Speyer
Bewährungshilfe: Mehr Sicherheit in neuen Räumen
Mehr als drei Jahrzehnte war die Mühlturmstraße 3 der Sitz der Speyerer Außenstelle der Bewährungshilfe, die dem Landgericht Frankenthal zugeordnet ist. Anfang März ist die Dienststelle mit vier Mitarbeitern, davon drei Bewährungshelfer, in das Nebengebäude des Amtsgerichts in der Wormser Straße 41 umgezogen. Sie hatte sich seit der Kündigung des Vermieters wegen Eigenbedarfs im vergangenen Jahr darauf vorbereiten können. Umbauarbeiten sind angelaufen und sollen im Sommer abgeschlossen werden. Die neuen Büros sind schon bezogen und wurden nun im Beisein von Justizstaatssekretär Matthias Frey (FDP) eingeweiht.
Beim Amtsgericht mit seinen 60 Mitarbeitern seien zwei bisherige Büros der Vollstreckungsabteilung freigeworden, sagte Direktor Hans-Jürgen Stricker. Mit „Zusammenrücken“ habe ein weiteres entbehrt werden können, sodass die Bewährungshilfe einen eigenen Trakt im Nebengebäude des Gerichts erhalten habe. Dieser wird noch mit einem eigenen, barrierefreien Zugang vom Innenhof ausgestattet, sodass sich die bisherigen Kosten im hohen fünfstelligen Bereich noch erhöhen, erklärte Stricker. Er erinnerte an die Ausbaureserve des Gerichts im Dachgeschoss, die bei Bedarf und mit Zustimmung des Ministeriums aktiviert werden könne.
Bewusst ein bisschen abseits
Dass die Bewährungshilfe auf dem Speyerer Gerichtsgelände „ein bisschen abseits“ sitze, passe zu ihrem Ansatz, betonte Harald Jenet, Präsident des Landgerichts: Sie hat als Teil der staatlichen Straffälligenhilfe einen betreuenden, keinen strafenden Auftrag. „Sie ist, wo sie hingehört, hat aber keinen martialischen Auftritt und ermöglicht vertrauensvolle Gespräche.“ Ein wichtiger Aspekt sei dabei die erhöhte Sicherheit: Sie könne in die Zugangskontrollen des Amtsgerichts eingebunden werden und erhalte eine eigene Videoanlage.
Die Begegnungen mit den Probanden der Bewährungshilfe seien sicherheitsrelevant, denn die Zielgruppe sei mit dem Strafrecht in Berührung gekommen, sagte Jenet. Bei allen Bemühungen um ein Vertrauensverhältnis sei Aggressivität nicht ausgeschlossen: „Wenn es zum Beispiel um Auflagenverschärfungen geht, kommen wir auch mal in den existenziellen Bereich.“ Staatssekretär Frey, der die Kooperation der Gerichte in Speyer lobte, ging auf diesen Aspekt ebenfalls ein: Psychische Probleme und wirtschaftliche Nöte beschäftigten die Probanden immer häufiger.
Auffälligkeiten nehmen zu
Das bestätigte Bewährungshelferin Corinna Gundermann, die seit 2008 am Speyerer Standort tätig ist: „Psychische Auffälligkeiten haben zugenommen. Das merkt man oft schon in den Erstgesprächen.“ Die Probanden kämen nicht nur wegen ganz unterschiedlicher Verfehlungen, sondern seien auch unterschiedliche Charaktere. Themen wie Inflation oder Krieg gingen allerdings an keinem spurlos vorüber. Sie habe bisher zum Glück keine Gewaltvorfälle erlebt. Wenn eine Begegnung aggressiver werde, bemühe sie sich um Deeskalation.
Den Klienten, die oft bis zu drei Jahre unter Bewährung oder fünf Jahre unter Führungsaufsicht stünden, soll Hilfestellung zu einem Leben ohne Straftaten gewährt und die Integration in die Gesellschaft erleichtert werden. Gundermann spricht von einer „Lotsenfunktion“. Bei Jugendlichen – mit oft kürzerer Bewährungszeit – komme ein Erziehungsauftrag hinzu. Zwischen 220 und 250 Fälle werden im Schnitt von den Speyerer Mitarbeitern der Bewährungshilfe parallel bearbeitet. 40 bis 50 der Betroffenen stünden unter Führungsaufsicht, hätten also ihre Strafen schon verbüßt, aber könnten noch eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen.
Viele Betroffene in Rheinland-Pfalz
Der größte Teil der 26 Bewährungshilfe-Mitarbeiter im Landgerichtsbezirk gehört zum Standort Frankenthal. Eine weitere Außenstelle gibt es in Neustadt. Rheinland-Pfalz-weit betreuen und überwachen rund 120 Bewährungshelfer ihre Klienten. Insgesamt stehen laut Ministerium rund 6500 Menschen unter Bewährungsaufsicht und circa 2000 Probanden unter Führungsaufsicht.