Speyer
Bilder aus der AfA erzählen von Flucht und Hoffnung
Barbara Leisten ist erleichtert. Am Internationalen Weltfrauentag ist die Ausstellung im Weltladen eröffnet worden. „Das Interesse war riesengroß“, freut sich die 54-Jährige über viel Zuspruch. Seit 2019 arbeitet sie für das Psychosoziale Zentrum der Diakonie in der Landesaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende (AfA) in Speyer-Nord. Zunächst war Leisten auf Minijob-Basis tätig, inzwischen ist sie fest angestellt. Gemeinsam mit zwei Psychologinnen macht die Sozialpädagogin vorwiegend jungen Geflüchteten, aber auch Erwachsenen, niedrigschwellige psychosoziale und psychotherapeutische Angebote.
„Es ist sehr erfüllend, lächelnde, glückliche Menschen zu sehen“, betont Leisten die Bedeutung ihrer Arbeit. Damit gelinge es, den AfA-Bewohnern für ein paar Stunden Entspannung von den Sorgen um ihr weiteres Schicksal zu schenken, erklärt sie. Oft frage sie sich, wie vor allem die Mädchen und Frauen es schafften, überhaupt noch zu lachen, berichtet Leisten sichtlich angefasst von für Europäer schier unvorstellbaren Einzelschicksalen. In der AfA sind in der Regel knapp 1000 Geflüchtete aus ganz unterschiedlichen Ländern, vorwiegend aus dem afrikanischen und arabischen Raum, untergebracht. Sie bleiben dort mehrere Monate, bis über ihren Asylantrag entschieden ist oder sie in rheinland-pfälzische Kommunen verteilt werden.
Von Hannover in die Pfalz
Wenn Leisten von Erfolgsgeschichten aus ihrer Arbeit erzählt, leuchten die Augen der Sozialpädagogin. Die Bilder der Ausstellung im Weltladen haben nach ihren Angaben Mädchen und junge Frauen gemalt und gezeichnet, die bis vor einiger Zeit in der AfA gelebt haben. Mittlerweile seien sie umgezogen. Eine von ihnen ist zur Ausstellungseröffnung gekommen und hat den Besuchern ihre Geschichte auf Deutsch erzählt. Wie die meisten ist sie von Afghanistan über den Iran und die Türkei vor den Taliban nach Deutschland geflohen. Leisten bewundert die 16-Jährige für ihre Sprachkenntnisse und den Mut, an die Öffentlichkeit zu treten.
Geboren und aufgewachsen in Hannover, ist die Diakonie-Mitarbeiterin in der Pfalz sesshaft geworden. Seit 2012 lebt sie mit ihrem Ehemann und zwei Teenager-Kindern in Wörth. Zuvor hatte es sie nach Bielefeld und Karlsruhe verschlagen. Ihr soziales Engagement hat sie an jede Station mitgebracht. Leisten hat Leitungsaufgaben bei der Frauen- und Mädchenrechtsorganisation Terre des Femmes übernommen, in der Straffälligenhilfe gearbeitet oder sich in Germersheim um unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) gekümmert.
Die Arbeit endet nicht mit der Ausstellung
Die gezeichneten Wünsche und Träume aus der AfA hätten sie so begeistert, dass sie die Wanderausstellung konzipiert habe, sagt Leisten. Geschichten über Zwangsverheiratung, Beschneidung, sexuelle Übergriffe und Gewalt hätten die Mädchen und Frauen auf diese Weise verarbeiten können. „Sie wünschen sich alle Freiheit für sich und ihre Töchter“, betont die Sozialpädagogin das Ziel der Afghaninnen. „Dafür nehmen sie viel in Kauf.“
Leistens Arbeit ist mit der Ausstellung nicht zu Ende. Mit weiblichen Neuankömmlingen will sie ihr Projekt weiterführen, auch wenn die Zukunft in der AfA angesichts von Rückkehrplänen der Bundeswehr derzeit ungewiss ist. „Bis wir gehen müssen, vergeht noch genügend Zeit“, bleibt Leisten optimistisch. Kraft und Zuversicht findet sie in Haus und Garten, mit der Familie, im Pfälzerwald, beim Walken und Joggen. „Ich bin eben sehr unternehmungslustig“, sagt sie und lacht. Ihr Herzensanliegen ist es, die Afghaninnen im aktuellen Weltgeschehen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Termin
Die Ausstellung ist bis Dienstag, 31. März, im Weltladen Speyer, Korngasse 31, zu den Ladenöffnungszeiten zu sehen.