Speyer Der Mann mit den Messern
. Schon als Kind hat Jochen Gaß sich gern im Freien aufgehalten, mit seinen Freunden in der Natur gespielt und Verstecke gebaut. „Da wäre etwas zum Holzschneiden praktisch gewesen“, erinnert er sich. Mit diesem Etwas hat ihn sein Großvater ausgestattet: „Er schenkte mir mein erstes Klappmesser.“ Das konnte der Junge damals aber nicht öffnen. „Deshalb ging ich in einen Spielzeugladen und kaufte mir ein kleines“, erzählt der heute 40-Jährige. Die Vielfalt der Messer und ihre Anwendungsmöglichkeiten haben ihn von Anfang an fasziniert. Messer lassen sich laut Gaß nämlich nicht nur sammeln, sondern in vielen Situationen einsetzen: In freier Wildbahn eignen sie sich etwa, um Holz für ein Lagerfeuer klein zu machen oder es für den Bau einer Unterkunft zurechtzuschneiden. Auch Speisen könnten damit zubereitet und in handliche Portionen zerteilt werden, erklärt der 40-Jährige. „Im Spanien-Urlaub hab’ ich mich mal in Angelschnüren verheddert, die ich nicht bemerkt hatte. Da wäre ich normalerweise alleine nicht mehr rausgekommen. Zum Glück hatte ich aber ein Messer dabei, mit dem ich mich freischneiden konnte“, erzählt Gaß. Nicht zuletzt aufgrund solcher Erfahrungen gebe ihm das Tragen eines Messers ein Gefühl von Sicherheit. Sein Motto: „Lieber eins haben und nicht brauchen, als eins brauchen und nicht haben.“ Vor zehn bis 15 Jahren sei ihm aufgefallen, dass er Einhandmesser bevorzugt. Sie seien solide, klein, leicht, handlich, und er könne sie überallhin mitnehmen, sagt Gaß. Der Vorteil gegenüber einem Schweizer Messer bestehe darin, dass sie sich mit einer Hand öffnen lassen. Als Kenner weiß er: „Jedes Messer verfügt über eine eigene Handlage.“ In all den Jahren hat er immer nach dem einen Messer gesucht, das alles kann. „Da muss man einige ausprobieren, bis man das richtige findet – wie bei Frauen“, sagt der Enthusiast. So hat er im Laufe der Jahre mehr als 800 Messer angehäuft. Diese unterteilt Gaß in drei Kategorien. Zur ersten gehören Sammlerstücke, die von enormer Qualität sind oder eine besondere Geschichte haben. Sie benutzt er nie, nimmt sie höchsten einmal in die Hand und ölt sie wieder ein. In Kategorie zwei fallen Stücke, die ihn emotional nicht mehr berühren. Dabei handele es sich um Exemplare von geringer oder mittlerer Qualität, die er oft als Jugendlicher ohne Geld und Erfahrung erworben habe. Kategorie drei sind hochwertige Messer, die er zum Arbeiten oder Spielen verwendet und mit denen er am meisten Spaß habe, so Gaß. Eine Spezialität seiner Kollektion sind Messer mit Sägezahnung, die ihm früher sehr gut gefallen haben. Ob er das vollkommene Messer inzwischen gefunden hat? „Nein, das nicht. Aber es gibt eins, das mich seit acht Jahren begleitet. Es liegt sehr gut in der Hand, ist groß, leicht und scharf wie ein Rasiermesser“, sagt Gaß. Außer Messer hat er in seiner „verrücktesten Zeit“ in den USA einige Schwerter bestellt, dazu Macheten und Speere. „Ich sammle alles, was schneidet“, erklärt er. Dieser Fundus benötigt einen gewissen Platz. Stören seine Lebensgefährtin die vielen Klingen nicht? Nein, antwortet er. Sie bitte ihn lediglich, beim Hantieren mit seinen Messern vorsichtig zu sein. Außerdem könne sie ihm deswegen keine allzu großen Vorhaltungen machen, besitze sie doch „unglaublich viele Schuhe“, sagt Gaß. Seine Sammlung betrachtet er als Wertanlage, immerhin seien viele der Messer aus hochwertigem Metall gefertigt. Gaß wohnt seit drei Jahren in Zürich/Schweiz. Für den Weltrekordversuch kehrt er in seine alte Heimat Dudenhofen zurück, wo er einst für den Radfahrverein gestartet ist. „Wir kommen mit drei Autos in einer Kolonne“, sagt er. Um den Rekord aufzustellen, muss er unabhängigen Experten seine Messer zeigen. Sie prüfen die Exemplare und überreichen ihm dann das erforderliche Zertifikat. Solche Urkunden möchte Gaß zudem für die Messer zweier bestimmter Marken erhalten, die die Hälfte seiner 400 Einhandmesser ausmachen. Am Ende reiche er die Unterlagen samt Fotos beim Weltrekord-Institut ein. Erkenne dieses die Dokumente und den Rekord an, werde seine Bestmarke auf der Internetseite des Instituts veröffentlicht, erklärt Gaß.