Speyer
Das Studienseminar will sich öffnen
„Wir sind längst nicht bei allen Speyerern bekannt“, sagt Karl Walter Hoffmann. Er leitet seit 2012 das Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in der Geisselstraße und ist der Meinung, dass das mit der Bekanntheit anders werden muss: Zum einen feiere das Seminar zur Lehrerausbildung 70-jähriges Bestehen, zum anderen beheimate es echte „VIPs“.
VIP steht für „very important person“ oder „sehr wichtige Person“. Mit den Stars und Sternchen aus den Medien will Hoffmann seine „Lehrerlehrer“ aber nicht vergleichen. Er begründet es mit der Aufgabe, die sie erfüllen: „Die VIPs unserer Gesellschaft sind die Lehrer, da geht es um Zukunft. Und wir bilden sie aus. Das ist eine Schlüsselaufgabe.“ 25 Fachleiter und zehn Lehrbeauftragte gehören zum Studienseminar für Gymnasien, das sich den Speyerer Standort mit einem Studienseminar für berufsbildende Schulen teilt. Dazu kommen Leiter Hoffmann, Stellvertreter Martin Treis, die Verwaltungsfachangestellten Sandra Rienkens und Monika Weisenstein, zwei Hausmeister und drei Reinigungskräfte. Sie alle sind ebenso wie Personal der 25 Ausbildungsschulen in der Vorderpfalz erforderlich, um 114 Referendaren das Rüstzeug in der Phase zwischen Studium und Beruf zu geben.
„Wir sind am Limit“
Eineinhalb Jahre dauert der Vorbereitungsdienst für die Lehramtsanwärter. Das heißt, dass in Speyer abwechselnd zum 15. Januar und zum 1. August neue Jahrgänge aufgenommen werden. Vor 2013 hatte das Referendariat noch zwei Jahre gedauert – was Hoffmann gar nicht schlecht fand. Mit zwei Halbjahren Ausbildung und einem Halbjahr Prüfungsphase sei das Geschäft inzwischen zur „logistischen Höchstleistung“ geworden, zumal die Jahrgangsgröße von einst 90 nach und nach angewachsen sei, sagt der Oberstudiendirektor: „Wir sind am Limit.“ Für seinen Geschmack sind die angehenden Lehrer schon mit sehr viel eigenverantwortlichem Unterricht betraut. Seine Anregung: hier ein wenig reduzieren und den Referendaren dafür mehr Entwicklungsmöglichkeiten lassen, etwa mit einer dreimonatigen „Ankommphase“. Die steigenden Anforderungen an Lehrer passten nicht unbedingt zur Verkürzung des Referendariats. Lehrer hätten eine gesellschaftliche Aufgabe, betont er nochmals, fügt die Schlagworte Humanismus und Reife hinzu. Und Reife brauche eben ihre Zeit.
Hoffmann und Treis loben ihre Referendare, machen aber auch deutlich, dass hie und da an grundlegenden Fähigkeiten gefeilt werden müsse. Das reiche von der Grammatik und Sprachebene, die sich im Beruf von der bei Whatsapp unterscheide, über die „fachliche Standfestigkeit“ bis hin zur Kritikfähigkeit. Letztgenannte liegt Hoffmann besonders am Herzen. Dazu gehöre die „eigene Diagnosekompetenz“, die das Seminar zuletzt an einem Studientag gesondert in den Blick nahm. Und da ist der Leiter auch schon bei den drei großen Herausforderungen, die er aktuell in der Lehrerausbildung sieht. Für die Demokratieerziehung und Erinnerungskultur gebe es in Zeiten von „Fake News“ ganz neue Facetten. Die Inklusion gewinne in Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen an Dynamik. Als dritten Punkt nennt er die Digitalisierung.
„Didaktik geht vor Medien“
Digitale Medien sind im Unterricht längst angekommen, aber in sehr unterschiedlichem Maß, das machen Hoffmann und Treis beim Rundgang durch das eigene Gebäude deutlich. Es gebe noch Seminarräume nur mit Tafel, andere seien mit Beamern, Smartboards oder interaktiven Boards ausgestattet. „Jetzt arbeiten wir daran, interaktive Displays, also die neueste Generation, ins Haus zu bekommen“, erklärt Treis. Man sei dabei auf Bewilligungen des Landes angewiesen und habe einen pragmatischen Ansatz, zumal die Geräte ohnehin „nur“ Mittel zum Zweck seien, wie Hoffmann erklärt: „Technik bildet nicht. Für uns geht Didaktik vor Medien. Wenn digitale Medien eingesetzt werden, muss es einen Mehrwert geben.“
Seit 2012 trägt der 59-jährige Geografie- und Evangelische-Religion-Lehrer Hoffmann die Verantwortung im Speyerer Studienseminar. In der Lehrerausbildung ist er schon viel länger tätig, phasenweise auch mit einer Abordnung an die Mainzer Universität. Sein Ansatz ist die Öffnung der Einrichtung – zu den Schulen, aber auch zur Stadt hin. Es gebe Berührungspunkte mit dem Rathaus etwa beim Brandschutz, bei dem zuletzt nachgebessert wurde, um die Aula wieder mit 120 Personen nutzen zu dürfen. Den Referendaren sei der angespannte Wohnungsmarkt bestens bekannt. Und dann sei da noch die Unterstützung des Fördervereins mit seinem Vorvorgänger Günter Kirchberg, sagt Hoffmann. Er würde es begrüßen, wenn das Jubiläum der Anlass für gemeinsame öffentliche Veranstaltungen wäre.