegeben. „Es gab viele Herausforderungen, an denen ich gewachsen bin“, betont Casara. Bis März hat er die Führung der Klosterschule gemeinsam mit zwei Kolleginnen übernommen. „Das war ein wirklich guter Übergang und bleibt Bestandteil der Schulleitung“, sagt er.
Freund von Bewegung
Bewegung mit und zur Musik ist für Casara der Garant für körperliche und seelische Gesundheit. Sie fördere soziales Lernen, Konzentration und Teamfähigkeit. „Mit Sporthalle und Schulhof bietet die Klosterschule tolle Bedingungen“, schwärmt Casara von seinem Arbeitsplatz. Beim rheinland-pfälzischen Sportbund einen Antrag für die Klosterschule als Partnerschule für Bewegung, Sport und Spiel zu stellen, war eine seiner ersten Aktivitäten als Schulleiter.
Das Konzept der Klosterschule ist Casara vertraut. Als Kind habe er ebenfalls eine Schule mit musikalischem Schwerpunkt besucht, erzählt er. Aufgewachsen im Amazonas-Gebiet, ist er später mit den Eltern in die Hauptstadt Rio de Janeiro gezogen. Mit 14 hat ihn der Handball nach Sao Paulo gebracht. In Österreich ist er als 17-Jähriger angekommen. Und jetzt Römerberg und Speyer. Er schätze die Ruhe in einer kleinen Stadt, sagt der Mann, der in Millionenstädten gelebt hat. „Hier ist mehr Lebensqualität.“
Die Schule biete diese Qualität für Kinder und Lehrer, betont der Leiter. Lernen in kleinen Gruppen, der geschützte Raum hinter den Klostermauern und der religiöse Aspekt, das ist ihm gleichermaßen wichtig. „Ich habe hier viel Liebe und Ehrlichkeit erfahren“, sagt er. Er will alles daransetzen, die Zukunft der Schule zu sichern, sie aber nicht um jeden Preis erweitern. „Wir wollen trotz vermehrter Anfragen zweizügig bleiben“, sagt er. Maximal 17 Schüler sollen eine der acht Klassen besuchen. Im neuen Schuljahr wechselt er von der verpflichtenden in die freiwillige Ganztagsschule. Die Praxis habe sich nicht stark verändert, sagt der Schulleiter. „Uns liegen 98 Anmeldungen für das Ganztagsangebot vor.“
Ein Stück Heimat in Speyer
Casara fühlt sich reich beschenkt. In der Klosterschule finde er ein Stück Heimat. Der peruanische Urgroßvater habe seine Frau bei Forschungsarbeiten im Amazonas-Gebiet kennengelernt, erklärt er seine Herkunft. „Ich komme also ursprünglich aus dem gleichen Ort wie Schwester Roberta“, beschreibt er besondere Beziehungen zwischen ihm und den Speyerer Nonnen. An ihrem brasilianischen Standort habe er Handball gespielt.
Inzwischen hat Casara Wurzeln in der Pfalz geschlagen. Seit 2021 ist er Integrationsbeauftragter des pfälzischen Handballverbands und Trainer beim TSV Speyer. Brasilianische Literatur, besonders die des Schriftstellers Paulo Coelho, genießt der Schulleiter in seiner Freizeit. Er geht ins Kino oder schaut einmal mehr seinen Lieblings-Spielberg-Film „Die Farbe Lila“. Vorgenommen hat er sich noch etwas ganz anderes: Die kirchliche Trauung in Brasilien steht seit 17 Jahren auf Casaras Agenda. „Sobald die Zeit es erlaubt“, nimmt er sich vor.