Speyer
Der Altmeister kennt alle „Oldtimer“
Den Beruf gibt es heute gar nicht mehr. Unter anderem Informations- und Kommunikationselektroniker sind ihm gefolgt. Die Maschinen gibt es noch. Büromaschinenmechanikermeister Ortwin Lischer pflegt sie in einer Art privatem Museum mit Exponaten aus mehr als fünf Jahrzehnten. Der 75-jährige Speyerer ist einer der in der Region seltenen Firmeninhaber, die von mechanischen Schreib- und Rechenmaschinen bis hin zum vernetzten PC die Veränderungen in deutschen Büros hautnah miterlebt haben. Er und seine bis zu zehn Mitarbeiter haben die Geräte nicht nur verkauft, sondern bei Bedarf auch selbst repariert. „Da war nichts mit wegwerfen oder einschicken. Heute gebracht, morgen gemacht, war unser Motto.“
Lischer repariert sie bis heute. Er habe weiterhin ein Gewerbe eingetragen, sagt er, aber im Prinzip gehe es um den hobbymäßigen Umgang mit „Oldtimern“. Nicht mit alten Fahrzeugen – die sammelt er auch –, sondern tatsächlich mit Büromaschinen früherer Zeit. Der Speyerer erzählt gerne von betagten Versicherungsvertretern oder Steuerberatern, die sich nie so recht mit dem PC angefreundet hätten und die nach wie vor am Funktionieren von Schreibmaschine & Co. interessiert seien: „Zu mir kommen bis heute Kunden aus einer Region bis Wiesbaden und Frankfurt.“
Firma wächst und wächst
In Lischers Berufsleben hat sich das Rad immer schneller gedreht. „Der Wandel der Zeit“, sagt er wirkt dabei nicht melancholisch. Er habe die Veränderungen stets angenommen, dazugelernt und damit auch wirtschaftlichen Erfolg gehabt. Bei jedem räumlichen Umzug seit Start seiner Selbstständigkeit 1971 mit Übernahme der Firma Daum in der Wormser Landstraße – von Greifengasse, Armbruststraße, Ludwigstraße und Zeppelinstraße bis zur Schwerdstraße – habe sich sein Unternehmen vergrößert. Von 1988 bis 2010 war es zuletzt im Eigentum in der Schwerdstraße 43a ansässig, das er heute an das Fitnessstudio Körperformen vermietet hat.
Als „Lehrbub“, damals, 1960 in Neustadt, habe er noch traditionelle Schreibmaschinen aus den 1930er- bis 1950er-Jahren gereinigt, berichtet Lischer. Dann kam besagtes Rad richtig ins Rollen. Die Rechenmaschinen wurden elektrisch, große Kalkulatoren kamen hinzu. Lischer war nach zehn Jahren in Diensten der Firma Olivetti Fachmann dafür. Spezialmaschinen zum Codieren der Schecks etwa der Speyerer Volksbank seien ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld gewesen. Die Firma IBM und Typenradmaschinen als Computer-Vorgänger wurden groß, Bildschirmtext war der nächste Renner. Dann kam der PC für die breite Masse (Lischer: „Der Commodore mit 32 KB Arbeitsspeicher war der Renner in Speyer, außerdem der Triumph Adler Alphatronic.“)
Markt diversifiziert sich
Ab der Zeit sei das Geschäft extrem schnelllebig geworden – und Lischer war mittendrin: „Ich habe die Mitarbeiter der Stadtverwaltung eingewiesen, die mehrere BTX-Geräte hatte“, berichtet er. Die Rentenversicherung, der Kaufhof, Banken, Versicherungen und Industriebetriebe seien weitere Großkunden gewesen, ebenso beim folgenden Hauptgeschäft: Drucker, Kopierer und Faxgeräte – eines für damals 3000 bis 4000 DM, wohlgemerkt. 20 Azubis habe er über die Jahre ausgebildet, und viele davon seien kompetente Ansprechpartner in PC-Fragen gewesen, berichtet Lischer. Bis 2005 habe sein Unternehmen auch auf diesem Markt mitgemischt – bis die Geräte „im Supermarkt und an der Tankstelle verramscht worden sind“.
Für den Berufsnachwuchs sei die vertiefte Beschäftigung mit Computer-Hardware nicht mehr wirtschaftlich, urteilt der Altmeister. „Nach fünf Jahren werden die Geräte weggeworfen“, bedauert er. Bitterkeit lässt er aber nicht durchblicken: „Der Wandel der Zeit.“ Es überrascht somit nicht, dass der 75-Jährige im Unruhestand selbst vier PCs aktiv nutzt ...