Speyer
Burghart Klaußner mit Band beim Kulturbeutel
Klaußner ist Profi im besten Sinn. Schon beim Titelsong „Ich singe“ liegt ihm das Publikum zu Füßen. Seine Verehrung für Trenet ist in jeder Zeile, jeder Note und jeder Anekdote spürbar. Für ihn tanzt Klaußner, lacht und weint. Er singt „La Mer“ zum Weinen schön, das Lied, mit dem Trenet auch in Deutschland bekannt geworden ist. „Nur als Zitat“ will der Sänger das weltberühmte Chanson in Speyer hinterlassen. Damit erklärt er mit den Händen in den Taschen und geschlossenen Augen die verkürzte Version. Dass der Swing-Troubador bei uns keinen hohen Bekanntheitsgrad hat, liegt laut Klaußner an den Nazis, die ihn wegen seiner Homosexualität und dem Gerücht, er sei Jude erpresst haben.
In Smoking und schwarzen Lackschuhen steht Klaußner auf der Bühne. Sein Erscheinungsbild lässt die Vermutung zu, er könne Franzose sein. Dabei spricht der Schauspieler die Sprache nach eigenen Angaben „unsagbar schlecht“. Gelernt hat er Französisch bei einem bayerischen Lehrer. Nichts sei schwieriger gewesen, als die Aussprache zu lernen, sagt Klaußner.
„Pure Überlebensstrategie“
Sie gelingt ihm meisterhaft, ob er über die Liebe, das Alter, die Männlichkeit oder ihren drohenden Verlust singt. Poesie schwingt mit, Lebensfreude, Sehnsucht. „Die Musik Trenets ist pure Überlebensstrategie“, erklärt Klaußner. Ein Chanson von 1938, als der Poet in die Armee eintreten musste, erzählt voller Melancholie davon. 1913 im französischen Narbonne geboren, später in Paris zu Hause, ist Trenet bis zum Ende seines Lebens im Jahr 2001 jung geblieben. Im Alter von zwölf Jahren soll der Swing Troubadour sein erstes Chanson geschrieben haben, in dem es heißt: „Es regnet auf die Erdbeeren und die Liebe.“ Mit 22 hat er mit „Was bleibt von unseren alten Lieben“ ein Lied über die Vergänglichkeit geschrieben. Mit Musik ist Trenet aufgewachsen. Der Vater war Geiger, die Mutter Harfenistin. „Den Swing hat er aus den USA herübergehört“, sagt Klaußner und verbeugt sich ein ums andere Mal vor seinem Idol.
Fünf Musiker bilden eine Big Band. Fünf großartige Musiker begleiten den Schauspieler seit 20 Jahren auf seiner Trenet-Tournee durch Deutschland bis nach Los Angeles. Trompeter Jan-Peter Klöpfel ist der Kopf der Band. Diskret dirigiert er Instrumentalisten und Sänger durch das Konzert und beweist gemeinsam mit Klarinettist Edgar Herzog komödiantisches Talent. Um Verständigungsschwierigkeiten zu überwinden, hat Klaußner die meisten Chansons ins Deutsche übersetzt. Er liest sie indes nicht vor, er zelebriert die poetischen Texte, gerät ins Spielen, füllt die Bühne aus.
Er singt für sich
Gitarrist Sven-Arne Schönemann, Pianist Matthias Stötzel, Kontrabassist Gerold Donker und Schlagzeuger Björn Donker begleiten Klaußner niveau- und humorvoll bei seinem Konzert für Trenet. „Ich singe nicht für das Publikum, ich singe für mich“, sagt der Schauspieler und Sänger zum Vergnügen der Zuhörer im sehr gut besuchten Stadtsaal. Für das gefühlvolle „J’ai ta main“ entledigt er sich seiner Jacke und hängt sie klischeehaft französisch lässig über die Schulter. Danach singt er vom Sommer, der zu Ende geht und erzählt von Trenets Gläubigkeit. „Er glaubte an Gott und Gott an ihn“, fasst er die Überzeugungen des Swing-Poeten zusammen.
Das Programm ist nach eineinhalb Stunden gesungen und gespielt, weder Klaußner noch sein Publikum wollen und können sich schon jetzt trennen. Das Marylin Monroe gewidmete „Boum“ gerät zur furiosen Zugabe. Klaußner verlässt die Speyerer Bühne und winkt – bald schon auf dem Weg zum Flieger nach Hamburg, wo er am nächsten Abend pünktlich im Opernhaus vor den Vorhang treten muss. Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ steht auf dem Programm des viel beschäftigten Künstlers, wo er den Bassa Selim spricht und spielt. Dass er mit einem weiteren Musikprogramm wieder einmal zum Kulturbeutel-Festival kommt, schließt Klaußner indes nicht aus. Musik ist eben für ihn das Schönste.