Speyer
„Corona darf keine Ausrede sein“
In einer Speyerer Bäckerei wird abgewiegelt, als die Kundin den Mehrwegbecher zückt. „Bleib deinem Becher treu“, steht darauf – so heißt auch die Kampagne der die Stadt Speyer 2019 beigetreten ist. Teilweise wird aber in dem Berühren mitgebrachter Gefäße ein Infektionsrisiko gesehen – und es gibt weitere Bedenken, wie auf Anfrage Elena Gänßler, zuständige Projektkoordinatorin bei der Stadtverwaltung, berichtet: „Aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen Unsicherheit, gegen Hygieneauflagen zu verstoßen, haben einige Betriebe die Annahme von kundeneigenen Mehrwegbehältnissen eingestellt.“
Würden allgemeine Hygienevorschriften eingehalten, gebe es auch im Pandemiefall keinen Grund zur Sorge, betont Gänßler. Der Lebensmittelverband liste kontaktlose Möglichkeiten der Wiederbefüllung auf. Gastronomen müssten bei einer Reinigung in industriellen Spülmaschinen keinerlei Bedenken haben. „Dennoch haben wir Verständnis für dieses Vorgehen.“ Die Werbung für den Ausbau des Systems, für die Gänßler unter anderem eingestellt worden ist, erleichtert das nicht. Sie setze sich weiterhin für den Einsatz von Mehrwegbechern und -verpackungen ein, so Gänßler: „Die Pandemie darf keine Ausrede dafür sein, die Umwelt mit To-go-Verpackungen zu belasten.“
Ein neuer Projektpartner
18 Projektpartner gibt es derzeit in Speyer, die das Befüllen, Kaufen und Tauschen der in mehreren Kommunen der Metropolregion erhältlichen Becher ermöglichen. Bei sieben weiteren ist nur das Befüllen und Kaufen möglich, dazu kommen fünf reine Verkaufsstellen (im Netz: www.speyer.de, Rubriken Umwelt, Nachhaltigkeit, Mehrwegbecher). Ein weiterer Partner sei in der Pandemie-Zeit hinzugekommen, berichtet Gänßler: das Café am Museum mit allen drei Arten von Dienstleistungen. Zudem sei die Firma PFW Aerospace als größter industrieller Arbeitgeber der Stadt gerade dabei, ihre weit mehr als 1000 Mitarbeiter mit den im Einzelverkauf für vier Euro erhältlichen Bechern auszustatten. Ziele laut Gänßler: Einwegbecher aus dem Betrieb zu verbannen und „ein sichtbares Zeichen gegen Verschwendung“ zu setzen.
Die Koordinatorin kündigt für 2021 einen Workshop um Thema Plastikmüllvermeidung an. „Parallel arbeiten wir an dem mittelfristigen Ziel, eine Lösung für weitere To-go-Verpackungen wie Eisbecher zu finden.“ Werbung 2020 plant sie noch beim Klimaschutztag im Woogbachtal am Samstag, 10. Oktober, 14 bis 18 Uhr. Firmen, die Kampagnenpartner werden möchten, könnten sich melden: Telefon 06232 142627 oder E-Mail mehrwegbecher@stadt-speyer.de.