Speyer
Betriebsrat warnt vor Personalabbau bei PFW
„Wir brauchen dringend eine Verlängerung des Kurzarbeitergelds ins Jahr 2022 hinein“, sagte Andreas Gaa, Vorsitzender des PFW-Betriebsrats. Seit Frühjahr ist ein Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit, weil die Aufträge eingebrochen sind. Die Verlängerung der Ausgleichszahlungen bis Ende 2021 hätten ihm schon mal „etwas Bauchweh genommen“, aber die Krise werde für PFW länger andauern.
Danach könnte es jedoch relativ schnell nach oben gehen, wenn das zu Jahresbeginn an den französischen Hutchinson-Konzern verkaufte Unternehmen wie geplant verstärkt als Zulieferer mit Flugzeugbauer Boeing ins Geschäft komme. Deshalb warnte Gaa davor, die Belegschaft von heute 1600 zu stark zu verringern. Er sagte dies im Hinblick auf mögliche Pläne des Managements, das aktuelle „Freiwilligenprogramm“ für Mitarbeiter, die bereit sind, das Unternehmen zu verlassen, auszuweiten. Es sei von mittelfristig 125 Stellen die Rede, die auf diese Weise wegfallen könnten. „Das brauchen wir jetzt nicht“, so Gaa. Die Kurzarbeit sei ein ausreichend flexibles, „atmendes“ Instrument.
Sorge um Fachkräfte
Die Befürchtung sei, dass zu viele Fachkräfte gingen und fehlten, wenn die Auftragslage wieder so gut sei wie bis Anfang 2020. Gaa warnte auch vor Gedankenspielen, die Produktion, die auch schon im türkischen Izmir stattfindet, noch stärker ins Ausland zu verlagern. Aus seiner Sicht ist es kein gutes Szenario, dass in Speyer einmal nur noch 500 statt heute 1000 Produktionsmitarbeiter plus Entwicklung und Verwaltung sein könnten.
Ehrengäste der Versammlung waren OB Stefanie Seiler (SPD) vor Ort in einem Zelt auf dem Werksgelände am Neuen Rheinhafen und – live zugeschaltet – Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Dreyer betonte die Bedeutung des Werks und dessen engen Austausch mit der Landesregierung. Sie sei überzeugt, dass auch stark auf Kurzarbeit angewiesene Firmen wie PFW dank der „starken Rettungsschirme von Bund und Land“ gestärkt aus der Krise hervorgehen könnten.
Betriebsratschef Gaa kündigte an, weitere Politiker einzuladen, um vor allem um die Verlängerung des Kurzarbeitergelds zu werben, als nächste im Januar regionale SPD-Bundestagsmitglieder. 1100 Kollegen verfolgten laut Gaa die Betriebsversammlung an ihren Arbeitsplätzen. Sie wurde gestreamt und der Ton über 85 im Werk verteilte Lautsprecher übertragen.