Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Brandhaus: Nach dem Wunder der Rattenschwanz

23. Dezember: Schutt vor dem Brandhaus in der abgesperrten Straße.
23. Dezember: Schutt vor dem Brandhaus in der abgesperrten Straße.

Dass sich die Polizei am Tag vor dem Heiligen Abend erstmals zur Ursache des Großbrands in der Roßmarktstraße zu Wort gemeldet hat, macht es für die Betroffenen nicht einfacher. Es wird für sie kein ungetrübtes Weihnachtsfest. Eine der vielen Ungewissheiten ist, wie es mit dem Haus des traditionsreichen Blumen- und Antiquitätengeschäfts weitergeht.

„Ein technischer Defekt in Form eines Kurzschlusses an einer Stromleitung“ – das ist am Mittwoch die nüchterne Mitteilung von Kriminalpolizei Ludwigshafen sowie Staatsanwaltschaft Frankenthal zu der Ursache des Feuers, das vor eineinhalb Wochen Speyer in Atem gehalten hat. Ein Brandsachverständiger und Beamte der Kripo hätten bei einer Ortsbegehung keine Hinweise auf eine vorsätzliche Inbrandsetzung des älteren Hauses gefunden, im dem seit 1973 der „Blumenladen“ ansässig ist. Der Schaden wird auf 300.000 Euro geschätzt.

Das Gebäude sei wieder freigegeben worden, informiert Polizeisprecher Thorsten Mischler auf Anfrage. Schon da geht es los mit den Ungewissheiten. Konkret einsturzgefährdet sei es wohl nicht, sagen Heinrich Schultz und Alexander Walch, Söhne der Eigentümerfamilie, im RHEINPFALZ-Gespräch. Allerdings sei nun die Versicherung am Zug, sodass sich das Ausräumen und Säubern der Räume wie auch die Freigabe der vor dem Haus nicht begehbaren Roßmarktstraße wohl weiter verzögerten. Die Stadtverwaltung erklärt dazu auf Anfrage: „Die Roßmarktstraße bleibt über Weihnachten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Feuerwehr, THW und Polizei haben das ausgebrannte Haus zwar freigegeben, allerdings befinden sich noch einige Gegenstände auf der Straße, die vom Eigentümer noch entsorgt werden müssen.“

„Ganz anderes Weihnachten“

„Es wird sich hinziehen, nicht alle Zuständigen sind über die Feiertage erreichbar“, so Heinrich Schultz. Die Familie sei nach wie vor aufgewühlt, weil der Laden das Leben seiner Eltern gewesen sei. Es gehe ihnen aber den Umständen entsprechend gut. „Es wird dieses Jahr ein ganz anderes Weihnachten für sie“, sagt Alexander Walch. Ein großes Anliegen sei ihnen, für den vielfältigen Zuspruch, die netten Zuschriften und Hilfsangebote zu danken. „Das hilft ihnen sehr.“ Was ihnen ebenfalls helfe, sei das Wissen, ein Dach über dem Kopf zu haben – sie wohnen nicht im Unglückshaus –, und das „Wunder“, dass bei dem mehr als einen halben Tag lodernden Feuer niemand verletzt worden sei.

„Wir setzen alles daran, dass die Straße schnellstmöglich wieder geöffnet werden kann“, so Walch. Die Familie kümmere sich auch um das Schicksal der vom Brand betroffenen Nachbarn. Nicht mehr zu nutzen ist die Wohnung von Eva-Maria Schöfer im Obergeschoss des Nachbarhauses zum Altpörtel hin. Das Feuer ist auch auf das Dach dieses Gebäudes übergegriffen und Schöfers Appartement nicht nur verqualmt, sondern auch baulich beschädigt: Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mussten Wände einreißen, um von dort an das Feuer zu kommen, das in der Dehnfuge zwischen den Häusern noch viele Stunden glimmte. „Wir sind der Frau bei der Suche nach einer neuen Wohnung behilflich“, so Walch. Wer eine Idee habe, könne sich unter E-Mail blumenladen@gmail.com melden.

Hab und Gut verloren

Eva-Maria Schöfer ist seit dem Brandtag bei einer Freundin untergekommen und dieser sehr dankbar, wie sie betont. Zusammen sei nun auch ein ordentliches Weihnachtsessen geplant, was ihr diese Tage sehr erleichtere. „Es ist bitter“, sagt die 60-Jährige über die Folgen des Brandes. In vielen Telefonaten und Gesprächen habe sie geklärt, was sie von ihrem Hab und Gut noch verwenden könne. Ergebnis: fast nichts. „Im Prinzip stehe ich mit einem Paar Schuhe da.“ Auf die Möbel hätten so massiv Rauchgase eingewirkt, dass diese nie wieder in geschlossenen Räumen aufgestellt werden könnten. Beim Fernseher und der Hifi-Anlage sehe es wahrscheinlich nicht anders aus. Schöfers Kleidung sei quasi verschüttet worden, als die Wand geöffnet wurde. Immerhin: Das Geschirr, das in der Spülmaschine war, das dürfe sie an sich nehmen.

Nicht nur Walch und Schultz seien ihr bei der Wohnungssuche behilflich, berichtet Schöfer. Auch die Stadt und deren Wohnungsbaugesellschaft Gewo seien auf der Suche. Sie hoffe, dass sie im Januar wieder in eine eigene Wohnung ziehen könne. Elf Jahre lang habe sie neben dem Altpörtel gelebt. Auch ihre Fotoalben seien verloren. Was sie mit FFP2-Maske aus der Wohnung geholt habe, seien die Ordner mit ihren wichtigen Papieren. „Sie stehen jetzt seit Tagen auf dem Balkon zum Lüften und stinken noch immer“, so Schöfer. Es sei ein „Rattenschwanz an Problemen“, den sie nun bewältigen müsse. Aber: „Ich schaffe das, ich bin eine Kämpfernatur.“

Bei dem Brand am 11. Dezember waren rund 50 Feuerwehrleute und 30 Kräfte des Technischen Hilfswerks im Einsatz gewesen, der insgesamt mehr als 24 Stunden dauerte. Ein Löschen im Haus war schwierig gewesen, weil Einsturzgefahr bestand.

11. Dezember: Der Großeinsatz beginnt morgens kurz nach 4 Uhr.
11. Dezember: Der Großeinsatz beginnt morgens kurz nach 4 Uhr.
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