Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Brauereien: Wie sie die Krise bewältigen

Domhof in Speyer: Auch hier spürt man die Krise.
Domhof in Speyer: Auch hier spürt man die Krise.

Brauereien und Brauhäuser in der Vorderpfalz haben mit dem Wegfall der Corona-Auflagen auf mehr Normalität gehofft. Dann kam der Ukraine-Krieg. Auch Mayerbräu in Ludwigshafen spürt die steigenden Kosten. Gastro-Betriebe hadern nach wie vor mit dem Fachkräftemangel.

Astrid Schott-Lemm klingt optimistisch, als sie nach dem Ausblick für 2022 gefragt wird: „Wir haben unseren ganz normalen Veranstaltungskalender“, sagt die Geschäftsführerin der Domhof-Brauerei in Speyer. Das, was die Kunden üblicherweise bekommen, soll in diesem Jahr wieder angeboten werden. Allerdings: „Zusätzlich ist dieses Jahr nichts geplant“, sagt Schott-Lemm. Keine zusätzlichen Feste, keine zusätzlichen Biere. Immerhin habe der Speyerer Gastro-Betrieb keinen Gerstensaft wegschütten müssen, der wegen der Corona-Regeln möglicherweise schlecht geworden wäre. „Seit 2020 verkaufen wir unseren hauseigenen Bockbierbrand, den wir aus nicht weggeschüttetem Bier brennen lassen“, erzählt die Geschäftsführerin, wie der Betrieb aus der Not eine Tugend gemacht hat. Sie spielt mit dem Gedanken, den Brand im Sortiment zu lassen, selbst wenn die Situation sich wieder normalisiert hat.

Sofort wieder Buchungen

Richtig normal ist die Lage noch nicht, trotz des Wegfalls der meisten Hygieneauflagen. „Wir haben sofort wieder Buchungen gehabt. Über die Nachfrage können wir uns nicht beklagen“, sagt Schott-Lemm. Das Problem sei ein anderes: „Wir können nicht alles bewirten, deshalb ist unser Biergarten etwa nur zur Hälfte gefüllt, um Chaos zu vermeiden. Wir nehmen nur die Anfragen an, die wir auch bewältigen können“, erklärt sie. Der Mangel an Mitarbeitern sei bundesweit auch schon vor der Pandemie ein Problem in der Branche gewesen. Doch während sie ihr Stammpersonal habe halten können, sei es gerade im Bereich der Aushilfsjobs schwierig geworden.

„Die jungen Leute sind während der Pandemie in andere Branchen gewechselt oder wollen erstmal Versäumtes nachholen“, sagt Schott-Lemm. Habe sie die Mitarbeiter-Situation früher mit Abiturienten, die einen Nebenjob gesucht haben, aufstocken können, funktioniere das jetzt nicht mehr. „Wir suchen verstärkt mit allen möglichen Mitteln“, sagt die Geschäftsführerin.

Mayerbräu in Ludwigshafen.
Mayerbräu in Ludwigshafen.

„Haben Standortvorteil

Ihr Betrieb sei bisher aber gut durch die Pandemie gekommen: „Diejenigen, die ihren Betrieb ordentlich führen, bekommen auch die Hilfen. Probleme bekommen die Gastronomen, die vorher am Staat vorbei gewirtschaftet haben“, sagt Schott-Lemm. Dass die Domhofbrauerei allerdings auch einen Standortvorteil habe, weiß sie. „Wenn Sie mal nach Ludwigshafen oder Mannheim gehen, da haben wir mit dem Dom und den Sehenswürdigkeiten natürlich einen Standortvorteil“, sagt sie.

Kein spezielles Weizen

Beim Brauhaus zur Post in Frankenthal ist Allan Lebkücher seit Januar 2021 einer der Geschäftsführer. Der 42-Jährige ist mit weiteren Plänen für 2022 nach dem Wegfall der meisten Corona-Maßnahmen zurückhaltend. „Ich glaube kaum, dass wir zur Biergartensaison ein spezielles Weizen machen werden“, sagt er. Das Brauhaus bleibe beim Standardangebot. Im April seien die Anfragen nur langsam wieder angelaufen. „Man merkt, dass es langsam besser wird, aber es ist bei Weitem noch nicht so wie vor der Pandemie“, sagt Lebkücher. Nicht jeder gehe bereits wieder angstfrei aus.

Auch die Frankenthaler haben mit Personalsorgen zu kämpfen: „Wir haben in der Pandemie gut 50 Prozent unserer Mitarbeiter verloren“, berichtet der Geschäftsführer. Weil es an Personal fehle, habe das Brauhaus nur an fünf Tagen in der Woche geöffnet. Auch das wirke sich auf den Umsatz aus. „Wir haben immer noch Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent“, erzählt Lebkücher.

Keine Entlassungen

Die Bierpreise erhöht hatte die Ludwigshafener Brauerei Mayerbräu erst im März, basierend auf Daten von November des Vorjahrs. „Vorher waren die Preise vier Jahre konstant“, erzählt Geschäftsführer Frank Mayer. Als diese Erhöhung geplant worden sei, war die Lage in Europa noch eine andere. „Wir haben die Corona-Phase hinter uns und waren in einer Phase der Erholung“, sagt Mayer. Nun kommt alles anders: „Die ganzen Kosten erhöhen sich sprunghaft, gerade im Energie- und Rohstoffbereich“, so Mayer. Vor allem bei der Sommergerste und beim Weizen gebe es „gewaltige Preissteigerungen“.

Neue Produkte werde es aus seiner Brauerei deshalb in diesem Jahr wohl nicht geben. Setze sich die Preisentwicklung fort, werde die Geschäftsführung über eine weitere Erhöhung der Bierpreise nachdenken müssen. Derzeit versuche man, die Mehrkosten über Einsparungen zu kompensieren. Immerhin seien keine Lieferengpässe in Sicht.

Positiv bewertet Mayer auch: Die Brauerei, die Kunden im Umkreis von 40 Kilometern rund um Oggersheim beliefere, habe in der Corona-Krise keine Mitarbeiter entlassen müssen. „Die staatliche Hilfe, vor allem die Kurzarbeit, hat da sehr geholfen“, erzählt Mayer. Noch völlig offen ist aus seiner Sicht, wie sich die Corona-Lage im kommenden Herbst entwickelt. „Das ist eine ganz verzwickte Situation“, so Mayer.

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