Speyer Das Domdorf und die Sache mit dem Stier

Für Iren ist am 17. März Nationalfeiertag. Sie begehen den Todestag des Heiligen Patrick, der ausgezogen ist, Irland zu christianisieren, mit Paraden und viel Alkohol, legen Wahrzeichen in aller Welt in grünes Licht. Viele Speyerer haben den St. Patrick’s Day am Samstag im Alten Stadtsaal gefeiert. In der Reihe „Speyer.Lit“. Mit Whiskey, Autor Ralf Sotscheck und Musiker Patrick Steinbach, aber ohne grün angestrahlte Gebäude.
Steinbach ist mütterlicherseits halber Ire und lebt im hessischen Neu-Isenburg, der Berliner Sotscheck ist irischer Staatsbürger und an Irlands Westküste daheim. Beide trennen zehn Lebensjahre. Was sie vereint, ist die Liebe zur Grünen Insel. Sotschecks Montagskolumnen in der Berliner „Tageszeitung“ (taz) sind legendär. Eine Auswahl davon las er vor. Sie alle beruhen nach Angaben des Autors auf wahren Begebenheiten, so unglaublich manches klingen mag. Auch die von irischen Zeichen und Wundern, die Sotscheck in seinem Buch „Zocken mit Jesus“ beschreibt. Selbst die Geschichte eines Stiers, der vor 25 von 30 gleichzeitig brünstigen Kühen kapituliert haben soll, soll sich genau so in Sotschecks direkter Nachbarschaft abgespielt haben. Die Anekdoten aus drei Jahrzehnten in Irland weckten bei vielen Zuhörern Erinnerungen an Ferien, an Lesevergnügen und frühere Besuche des Autors in Speyer. Dazu steuerte der 64-Jährige eigene Erlebnisse bei: Lange habe ihm der „Fluch von Speyer“ angehaftet, erzählte er von unachtsamen Bemerkungen wie „In Speyer möge man nicht begraben sein“. Selbst das Zitat brachte ihm am Samstag kritisches Raunen des Publikums ein. Schuldbewusst versank Sotscheck am Lesetisch vor Tüchern voller keltischer Zeichen hinter zwei hölzernen Schafen. Der Versöhnungsversuch, Speyer sei das schönste Domdorf der Welt, machte die Sache nicht besser. Verständnis brachten die Zuhörer dagegen für die Unkenntnis des Wahl-Iren über „Mantelsonntage“ auf. Freude erzeugte er mit der Beschreibung des besten Steaks, das er im Speyerer Hundesportverein gegessen habe. Geschichten vom „ertrunkenen Handy“ oder über missliebige Verwandtschaft versöhnten das Publikum mit dem talentierten Vorleser. Gänsehautgefühle rief Steinbach mit sechs Gitarrensaiten, Musik des blinden irischen Harfenspielers Turlough O’Carolan oder „Both Side The Tweed“ vom schottischen Folksänger Dick Gaughan hervor. So boten Autor und Sänger einen überaus würdigen St. Patrick’s Day. Auch ohne grün angestrahlte Gebäude.