Speyer / Schifferstadt / Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Buchhändler Matthias Völker war fast 30 Jahre bei Oelbermann

Fast 30 Jahre in der Buchhandlung Oelbermann: Matthias Völker.
Fast 30 Jahre in der Buchhandlung Oelbermann: Matthias Völker.

Am 1. Juni ist die Buchhandlung Oelbermann Geschichte. Die Speyerer Filiale schließt bereits zum Ende dieses Monats,die in Schifferstadt und Limburgerhof verlassen die literarische Bühne am 31. Mai. Damit endet eine Familientradition,die 1949 in Speyer ihren Anfang genommen hat. Fast drei Jahrzehnte gehörte Buchhändler Matthias Völker dazu.

Etwas verloren wirkt Matthias Völker inmitten der Literatur, für die er Kunden seit Jahrzehnten begeistert. Vor der Tür entfernen sich die letzten Abholkunden des Tages. Der aktuelle Lockdown zwingt Völker und seinen 18 Kollegen, die Buchhandlungen täglich für ein paar Stunden nur so weit zu öffnen, dass das das nach telefonischer Bestellung begehrte Buch gerade dazwischen passt.

„Das funktioniert gut.“ Völker ist und bleibt Optimist. Gerade Buchhandlungen abseits der Innenstädte würden derzeit gerne frequentiert, berichtet er von überraschenden Beobachtungen in Limburgerhof und Schifferstadt. In Speyer überwiegt Wehmut vor den Schaufenstern und dem Türspalt. Vielen Speyerern sei Oelbermann in Verbindung mit dem Schulbuch ein Begriff. „So hat Wolfgang Oelbermann 1949 an der Alten Münze angefangen“, erzählt Völker vom ersten Firmensitz des Familienbetriebs, der ein Jahr später als Lehrmittelhaus und Buchhandlung weitergeführt wurde. Reinhard Oelbermann habe das Geschäft vom Vater übernommen, modernisiert und ausgebaut. Überall und in jedem Satz ist Inhaber Reinhard Oelbermann präsent. 2019 ist der CDU-Landtagsabgeordnete und leidenschaftliche Vertreter des schönen Buches gestorben.

Gutes Betriebsklima

Der Chef ist er in den Köpfen und Herzen der Belegschaft geblieben. Hinzugekommen ist „Chefin“ Evelyne Oelbermann, die die Geschäfte seit dem Tod ihres Mannes führt.

Beim Thema Betriebsklima gerät Völker ins Schwärmen. Er erzählt von flacher Hirarchie, in der jeder seinen Bereich gefunden habe.

Die Regale in Speyer sind weitgehend ausgeräumt. Zur Abholung bereite Bücher stapeln sich. Hinter dem Kassenbereich sind schön gestaltete Adventskalender übrig geblieben. Noch ist der Retro-Charme im Raum, der das „Mutterhaus“ seit jeher ausgezeichnet hat.

„Wir sind Dinosaurier“

„Wir sind Dinosaurier“, sagt Völker und meint die Branche, die Buchhandlung und sich selbst. Bis zur Schließung der letzten Filiale ist sein Arbeitsplatz bei Oelbermann sicher. Was danach kommt, weiß der Mittfünfziger nicht. „Irgendwas wird es schon für mich geben“, bleibt er zuversichtlich.

Der Traum vom Buchhändler ist Völker nicht direkt in die Wiege gelegt worden. Den Weg indes habe die Mutter ihm bereitet, erzählt er. Studiert hat Völker Geschichte und Theologie an der Universität Heidelberg. Nach seinem Abschluss hat er die Oelbermann'schen Buchhandlungen zunächst als Aushilfskraft, anschließend als Auszubildender kennengelernt. „Daraus sind dann fast 30 Jahre geworden“, staunt er selbst über die vielen Jahre am gleichen Arbeitsplatz.

Gelangweilt habe er sich keine Minute, betont der Buchhändler. „Bei Oelbermann ist jeder Tag spannend.“ Kaum vorstellbar, dass er schon in wenigen Tagen aus Speyer verschwunden sein wird. Völker, geboren in Berlin, aufgewachsen in Hessen, wohnt in Mannheim. „Ein Katzensprung zu den Oelbermann'schen Buchhandlungen“, sagt er.

Leidenschaft für das Buch

„Die Freude und Leidenschaft am Buch muss wirtschaflicht sein.“ Völker hat sich die Geschäftsphilosophie des Chefs zueigen gemacht. Dienstleistung war deshalb für ihn selbstverständlich und in Sachen Schulbuchausleihe ein weiteres Standbein.

Für Speyer und den Rhein-Pfalz-Kreis hat er gemeinsam mit der Chefin dafür gesorgt, dass Schüler in rund 40 Schulen ihre Bücherpakete pünktlich am ersten Schultag nach den Sommerferien an ihrem Platz vorgefunden haben. Genauso gerne hat Völker Kundenkontakte bis Korea gepflegt, bis 2017 16 Jahre lang seine persönliche literarische Jahresbilanz in winterlichen Buchnächten angeboten, Kunden beraten und sich manchmal auch von ihnen beraten lassen.

„Ich mochte den Kontrast“, sagt er. Die Beteiligung der Buchhandlung an Speyer.Lit habe ihm die Begegnung mit teilweise faszinierenden Autoren ermöglicht, berichtet er von der Berliner Autorin Maria Cecilia Barbetta, die 2019 aus ihrem Roman „Nachtleuchten“ gelesen hat oder von Norbert Scheuer, der ihn 2020 mit seinem Erfolgsroman „Winterbienen“ besonders beeindruckt hat. Völker hat der Dichterin Hilde Domin und dem Schriftsteller Winfried Georg Sebald in Speyer zugehört.

Hauptsache Literatur

Autoren, der Chef, die Kollegen aber auch zahlreiche Kunden hätten ihm Impulse gegeben, beschreibt Völker seine Freude an dem Beruf, dessen Zukunft für ihn jetzt in den Sternen steht. Dennoch bringt er für die Entscheidung der Chefin großes Verständnis auf. Ein Nachfolger sei nicht in Sicht, beschreibt er die aktuelle Situation. „Das Risiko der Übernahme einer Buchhandlung ist in diesen Zeiten einfach zu groß“, ist er überzeugt.

Bei Oelbermann hat Völker mehr Zeit als zu Hause verbracht. Das wird sich voraussichtlich im Sommer ändern. „Alles hat seine Zeit“, sagt der Buchhändler dazu. Das gelte auch für die zunehmende Digitalisierung des Buchhandels. Er lese gerne gedruckte Bücher, sehe aber auch im E-Book gute Möglichkeiten. Ihm geht es um das Lesen, nicht um das Wo oder Wie. Für ihn gilt über die Zeit bei Oelbermann hinaus: „Hauptsache Literatur.“

Service

Bis 30. Januar ist die Abholung bestellter Bücher in der Speyerer Filiale der Buchhandlung Oelbermann möglich. Telefon 06232 60230. Die Filialen Limburgerhof, Burgunder Platz 3, und Schifferstadt, Bahnhofstraße 46, schließen Ende Mai.

Matthias Völker beim Aufräumen der Bücher.
Matthias Völker beim Aufräumen der Bücher.
Völker im Dankesschaufenster.
Völker im Dankesschaufenster.
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