Speyer Blickpunkt: Speyerer Oldtime Jazz Festival: Gruß an die Eltern
Das Abschluss-Konzert des diesjährigen Speyerer Oldtime Jazz Festivals lag diesmal ganz in den virtuosen Händen der Red Hot Hottentots, die sich gestern im Rathausinnenhof bei unstetem Wetter fast drei Stunden lang die Seele aus dem Leib jazzten.
Die Jazz-Freunde, die das Festival – mit Regenschirm und Kapuze bewehrt – besuchten, haben einfach Humor. Das muss man ihnen lassen. Sie nahmen es dem musikalischen Leiter der Band in keinster Weise krumm, dass er bei der Begrüßung mehrmals durchblicken ließ, dass er sich und seine Kollegen in Worms oder Dudenhofen wähnte. Bei einem derart großartigen Repertoire und einer so virtuosen Darbietung unzähliger Hot Jazz Klassiker sei Nachsicht angesagt, so dachte wohl das geneigte Publikum, während sich beim musikalischen Leiter indes doch ein schlechtes Gewissen regte und er nach den ersten Songs einräumte, dass die ursprünglich in New Orleans beheimatete „Basin Street“ aus dem gleichnamigen Blues heute vom Speyerer Dom bis zum Rhein hinunter gehe und dass man sich sehr freue, hier in Speyer spielen zu dürfen. So wurde der Fauxpas zum Running Gag des Konzerts, was wieder einmal unter Beweise stellte, dass Musiker in der Regel witzige Typen sind. Humor braucht man offensichtlich auch als Superstar in der Szene. Denn Bernd K. Otto, der das Banjo spielt wie kaum ein anderer und überdies der Herausgeber der Zeitschrift „Banjo Podium“ ist, kann schon längst nicht mehr über den Witz lachen, dass Banjo-Spieler sich immer wieder gerne in der Nähe von Musikern aufhielten. So wurde die Veranstaltung zu einer launigen Nummer mit viel Humor und noch besserer Musik. Geboten wurden Dixieland-Klassiker wie „Creole Love Call“ von Duke Ellington und „Some Of These Days“ von Shelton Brooks. Auch „Scrapple From The Apple“ von Bebop-Meister Charlie Parker durfte nicht fehlen. Und um am Ende noch einmal auf das Alter des Publikums anzuspielen, wurde Frank Sinatras „Please Don’t Talk About Me When I’m Gone“ mit den Worten angekündigt, man solle bitte nach dem Konzert doch die Eltern herzlich grüßen. Neben Otto waren Wilson de Oliveira (Klarinette, Altsaxophon), Engelbert Christmann (Sousaphon), Walter Möwes (Posaune), Colin Dawson (Trompete), Horst Buchberger (Schlagzeug) und Dirk Raufeisen (Klavier) mit von der Partie.