Speyer
Das Virus macht weiter
Die Berufsbildende Schule (BBS), das Edith-Stein-Gymnasium (ESG) und das Gymnasium am Kaiserdom (GaK) – drei Schulen müssen ganz aktuell mit positiven Coronafällen in ihrer Schülerschaft umgehen. An der BBS als größter Schule der Stadt gab es am Montag Licht und Schatten: Einerseits war da die Information, dass 59 von 62 getesteten Kontaktpersonen der beiden seit Ende voriger Woche bekanntermaßen infizierten Wirtschaftsgymnasiastinnen negative Ergebnisse aufweisen. „Die anderen drei Ergebnisse liegen noch nicht vor“, so Schulleiter Hennig Vollrath. Andererseits hat er die Mitteilung erhalten, dass ein Schüler einer Berufsschule infiziert ist. Er sei im fraglichen Zeitraum nicht an der Schule, sondern allenfalls in seinem Ausbildungsbetrieb gewesen.
Somit erweitert sich an der BBS die Liste der Personen in Quarantäne derzeit kaum. Für die Elft- und Zwölfklässler des Wirtschaftsgymnasium ist diese bis 2. Oktober angesetzt. „Wir gehen davon aus, in der kommenden Woche wieder in den Präsenzunterricht einsteigen zu können“, berichtete Vollrath.
Testteam kommt ans „GaK“
Dem ESG wurde der Fall laut Schulleiter Andreas Kotulla am späten Freitagnachmittag vom Gesundheitsamt gemeldet. Noch am selben Abend seien die Kontaktpersonen ermittelt und informiert worden. Es handelt sich um Schülerinnen einer achten Klasse sowie weitere Schülerinnen dieser Stufe aus „Teillerngruppen“. 33 Schülerinnen und sechs Lehrkräfte sind als Kontaktpersonen identifiziert. Alle wurden am Wochenende am Klinikum Ludwigshafen getestet, sind symptomfrei und bleiben bis Freitag in häuslicher Quarantäne. Sie erhalten Fernunterricht. Die Lehrer dürfen in der Schule weiter unterrichten – auf Abstand und im Frontalunterricht.
Am GaK sind exakt 39 der insgesamt 648 Schüler noch bis 8. Oktober in Quarantäne. Zehn Lehrer waren Kontaktpersonen. Sie dürfen, wie Schulleiter Hartmut Loos am Montag auf Anfrage sagte, frontal weiter unterrichten. Am Mittwoch, 10 Uhr, kommt ein Testteam an die Schule. Loos: „Die Tests werden in einem separaten Raum mit getrenntem Ein- und Ausgang durchgeführt. Die zu Testenden kommen mit den übrigen Schülern nicht in Kontakt.“ In der Familie der erkrankten Schülerin sei bisher kein weiterer Fall mehr nachgewiesen worden.
Kontakte erfasst beim Judo
Weil ein Junge in einer Trainingsgruppe beim Judosportverein Speyer (JSV) am Dienstag voriger Woche positiv getestet wurde – sein Vater sowie und ein weiteres Familienmitglied sind ebenfalls positiv – wurden beim JSV zehn Kinder und vier Betreuer in häusliche Quarantäne bis 6. Oktober geschickt. Das hat JSV-Geschäftsführerin Gerlinde Görgen am Montag auf Anfrage bestätigt. Der Verein wurde am Freitag um 19 Uhr vom Gesundheitsamt informiert. „Wir haben sofort die Listen vorlegen können. Unser Hygienekonzept sieht unter anderem strengste Anwesenheitsdokumentation vor“, so Görgen. Alle Betroffenen seien umgehend informiert worden, alle seien symptomfrei.
In der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA), wo in den vorigen Wochen drei Corona-Fälle unter den – isoliert untergebrachten – Neuankömmlingen aufgetreten waren, ist laut Leiter Steffen Renner nur einer der Männer noch erkrankt. Seine Kontaktpersonen würden wohl Mitte dieser Woche getestet.
Oberbürgermeisterin beobachtet
„Wir erleben wie auch andere Kommunen ein Auf und Ab und beobachten die Lage genau“, so Speyers Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Aktuell müsse die Stadt, in deren Statistik am Montag zwei Fälle hinzukamen, sodass sie bei 163, davon 18 noch erkrankt, angelangt war, ihr mobiles Abstrichzentrum nicht wieder in Betrieb nehmen. Seit einer Woche seien – umgerechnet auf 100.000 Einwohner – 14 Fälle hinzugekommen. 103 Personen sind in Quarantäne. „Wir haben immer noch viele Reiserückkehrer“, so Seiler. Viele Neuinfizierte zeigten milde oder keine Symptome.
RHEINPFALZ-Kommentar von Stefan Keller
Keine Hysterie
Beruhigend sind die neuesten Corona-Entwicklungen in Speyer natürlich nicht. Aber durchaus beruhigend wirkt, wie professionell und überlegt die Verantwortlichen mit den Lagen an ihren Schulen und dem betroffenen Verein umgehen. Da wird keine Hysterie geschürt, da wird informiert und danach angemessen und offensiv „abgearbeitet“. Entsprechend ruhig ist die Lage offensichtlich bei Schülern und Eltern. Natürlich bleiben auch Fragen. Wir alle lernen erst, mit dem Virus zu leben. In Speyer erzielen viele schnell Lernfortschritte.