Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Biologie-Talent: Nach dem Abi geht’s zu Olympia

Junge Forscherin: Franziska Maier bei einer praktischen Prüfung innerhalb der Biologie-Olympiade.
Junge Forscherin: Franziska Maier bei einer praktischen Prüfung innerhalb der Biologie-Olympiade.

Franziska Maier durfte sich zum Abi über den Biologie-Preis der Schule freuen. Toll, aber noch zu toppen: Die Speyererin tritt für Deutschland bei der Biologie-Olympiade an.

Wenn ein Trainer seine Athleten auf einen großen Wettkampf einstimmt, fordert er gern die richtige Mischung aus Disziplin und Lockerheit ein. Und wenn das die Formel für Erfolg ist, sieht es für Franziska Maier gut aus vor dem Schülerwettbewerb, der schon im Namen die Sport-Analogie trägt: Die 2025er-Abiturientin des Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasiums hat sich für das deutsche Nationalteam qualifiziert, das von 19. bis 28. Juli beim Weltfinale der Internationalen Biologie-Olympiade antreten darf. Nur vier von 1293 Teilnehmern in Deutschland haben das geschafft. Die Speyererin reist dafür mit Kollegen aus Brandenburg und Hessen in die philippinische Millionenstadt Quezon-City.

In vier Qualifikationsrunden seit Ende 2024 musste sie immer zu den Besten gehören – und hat das mit besagter Erfolgsmischung geschafft. „Am Ende hat jeder gelernt, bei jeder Gelegenheit, in der Nacht, im Zug“, beschreibt sie die ernsthafte Komponente. Doch der nächste Satz zeigt schon, dass auch eine gehörige Portion Spaß dabei war: Die 19-jährige kann sich bestens amüsieren über den – ebenfalls qualifizierten – Kandidaten, der noch beim Abendessen seine Nase ins Lehrbuch steckte und ausgerechnet in dessen Titelthema, der Botanik, schlecht abschnitt. Überhaupt werde vor Ort viel gescherzt: „Wir sind alle Wissenschaft-Nerds. Dabei denkt jeder, er habe schlecht abgeschnitten und komme nicht weiter.“ Deshalb gebe es untereinander Wetten – und wer wider Erwarten doch weiterkomme, müsse seinen Einsatz einlösen. Franziska Maier hat sich gegen die häufig gewählte Verkleidung bei der Prüfung entschieden: Sie werde nun 100 Briefe schreiben, um Sponsoren für die Biologie-Olympiade 2026 zu gewinnen, erzählt sie.

Werbung für Wettbewerb

Der Wettbewerb hätte in Deutschland „mehr Relevanz“ verdient, ist die 19-Jährige überzeugt. Mit den möglichen Sponsoren-Geldern würde sie den Teilnehmern am Bundesfinale Übernachtungen im Hotel spendieren – anstelle der Jugendherberge, deren Lärm sie bei der Qualifikation in Kiel im Mai kaum zur Ruhe kommen ließ. Ganz anders sehe es in einigen asiatischen Ländern aus: Der Stellenwert der Biologie-Olympiade sei dort höher. „Jux und Dollerei“, wie sie ihn erlebt habe, gehe den dortigen Teilnehmern jedoch ab. Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen werden nun auf den Philippinen vergeben. Maier geht mit großem Respekt an die Sache: Die Schwierigkeit der Aufgaben sei schon in den bisherigen Runden stetig gestiegen.

Die Liebe zur Wissenschaft vom Leben ist bei Maiers Familiensache. Beide Elternteile haben das Fach studiert, der Vater arbeitet in der Mikrobiologie, die Mutter in einer Arztpraxis. „Ich bin damit aufgewachsen. Der größte Teil unserer Gespräche am Esstisch drehte sich um Biologie.“ Die jüngere Schwester habe das irgendwann genervt – aber die kleine Franziska konnte davon kaum genug bekommen. Natürlich heimste sie auch im Biologie-Unterricht – in der Oberstufe ihr Leistungsfach neben Deutsch und Sozialkunde – beste Noten ein. Dass sie sich nun mit Förderung der deutschen Studienstiftung auf ein Medizinstudium vorbereitet und der Biologie zumindest ein bisschen untreu wird, kommentiert sie jugendlich-spöttisch: Sie könne sich „nicht vorstellen, das ganze Leben Insekten in Südamerika zu kartieren“.

Sportlicher Ehrgeiz

Der Horizont der jungen Frau aus Speyer-Nord reicht ohnehin weiter. Sie ist auch sportlich, tanzt, geht ins Fitnessstudio und ist als frühere Schulsanitäterin seit drei Jahren bei den Maltesern. Gerade arbeitet sie auf ihre Prüfung zur Rettungssanitäterin hin. Schon länger sammelt sie zudem im Heidelberger Life-Science-Lab Kompetenzen.

Einiges davon werde ihr auch bei der Biologie-Olympiade helfen, ist sie überzeugt. Wunden nähen sei zum Beispiel als mögliches Thema für das Weltfinale angekündigt – und das habe sie nicht nur mit einem Silikon-Set während des Videoschauens geübt. Maiers trockener Nerd-Humor kommt wieder durch, wenn sie von ihren blutigen Sezier-Übungen berichtet: „Ich habe auch schon gefrorene Sardinen und Hühnerherzen gekauft zur Vorbereitung. Aber ich glaube, Sezieren ist nicht so meine Stärke …“

Am Schwerd-Gymnasium: Die Fachlehrer Christian Stobbe und Imke Figura ehren die erfolgreiche Schülerin.
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