Speyer
Closweg-Brücke: Vor der Sanierung zurückgeschreckt
Wohin des Weges?
Auf zwei Seiten kann man mit dem Auto hineinfahren in Speyers südlichen Stadtteil Vogelgesang. Die Kardinal-Wendel-Straße verbindet fast durchgängig im Halbrund die „Eingänge“ am Germansberg sowie beim Closweg. Der erstgenannte Weg führt unter der B39 durch, der zweite als Brücke darüber. Hier grenzt auch eine Rampe an, auf der man die B39 in östlicher Fahrtrichtung verlassen kann. Der Vogelgesang ist vor allem Wohngebiet für mehrere tausend Speyerer. Sie sind die überwiegenden Nutzer dieser Brücke; 5000 bis 6000 Kraftfahrzeuge fahren täglich darüber.
Wie kam’s dazu?
Die Brücke ist 1966 gebaut worden, als dieser Teil der Stadt neugestaltet wurde. Die B39 wurde als Umgehungsstraße aus der Stadt herausgenommen, der zuvor landwirtschaftlich geprägte Vogelgesang wuchs als Wohngebiet. Von 70 bis 100 Lebensjahren für eine Brücke gehen Ingenieure aus, wie Boris Egem sagt. Er ist Fachgruppenleiter Konstruktiver Ingenieurbau beim LBM und damit für 1800 Bauwerke in der Vorderpfalz zuständig. Die Closweg-Brücke werde sie nicht erreichen, weil ihr Zustand nicht mehr wunschgemäß sei. Bis 2023 soll ein Neubau entstehen. Der LBM gibt dem heutigen Bauwerk die Note 2,7 auf einer Skala von 1 bis 4. Ab 2,5 würden Verbesserungen geplant.
Welche Werte sind wichtig?
Die Stahlbetonbrücke ist 32,28 Meter lang und besteht aus drei Feldern – zweimal 9,49 Meter lang sind diese am Rand und 13,30 Meter in der Mitte. Darunter stehen auf beiden Seiten Stützen. Bis zu 60 Tonnen Belastung sind möglich. Bei der neuen Brücke werden die Werte anders sein: 18,40 Meter von Widerlager zu Widerlager reichen aus, Stützen sind nicht mehr nötig, sagt LBM-Vertreter Egem. Das hänge damit zusammen, dass auf Spannbetonbauweise übergegangen werde, bei der Beton in Träger eingespannt werde. „Eine Brücke wird dadurch schlanker und ansehnlicher“, betont der Verantwortliche. Bei der Breite geht es von zwölf Meter auf elf Meter zurück. „Die Gehwege bleiben gleich breit, die Fahrbahn wird ein bisschen schmaler“, erläutert Egem. Die bisherigen Fahrbahnen seien sehr großzügig angelegt gewesen; 3,25 Meter für jede Spur reichten aus.
Wie lange hält sie noch?
Man hätte die Brücke sanieren können, sagt Egem. Das sei auch der Plan bis 2018 gewesen. Dann sei die Bausubstanz genauer untersucht worden. Es wurde hineingebohrt, „und es lief minutenlang Wasser heraus“. Feuchtigkeit sei normal, aber hier sei es definitiv zu viel gewesen. Als Ursache wurde ermittelt, dass die in der Bauzeit üblichen Verdrängungshohlkörper – Kreise im Beton-Querschnitt, um Gewicht zu sparen – sich als nachteilig erwiesen hätten. Aus heutiger Sicht stellten solche Hohlkörper „ein erhebliches bauzeitbedingtes Defizit dar“, so Egem. Sie zu sanieren hätte sich nicht mehr rentiert, die Kosten wären ungewiss gewesen, die Sperrungsphase der B39 länger als bei einem Neubau. Längs- und Querrisse, abgeplatzter Beton, Aussinterungen sowie Kappenschäden kämen hinzu. „Das sind nicht alle Schäden, sondern die wesentlichen“, betont Egem.
Der Plan lautet jetzt, die neue Brücke – Kostenschätzung 1,5 Millionen Euro – von Herbst 2022 bis Sommer 2023 zu bauen. Die Closweg-Überquerung wäre dann solange gesperrt, die B39 nur wenige Tage, um die alte Brücke abzureißen und die vorgefertigten neuen Bauteile hineinzuheben. Anfang 2022 sei zusammen mit der Stadt eine gemeinsame Bürgerinformation geplant, denn der Neubau der Closweg-Brücke und die Errichtung der neuen Rad- und Gehwegbrücke vom Lidl-Kreisel zum Priesterseminar – also nur wenige hundert Meter weiter – würden aufeinander abgestimmt. „Die Stadt Speyer will mit dem Bau der anderen Brücke fertig sein, wenn wir anfangen“, so Egem.