Waldsee
Bildhauerinnen und Bildhauer am Werk
Abwechslungsreich, anfängerfreundlich, gemeinschaftlich – die Bildhauerei gerade mit Sandstein verbindet Menschen, und ihre gestalterischen Ideen inspirieren andere. Die VHS Waldsee hat mit ihrem Kurs einen Nerv getroffen.
Ein Hufeisen und Weintrauben – auf den ersten Blick haben sie nichts miteinander zu tun. Aber auf den zweiten: „Meine Nichte war badische Weinkönigin. Ihr Lebensgefährte ist Dressurreiter und hat einen Reiterhof“, sagt Eveline Sanderbeck aus Dudenhofen ihr neues Werk, das sie im Workshop weiter bearbeitet. Es soll ein Geschenk zur Geburt des Babys ihrer Nichte werden. All ihre Werke, seien sie aus Keramik, Sandstein oder Beton, haben für sie eine persönliche Bedeutung. Wie der Siegfriedsbrunnen, der wie andere Objekte in ihrem Garten steht. „Für mich und meinen Mann ist er eine Erinnerung an die Heimat“, dort steht ebenfalls ein Siegfriedsbrunnen, weil Siegfried dort angeblich erschlagen worden war. Die drei Grazien, ein Turner, Köpfe und ein Läufer – diese und viele andere schon ausgestellte Objekte hat sie bisher geschaffen. Auch einen weiblichen Torso. „Das war eine große Aktion – schwer zu transportieren, viel wegzuklopfen“, lange Bearbeitungszeit. Auch Einschlüsse aus Lehm, Kies oder anderem Material können herausfordernd sein, aber unter anderem mit Blitzbeton lässt sich noch etwas retten. „Schon in der Schule habe ich plastische Sachen gestaltet“, erinnert sich Sanderbeck. „Kunst hat mich immer interessiert.“ Und als ihre Kinder größer waren, hat sie wieder damit angefangen. „Ich hatte schon Anfragen, ob ich meine Sachen verkaufe, aber sie sind für mich, Verwandte und Freunde.“
Sie und viele andere Teilnehmende gestalten schon länger zusammen. Mit dem Kursältesten Gustav Adlhoch (79), ebenfalls aus Dudenhofen, verbindet sie eine Freundschaft. Sie kennen sich aus früheren Kursen, als man noch in Dudenhofen auf dem Adenauerplatz Werke gestaltet hat. Adlhoch ist seit 2008 dabei. „Mich hat eine Bekannte angesprochen. Ich wollte gern Steine kloppen. Daraus ist dann das geworden.“ Ihm gefällt vor allem die herzliche Gemeinschaft. „Wir haben Spaß und helfen uns gegenseitig.“
Gleiches Interesse, jede und jeder hat eine Idee, „das ist einfach toll“. Er bearbeitet gerade einen Basaltblock und Marmor – daraus entsteht eine Marmor-Sukkulente, die in die schon vorgearbeitete Kerbe im Basalt eingefügt wird. „Aus dem Stein kommt Leben.“ Auch seine Kunstwerke stehen im Garten. Allerdings „sagt meine Frau: Ich weiß nicht, wie viel Kunst der Garten noch verträgt“, erzählt er schmunzelnd. Deshalb macht er jetzt kleinere Sachen wie eine Marmortaube, von der die Kita-Kinder, die beim Workshop vorbeigekommen sind, ganz begeistert waren. „Ein Handschmeichler.“ Workshopleiter Fabian Brsuke sei eine große Hilfe, wenn es um Tipps geht.
Viele eigene Ideen und der eigene Geschmack
Extra aus Berlin angereist, hat Bruske hier Wurzeln. „Meine Großmutter stammt aus Römerberg“, erzählt er. Und er hatte früher unter anderem schon eine Ausstellung in Mechtersheim. Durch einen Kontakt kamen seine Kurse für die hiesige VHS zustande, mit wachsendem Erfolg. „Wir behauen Sandstein. Die Teilnehmer holen ihn selbst aus dem Steinbruch in Neustadt an der Weinstraße.“ Was sie daraus machen, sei ihnen freigestellt. Viele eigene Ideen und der eigene Geschmack werden so umgesetzt, wie zum Beispiel ein Grabstein, meist für sich selbst oder für besondere Anlässe. Sandstein ist weich, damit auch geeignet für Anfängerinnen und Anfänger. Und man könne damit sehr detailliert, unkompliziert und schnell arbeiten. „Ein tolles Material.“ Bruske selbst hat in Italien Kunst studiert, das Praktikum aber in Berlin gemacht. „Nach zwei Wochen hatte ich Fuß gefasst“, und er arbeitet jetzt unter anderem für Opernhäuser und hat ein eigenes Atelier. Der Job sei abwechslungsreich – Bruske arbeitet auch für das Ausland - und er könne von seiner Kunst und seinen Kursen leben. „Einen Job zu kriegen, ist nicht schwer. Aber das Aushandeln der Honorare“, denn so eine handgefertigte Skulptur hat ihren Preis.