Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Blick unter die Oberfläche: Was am St.-Guido-Stifts-Platz gefunden wurde

Bagger: Die Suche nach dem Verdachtspunkt im Boden beginnt.
Bagger: Die Suche nach dem Verdachtspunkt im Boden beginnt.

Experten haben einen Störkörper am St.-Guido-Stifts-Platz geortet. Sie entdecken etwas Altes im Boden, doch keine Gefahr. Der Ernstfall bleibt aus.

Patrick Burgey muss nur noch das rote Absperrband am St.-Guido-Stifts-Platz befestigen, dann kann es losgehen. Er ist einer der zwei Experten der Firma Provisys (Dettenheim), die an diesem Dienstagmorgen nach Speyer gekommen sind. Die Aufgabe ist nicht ungefährlich: „Kampfmittelerkundung“, steht auf den zwei Firmenfahrzeugen und dem Bagger, die die Firma mitgebracht hat.

Vor rund zwei Wochen war die Spezialfirma mit Messgeräten schon einmal auf dem Platz nahe der Friedenskirche St. Bernhard, der umgestaltet werden soll. Unter anderem geplant: ein drei Meter breiter Pflanzstreifen. Bevor die Bauarbeiten beginnen können, muss erst eine Kampfmittelsondierung Entwarnung geben. Das Georadar der Firma erfasste einen Störkörper im Boden: „Eine Anomalie, sagt man dazu“, so Burgey. Das könne am Ende vieles sein: Ein Schraubenschlüssel oder metallisches Material, das beim Bau des Platzes versehentlich eingebracht wurde, wären harmlos. Ein Sprengkörper nicht. „Dann würden wir die Kette einleiten“, sagt Burgey. Das ginge über Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr bis zum staatlichen Kampfmittelräumdienst, der für Entschärfung oder kontrollierte Sprengungen zuständig ist. Das würde dann auch eine Evakuierung nötig machen und wäre eine größere Sache im Innenstadt-Gebiet.

„Wir haben’s schon“

Doch an diesem Morgen gibt es schnell Entwarnung: Per Magnet lokalisieren die Experten die Fundstelle genauer, bevor der Bagger anrollt. Filigran arbeitet sich Patrick Burgey Stück für Stück ins Erdreich vor. „Da arbeiten wir ähnlich wie die Archäologen“, sagt er. In rund 30 Zentimetern soll sich die Anomalie etwa befinden. Nach kurzer Zeit stoppt der Bagger. „Ich glaube, wir haben’s schon“, ruft Burgey, greift zu einer Schaufel und bringt Licht ins Dunkel. Zum Vorschein kommt eine alte, armierte Bordsteinkante. Der integrierte Stahl machte das Bauteil besonders widerstandsfähig – und schlug nun auf den Messgeräten an. „Die ist offenbar einfach überbaut worden“, sagt Burgey. Nicht weiter schlimm, der Bordstein kann im Boden bleiben. Aber die Sache wird via GPS noch dokumentiert: „Als Nachweis“, erklärt der Fachmann. Das sei mittlerweile Standard. Als der Platz 2013 zuletzt umgebaut wurde, war das offenbar noch nicht so.

Für die Dettenheimer Firma ist der Einsatz in Speyer schnell erledigt. Patrick Burgey und sein Kollege können sich dem nächsten Auftrag widmen: Bei Heidelberg soll eine neue Gasleitung gebaut werden, was an mehreren Stellen ebenfalls Untersuchungen im Boden nötig macht. Vorher hat eine Speyerer Anliegerin noch eine Frage an die Firma, als sie das kleine Loch im Boden am St.-Guido-Stifts-Platz sieht: „Müssen wir hier mit etwas rechnen?“ Burgey kann sie beruhigen und Entwarnung geben: „Alles gut.“

Da ist das Ding: Die Bordsteinkante schaut aus dem Boden heraus.
Da ist das Ding: Die Bordsteinkante schaut aus dem Boden heraus.
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