Speyer „Das trifft vor allem jede Frau ins Herz“

Vor ihrer Dom-Premiere als Sängerin: Talia Or lässt sich nach eigenen Angaben von der Musik leiten.
Vor ihrer Dom-Premiere als Sängerin: Talia Or lässt sich nach eigenen Angaben von der Musik leiten.
Frau Or, der Herbst naht. Haben Sie als Sängerin eigentlich große Angst vor Erkältungen?

Meine Stimme ist mein Kapital, aber ich halte nichts von Angst und Paranoia. Ich ernähre mich einfach gesund und halte mich fit. Viel Trinken ist auch sinnvoll. Was können Sie uns über das Werk sagen, das Sie in Speyer singen? „Stabat mater“ ist eigentlich ein mittelalterliches Gedicht. Es wurde unter anderem in der Romantik 1877 von dem tschechischen Komponisten Antonín Dvorák vertont. Es ist wirklich ein sehr, sehr schönes Stück. Der Titel leitet sich vom Anfang ab: „Stabat mater dolorosa“, übersetzt: „Es stand die Mutter schmerzerfüllt“. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit – besonders, da ich das erste Mal im Dom singen werde. Haben Sie die Rolle extra einstudiert? Nein, ich habe das Stück vorher schon einmal gesungen. Allerdings muss man so ein Stück trotzdem immer wieder üben, damit es frisch und sauber in der Stimme bleibt. Es ist zwar Kirchenmusik, aber sehr romantisch. Und herausfordernd für alle Musiker. Warum? Es ist für ein großes Ensemble geschrieben, also kein kleines Stück. Es braucht eine solide Gesangstechnik, weil das Stück viele Farben hat – also Höhen und Tiefen, verschiedene Geschwindigkeiten und Kontraste. Soli, Arien, Duette und Quartette werden gesungen. Das macht „Stabat mater“ aber auch so mitreißend. Wovon erzählt es? Die einzelnen Strophen des Gedichts werden vertont. Die Mutter Gottes, Maria, blickt auf ihren sterbenden Sohn. Der Zuschauer begleitet sie und ihre Gefühle. Es ist ein Stück, das wohl vor allem jede Frau ins Herz trifft. Es gibt Berichte, dass bei den Proben für die Erstaufführung Musikerinnen in Tränen ausgebrochen sind. Das Gedicht ist auf Latein geschrieben. Ist das nicht schwer zu lernen? Ich habe das große Latinum und spreche Italienisch. Das macht es leichter. Ich lasse mich zudem von der Musik leiten. Und auch wenn es auf Latein ist, glaube ich, dass viele Zuschauer es verstehen werden. Es ist ja eine universelle Botschaft dahinter. Sie wohnen in München. Wie haben Sie denn geübt? Es ist ja das Eröffnungskonzert der Musiktage. Der Chor übt deswegen schon länger. Wir Solisten studieren das Stück zuhause ein, teilweise mit einem Pianisten oder Coach, und reisen dann ein paar Tage vorher an. Dann gibt es drei oder vier Proben, zuerst mit Klavier, dann kommen Orchester und Chor dazu. Sind Sie eigentlich aufgeregt vor einem Konzert? Vielleicht ein wenig, aber vor allem freue ich mich. Es ist herrlich, ein solches Stück singen zu können. Dazu hat man ja nicht oft die Möglichkeit, weil es der katholischen Liturgie nach nur am 15. September aufgeführt werden darf und eine so große Besetzung notwendig ist.

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