Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Das sind die Mieter im neuen Ärztehaus

Auf der Terrasse des neuen Ärztehauses (von links): Apotheken-Betreiber Oliver Kunze, Physiotherapeut Andreas Baum, Arzt und Bau
Auf der Terrasse des neuen Ärztehauses (von links): Apotheken-Betreiber Oliver Kunze, Physiotherapeut Andreas Baum, Arzt und Bauherr Christian Bauer und Intensivpflege-Anbieter Michael Pein.

Seit April wird das neue Ärztehaus in Speyer-Süd bezogen. Bis August sollen vier Parteien im „Gesundheitszentrum Dr. Bauer“ (GZB) Patienten betreuen. Die Verantwortlichen schwärmen von Synergieeffekten. Ein solches Angebot gebe es im Vogelgesang noch nicht. Einige Details seien völlig neu für Speyer.

Das Projekt

Christian Bauer (42), „Mediziner in dritter Generation“, ist seit 2016 niedergelassener Hausarzt in Speyer. Er hat in der Diakonissenstraße zwei frühere Praxen zusammengelegt. Schon 2017 habe er sich entschieden, ein neues Gesundheitszentrums zu bauen. Der viergeschossige Neubau in der Petronia-Steiner-Straße 1, am Rand des Neubaugebiets am Priesterseminar, steht nach zwei Jahren Bauzeit kurz vor dem Abschluss. Der Innenausbau läuft auf Hochtouren. In sechs Wochen sollen auch die Außenanlagen fertig sein. Er investiere eine hohe einstellige Millionensumme und sei froh, den Kostenrahmen einhalten zu können, so Bauer. 41 Stellplätze vor dem Haus und in einer Tiefgarage gehören zum Projekt, die Nettoflächen für die fünf Mieter summieren sich auf fast 2000 Quadratmeter. Er habe in neueste Technik investiert, betont Bauer. „Das war es wert“, sagt er vor allem mit Blick auf die mit Kaltwasser gespeisten Kühldecken. Die Wärme komme über Fernwärme, auch die Be- und Entlüftung sei schon vor Corona leistungsstark konzipiert worden.

Der Physiotherapeut

Als Erster ist Andreas Baum (46) mit seiner Praxis „Physio Baum“ vor Ort. Der Schifferstadter hatte bisher in der Diakonissenstraße eine Privatpraxis betrieben und macht jetzt zusätzlich ein Angebot für gesetzlich Versicherte. Von den acht Mitarbeitern seien zwei neu, auch die nun fünf Behandlungsräume erweiterten die Möglichkeiten. Stolz zeigt Baum die „Zirbenstube“, in der Duftöle und eine Infrarot-Wärmeliege gegen Stress und für Muskelentspannung wirkten. 100 Prozent seiner Patienten hätten ihn an den neuen Standort begleitet – auch wenn in den ersten Wochen ein Umweg zur Hintertür an der Baustelle vorbei ansteht.

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Die Apotheke

Noch kräftig gewerkelt wird an der neuen Ludwig-Apotheke, gleich rechts vom Haupteingang im Erdgeschoss. Inhaber Oliver Kunze (48) schließt zum 24. Mai den vor gut fünf Jahrzehnten von seinem Vater in der Ludwigstraße eröffneten Standort und startet am 30. Mai auf rund doppelt so großer Fläche an anderer Stelle. Die sieben Mitarbeiter nehme er mit. „Die Weiterentwicklung war am alten Standort schwierig“, begründet er. Die Ludwigstraße beheimate heute weniger Arztpraxen als früher. In der Petronia-Steiner-Straße sei das automatische Warenlager mit Platz für 10.000 Packungen eine Innovation. Der Kommissionierapparat sei mit einer 24-Stunden-Abholstation verbunden, auf die mit QR-Code von außen zugegriffen werden könne. So etwas gebe es seines Wissens in Speyer noch nicht, sagt Kunze. Die Immobilie in der Ludwigstraße bleibe in der Familienhand; die Nachnutzung stehe noch nicht fest.

Die Intensivpflege-WG

Michael Pein, 68-jähriger Neustadter, hat die Betriebserlaubnis für eine Wohngruppe seiner Firma Curapalatina beantragt und hofft, mit dieser zum 1. August im ersten Obergeschoss des GZB als Novum in Speyer an den Start gehen zu können. Es gehe um die Betreuung von bis zu neun Personen, die auf 24-Stunden-Überwachung angewiesen seien. Das bedeute nicht, dass sie immobil seien – und genau darauf stellt sein Konzept ab: Die privat angemieteten Zimmer böten ebenso Bewegungsmöglichkeiten wie Gemeinschaftswohnstube und -küche. Reservierungen lägen schon vor, wenn der Betrieb starte, werden alle Plätze belegt sein, so der Jurist mit nach eigener Aussage zwölf Jahren Erfahrung in der Branche. „Die WG ist großzügig, die Wege zu Arzt, Apotheke, Physio und Krankenhaus sind kurz“, lobt er. Zum größten Mieter wird er, weil er im Erdgeschoss auch ein Büro und im dritten Obergeschoss ein Schulungszentrum einrichten will. Dort könnten Arbeitskräfte vor allem aus Albanien und Kosovo auf ihre Einsätze in der Krankenpflege bei Curapalatina und in Kliniken vorbereitet werden. Er denke an 50 Personen. Das feste Mitarbeiter-Team in Speyer werde 15 Köpfe umfassen.

Die Arztpraxis

Das zweite Obergeschoss ist dem Hauseigentümer vorbehalten, der für die letzte freie Fläche ein Stockwerk darüber noch einen gewerblichen Mieter sucht. In Christian Bauers Praxis sind heute drei Ärzte tätig. Ein Zuwachs sei geplant und auf den 525 Quadratmetern auch gut möglich, betont er. Das Konzept umfasse getrennte Wege zu Akut-, Termin- und Laborbereich. Ein Ampelsystem verhindere Staus. „Ich habe das Beste von allen Praxen, in denen ich tätig war, berücksichtigt“, sagt er. Mit seinen Fachkollegen und sechs weiteren Mitarbeitern will Bauer ab 4. Juli am neuen Standort praktizieren. Er sieht sein GZB als Modell, um drohendem Hausärztemangel zu begegnen.

Im Technikraum: Christian Bauer.
Im Technikraum: Christian Bauer.
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