Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Der Job eines Kriminalbeamten: Zwischen Gartenzwerg-Diebstählen und Internetbetrug

Umgeben von sichergestellten Gartenzwergen: Kriminalbeamter Andreas Schmitt in seinem Büro.
Umgeben von sichergestellten Gartenzwergen: Kriminalbeamter Andreas Schmitt in seinem Büro.

Einbrüche in Gartenhäusern, Brände in Grillhütten, Betrügereien im Internet: Um all diese Fälle kümmert sich der Kriminaldienst der Polizeiinspektion Speyer. Andreas Schmitt arbeitet seit zwei Jahren dort – und hat in der Zeit Kurioses und auch Spektakuläres erlebt.

Was Andreas Schmitt aktuell beschäftigt, wird beim Blick in sein Büro schnell klar: In einer Ecke des Raumes stehen dicht an dicht zahlreiche Gartenfiguren – jede einzelne sorgfältig eingetütet und beschriftet. Sie sind ein Teil der Beute, den die Polizei in einem kuriosen Fall sichergestellt hat. „Vor einiger Zeit ist einer mit einem Fahrrad und einem rosa Anhänger – beides geklaut – durch Dudenhofen und Harthausen gefahren und hat willkürlich Sachen aus Gärten gestohlen“, erklärt Schmitt. „Deko-Artikel, Solarleuchten, alles Mögliche.“ Ein aufmerksamer Bürger habe den Mann dabei beobachtet, wie er vergeblich versucht habe, eine Gartenbank mitzunehmen. „Dann ist der mit diesem hell erleuchteten Anhänger weitergefahren“, sagt der Beamte mit einem leichten Kopfschütteln. Eine Streife habe den Verdächtigen kontrolliert, die Sachen sichergestellt. „Wir konnten ihm auch einige andere Delikte zuordnen“, sagt Schmitt.

Der Täter ist also bekannt, die genaue Herkunft mancher Gartenzwerge jedoch nicht – sie warten in Schmitts Büro auf ihre Eigentümer. „Seit einem Monat hat sich niemand gemeldet.“ Für eine bestimmte Frist werden die Figuren aufbewahrt. „Danach werden sie freigegeben zur Verwertung. Vielleicht stellen wir sie im Hof auf“, scherzt Schmitt.

Viel Betrug im Netz

Der Kriminaldienst ist zuständig für Fälle „leichter und mittelschwerer Kriminalität“, erklärt Schmitt. Gartenzwerg-Diebstähle gehören ebenso dazu wie Einbrüche in Gartenhäuser, Büros oder Keller. „Alle Bauwerke, die nicht zum Wohnen genutzt werden.“ Einbrüche in Wohnungen hingegen zählen zu Verbrechen, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsentzug bestraft werden, gehören somit in die Kategorie „Schwerkriminalität“ – und sind das Gebiet der großen Kriminalinspektionen, erläutert Schmitt. Ähnlich sieht es bei Bränden aus. Der Kriminaldienst ermittelt in Fällen, in denen Gartenhäuschen, Grillhütten oder Baustellen unerklärlicherweise in Flammen stehen. Um Brände in Wohnhäusern kümmern sich die Kollegen in Ludwigshafen.

Bei Betrugsfällen hänge die Zuständigkeit von der Höhe des Schadens ab. „Da ist die Grenze nicht genau definiert. Aber man kann sagen, dass alles zwischen 50.000 und 100.000 Euro und mehr beim Fachkommissariat landet“, sagt Schmitt und erklärt das mit den aufwendigeren Ermittlungen. Die Betrugsfälle, die auf seinem Schreibtisch landeten, spielten sich meist im Internet ab – die Fallzahlen in dem Bereich seien massiv gestiegen. „Der klassische Bereich ist der Warenbetrug: Ich bestelle etwas, bezahle, bekomme aber nichts.“ Die Täter werben in Onlineshops mit vermeintlich günstigen Preisen. „Sie geben sich viel Mühe. Oft sieht es aus wie ein deutscher Shop. Auf der Rechnung steht dann aber zum Beispiel eine litauische Bankverbindung. Das passiert leider sehr oft.“ Sei das Geld der Opfer erstmal im Ausland, werde eine Verfolgung der Täter schwierig. „Das Geld ist dann meist verloren.“ Schmitts Tipp: Vor der Kaufabwicklung genau hinschauen.

Auch mit Taschendiebstählen müssen sich die Beamten öfter auseinandersetzen. Meist seien die Opfer ältere Menschen. „Sie kriegen die Tat oft nicht mit.“ Erst später falle auf, dass die EC-Karte fehle und Geld abgehoben wurde, weil die PIN auch im gestohlenen Geldbeutel steckte. Hinter vielen Taten vermutet die Polizei Banden aus Osteuropa. „Bis wir da aber eine Spur bekommen, sind die weg, und andere kommen“, so der Kriminalbeamte.

Zusatzausbildung gemacht

„Ich hätte schon gerne mehr Erfolg“, antwortet Schmitt auf die Frage nach der Aufklärungsquote. Fehlten jedoch verwertbare Spuren oder Zeugen, werde es „dünn“. Abhilfe könnte seiner Meinung nach mehr Personal schaffen. Beim Kriminaldienst in Speyer kümmerten sich vier Beamte schwerpunktmäßig um Betrugsfälle, zwei um Eigentumsdelikte. „Mit mehr Personal hätten wir mehr Zeit für die einzelnen Vorgänge“, sagt er. „Pro Kopf sind es derzeit 30 Vorgänge, pro Woche kommen 30 bis 40 neue hinzu, die auf die Kollegen verteilt werden.“

Dennoch mag er seinen Job in Speyer, den er vor rund zwei Jahren angetreten hat. „Mir gefällt die Ruhe, die ich zum Arbeiten habe. Ich muss nicht immer abbrechen und mich danach neu reindenken“, sagt er. Das sei während seiner zehn Jahre als Schutzpolizist in Germersheim nicht so gewesen. Mit der Zeit sei dort der Schichtdienst zur gesundheitlichen Belastung geworden. „Dann war da noch der Stressfaktor. Wenn jemand schreit, ist man der erste, der rausfährt. Es gibt kaum Verschnaufpausen“, sagt er. Das und der „sinkende Respekt gegenüber der Polizei“, den er im Streifendienst selbst zu spüren bekommen habe, hätten ihn dazu bewogen, zu wechseln. Eine neunmonatige Zusatzausbildung zum Kriminalbeamten folgte, während der Schmitt unter anderem Rechtsgrundlagen paukte und in der Spurensicherung geschult wurde. „Die machen wir selbst, da kommt keine Spezialeinheit wie bei Mordfällen.“

Auch wenn sein Job ihm Spaß macht – seine berufliche Zukunft sieht Schmitt in einer größeren Kriminalinspektion. „Mittelfristig ist Landau oder Neustadt mein Ziel“, sagt der Beamte, der sich auf Todesfälle und Brände spezialisieren will.

Sein spektakulärster Fall in Speyer war eine Serie von Kellereinbrüchen, die sich 2017/2018 ereignete. „Das waren so 70 bis 80 Stück pro Jahr. Als ich hierher kam, war der Fall gerade im Abschluss“, erinnert er sich. Der Täter hatte „massenhaft Zeug“ aus den Kellern, in die er eingebrochen war, gestohlen. Laut Schmitt wurde der Fall dank aufmerksamer Zeugen gelöst, die sich untereinander über verdächtige Vorgänge ausgetauscht hätten. „Ein Anrufer teilte uns dann mit, dass der Kellereinbrecher gerade in seinem Haus sei. Er wurde also auf frischer Tat ertappt“, sagt Schmitt. Dem Einbrecher konnten schließlich mehr als 60 Fälle zugeordnet werden.

Schmitt freut es, wenn die Zivilbevölkerung die Arbeit der Polizei unterstützt. Sein Fazit: „Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel.“

x