Speyer Bernd Rückwardt 80: „Störenfried“ kann auch zusammenführen

Begeisterter Debattierer: Bernd Rückwardt.
Begeisterter Debattierer: Bernd Rückwardt.

Er lasse es ruhiger angehen mit ab Sonntag 80 Jahren, sagt Bernd Rückwardt. Dann gibt er am Telefon richtig Gas. Der frühere Vorsitzende der FDP Speyer hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Trotzdem – und wohl auch gerade deswegen – ist er zu einem verdienten Kommunalpolitiker und Ehrenamtler in Speyer geworden.

Die FDP war und ist die Partei des promovierten Wirtschafts- und Rechtswissenschaftlers, der 1973 als Mitarbeiter der Verwaltungshochschule nach Speyer gekommen war. Der gebürtige Halberstadter fasste in der Stadt schnell Fuß und brachte sich an ganz verschiedenen Stellen ein. Dem Stadtrat gehörte er von 1979 bis 1994 an. Er führte den Stadtverband der Liberalen, wurde Ehrenvorsitzender, bekam diesen Ehrentitel vor dem Schiedsgericht der Partei streitig gemacht und hat sich heute mit der lokalen FDP längst wieder versöhnt.

Was die Bundespartei angeht, ist Rückwardt weitaus skeptischer: Die dürfe sich eigentlich nicht mehr „liberal“ nennen, sagt er und schimpft über den Pomp gerade kürzlich bei der Hochzeit des Vorsitzenden Christian Lindner auf Sylt, der ihn traurig mache. „Ich war schon als Schüler renitent“, sagt der Jubilar. Schon bald nach seiner Ankunft an der Hochschule sei er als „Störenfried“ ausgemacht gewesen. Bei der Speyerer SPD prangerte er „Filz“ an und traf sich mit den Protagonisten vor Gericht. Bremsen ließ er sich von Reibung nie. Bei einem solch weitreichenden Projekt wie der Fusion der Vorgängervereine zum FC 09 hat er ebenso erfolgreich Strippen gezogen wie bei Initiativen für den Jugend- und Frauenfußball in Speyer oder als Schulelternsprecher.

Europa als Herzenssache

Redegewandt und meinungsstark steuerte der Ministerialrat im Hauptberuf bis zu seiner Pensionierung 2007 das Programm der Landeszentrale für politische Bildung an deren Kaiserslauterer Außenstelle. Medienpädagogik und Einsatz gegen Rechtsextremismus hatte er sich unter anderem auf die Fahnen geschrieben. Dass Rückwardt noch vor wenigen Jahren zu den Vorreitern der „Pulse of Europe“-Bewegung in Speyer zählte, zeigt, dass der angebliche Störenfried auch zusammenführen kann.

Die europäische Idee hat mit Rückwardt einen vehementen Fürsprecher – aber auch einen Kenner, der die Probleme benennt. „Es wird alles zerredet an der Spitze der EU“, beklagt er. So raube sich der Zusammenschluss selbst die Kraft. Oder die Stadtpolitik – Speyer lebe von der Atmosphäre und vom bürgerlichen Miteinander, schwärmt Rückwardt. Dann kommt das Aber: Politischer Streit sorge dafür, dass die Potenziale nicht ausgeschöpft werden. Er wundere sich etwa, dass es bei der Neugestaltung des Postplatzes nicht vorangehe. „Ich bin nicht damit einverstanden, dass die Kooperation im Stadtrat Oberbürgermeisterin Seiler bei bestimmten Maßnahmen regelrecht vorführt.“

Seinen runden Geburtstag am Sonntag feiert der rüstige Rentner im kleinen Kreis. Zu seiner Familie zählen neben seiner Frau eine Tochter und der achtjährige Enkel Leonard.

Einsatz für Europa auch in der kalten Jahreszeit: Bernd Rückwardt.
Einsatz für Europa auch in der kalten Jahreszeit: Bernd Rückwardt.
x