Speyer
Das Speyerer Flaggenhaus: Bewohner schmücken ihre Fassade zur WM
Seit Donnerstag rollt der Ball bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA. Speyer ist deshalb in diesen Tagen um einen echten Blickfang reicher. Wer die Schwerdstraße entlangkommt, kann das große Haus mit den vielen bunten Flaggen gar nicht übersehen. Fein säuberlich in zwölf Vierergruppen sind sie aufgespannt, die 48 Teilnehmer dieser Weltmeisterschaft, von Mexiko bis Panama. „Wir mussten zwölf Fahnen neu bestellen“, erzählt Doris Lütkehaus, eine der Bewohnerinnen des Hauses mit sieben Parteien und einer lebendigen Hausgemeinschaft. Man versteht sich gut, unterstützt sich gegenseitig, trifft sich zu Filmabenden draußen im Sommer. Auch die WM ist ein verbindendes Element für die Speyerer Mieter.
Rechtzeitig vor einem großen Fußballereignis kommen viele von ihnen und schmücken das Haus gemeinsam. Das seien immer lockere Treffen, es wird gegrillt und gescherzt. Die Flaggen werden – sortiert nach den Vierergruppen der WM – im Hof auf einem langen Faden aufgespannt. „Dann ziehen wir sie nach oben“, erläutert Jochen Strauß, ebenfalls Anwohner. Die Abstände der Flaggen zueinander seien dabei genau ausgemessen, schließlich soll die Sache etwas hermachen. Und das tut sie: Reaktionen seien durchweg positiv. „Die Leute halten schon an“, erzählen die Bewohner. Als Strauß einmal an einem Seminar teilnahm, habe die Dozentin das beflaggte Haus als Hintergrundbild ihres Laptops verwendet. Die geschmückte Schwerdstraße ist in der Region bekannt. Auch der Vermieter freue sich. Lütkehaus’ Sohn Levi – selbst aktiver Jugendfußballer bei der JFV Ganerb – erzählt stolz seinen Freunden davon, wenn das Haus wieder geschmückt ist.
Viele neue Flaggen
In diesem Jahr war die Herausforderung mit 48 statt wie bisher 32 Teams etwas größer. Der Platz an der Fassade ist schließlich endlich – und diesmal über zwei Stockwerke gut ausgenutzt. Und was, wenn künftig noch mehr Teams teilnehmen? „Dann nehmen wir die Rückseite dazu“, sagt die Bewohnerin und lacht. Zu den zwölf neuen Flaggen im Besitz der Hausgemeinschaft zählen viele von Nationen, die zum ersten Mal bei einer WM dabei sind – der deutsche Auftaktgegner Curaçao zum Beispiel. Andere Flaggen seien dagegen nach einigen Jahren schon etwas ausgeblichen und ersetzt worden. Das zeigt: Flaggen in der Schwerdstraße 8 haben schon Tradition. Initiiert hätten das Projekt 2010 die Bewohner Michael Mülberger und Christian Engel. Anfangs hingen nur Fahnen von Deutschland, Frankreich und Italien draußen, schon 2012 war das ganze Haus mit den Teilnehmern der damaligen Europameisterschaft beflaggt. Mitten unter den Nationen sticht immer das Wappen des 1. FC Kaiserslautern heraus – Mülberger ist glühender Anhänger der Roten Teufel.
Das Emblem der Lautrer war bei all den Turnieren die Konstante – inzwischen schmücke die Hausgemeinschaft auch zu Großereignissen der Fußballerinnen wie der Frauen-EM im vergangenen Jahr ihre Fassade. Nur die Winter-WM in Katar 2022 hätten sie ausgelassen – das habe von der Jahreszeit nicht gepasst. Denn schließlich gehört es für die Hausgemeinschaft auch zu einem großen Turnier, bei gutem Wetter Spiele gemeinsam anzuschauen. Dazu treffen sie sich im Hof, laden Freunde ein und schmeißen den Beamer an. Auf großer Leinwand wollen sie so auch das erste Spiel der deutschen Mannschaft am Sonntagabend verfolgen. Und wie schneidet die DFB-Elf beim Turnier ab? „Ich hoffe, dass sie gewinnen“, sagt Levi – und spricht damit allen Bewohnern des Hauses und wohl jedem deutschen Fußballfan aus dem Herzen.