Speyer
Bereit für Unterricht im Krisenmodus
Die Schulleiter blickten am Donnerstagnachmittag noch häufiger in ihre elektronischen Postfächer als sonst. Sie erwarteten erste Mitteilungen des Landes, wie mit den Ankündigungen umgegangen werden soll. Zudem müsste sich die Stadt als Schulträger erklären. Das hat nachmittags Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) getan. Das Offenhalten von Kitas und Schulen habe weiterhin Priorität, zumal Schulen keine Infektionsherde seien. Aber: „In der aktuellen Situation würden wir die Einführung von Wechsel- oder Hybridunterricht sehr begrüßen.“
Den weiterführenden Schulen in Speyer – Änderungen sind nur ab der achten Klasse und auch nicht für Abschlussklassen geplant – sei sehr an etwas Vorlaufzeit und einheitlichen Regelungen gelegen, so auf Anfrage Ronny Wolf, Leiter des Hans-Purrmann-Gymnasiums: „Wir wollen keinen Flickenteppich.“ Noch in dieser Woche wollten die Chefs der Schulen mit Gymnasialzweig dazu konferieren. Er selbst könne die politische Weichenstellung nachvollziehen, sagt Wolf. Das habe auch damit zu tun, dass seine Schule mit 14 Corona-Fällen allein im November betroffen war und dass auch immer mehr entsprechende Nachfragen von Eltern und Lehrern kämen.
„Ein paar Abstriche“
„Wechselunterricht wäre umsetzbar“, sagt Wolf für sein Gymnasium – und meint damit die Variante, dass jeweils die Hälfte einer Klasse vor Ort wäre und die andere zu Hause Arbeitsaufträge hätte. Er erwartet dabei „ein paar Abstriche“ beim Unterrichtserfolg. So problematisch wie kompletter Fernunterricht wäre das aber aus seiner Sicht nicht. „Wer bei diesem nicht aktiv ist und mitmacht, den verlieren wir über Wochen aus dem Auge.“
Wie sähe es mit sogenanntem Hybridunterricht aus: ein Teil der Klasse im Saal, der andere verfolgt zu Hause die Online-Übertragung des Unterrichts live? „Wir machen das teilweise, aber es würde im großen Maßstab noch nicht funktionieren“, so Wolf. Die Tests hätten ganz praktische Probleme offenbart: Lehrer und Tafel könnten gut gefilmt werden, aber Unterricht lebe vom Mitmachen, und dafür brauche es eine akzeptable Tonqualität, um die Beiträge zu verstehen. Es müssten gute Mikrofone im Raum verteilt werden. Die gebe es noch nicht.
BBS ist schon Hybrid
Ein bisschen weiter ist da nach Aussage von Leiter Henning Vollrath die Berufsbildende Schule, der rund 1500 der 6500 Speyerer Schüler zugeordnet sind: Übungshalber sei bereits zu Beginn dieser Woche mit der Hybridbeschulung in besonders großen Klassen begonnen worden. Konferenzkameras seien einsatzbereit. Er freue sich, dass in diesen Punkten „flexible Entscheidungen“ möglich sein sollten, so Vollrath, denn nicht jede Lerngruppe der stark differenzierten BBS sei dafür geeignet: „Es gibt viele pädagogische und organisatorische Randbedingungen, die zu beachten sind“. Alleine die Klassenstärke und die Saalgröße reichten dafür nicht aus.
Keine große Betroffenheit von den Regelungen erwartet Barbara Ebrecht, Leiterin der Siedlungsrealschule plus: Bei ihr wären allenfalls achte und ein Teil der neunten Klassen betroffen. Sie warte nun auf Anweisungen, könne aber sagen: „Wir kommen zurecht. Wir haben relativ kleine Klassen und große Säle sowie Schüler, die super mitmachen.“
Machen sich die Grundschulen Sorgen, weil an ihnen alles weiterlaufen soll wie bisher? Eher nicht, sagt Sabine Stephan-Flory, Konrektorin der Woogbachschule: Die bisher zwei Corona-Fälle seien wenig angesichts der gut 390 Schüler. Einzelne Klassen in Quarantäne zu nehmen, wie bisher, sei einfach und effektiv. Alle Klassen zu teilen, wäre dagegen eine „extreme Belastung“.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Gut gemanagt
Speyers Schulen haben die Corona-Pandemie bislang gut gemanagt – obwohl diese Aufgabe mit Hunderten wuseliger Kinder und einem heimtückischen Virus alles andere als einfach ist. Deshalb sollte die Politik bei den weiteren Vorkehrungen unbedingt auf die Praktiker vor Ort hören und nicht gegen den Willen der Schulgemeinschaften entscheiden.
