Speyer Bei Painted Lady besser nicht applaudieren

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Vierbeiner sind im Geflügelzuchtverein 1922 Dudenhofen eine ungewöhnliche Spezies. Am Samstag war das anders. Vier Mitglieder der Gruppe „Happy Hoppers“ aus Lachen-Speyerdorf hatten zum zwölften Hähnchenfest der Geflügelzüchter 20 ihrer sprungerprobten Kaninchen mitgebracht.

Wo üblicherweise der Weg zu den Geflügelparzellen hinführt, ist ein Parcours aufgebaut: Zehn Hindernisse wie aus dem Pferdesport bekannt haben die Happy Hoppers maßstabgerecht auf Kaninchen zugeschnitten und liebevoll gestaltet. Bis zu 50 Zentimeter hoch liegen die bunten Stangen und Hürden, über die die Tiere gleich springen sollen. Manche angeleint, andere nicht. „Eigentlich gehen sie alle ohne Leine“, sagt Happy-Hopper-Urgestein Stefanie Bauer. „Feiner Mann.“ Ihre Tochter Ann-Kathrin lobt das Kaninchen mit dem Namen „Catch me if you can“ für seinen fehlerfreien Durchgang über zehn Hindernisse. Mit viereinhalb Jahren ist er der älteste der Starter. „Sie müssen sich erst einspringen“, erklärt Geflügelzüchter Gerhard Kurzenhäuser einem Vereinskameraden das Prozedere. Auch nach dem Aufwärmen geht es den hoppelnden Deutschen Meistern und Europameistern in Dudenhofen um nichts als Spaß. Dennoch will hier kein Kaninchen ein Hase sein: Jedes gibt bis zum letzten Sprung alles. Phelan geht mit Besitzerin Sandra Degen mit vier Fehlerpunkten ins Ziel – eine Stange ist gefallen. Ninio springt gleich hinterher und reißt zwei Hindernisse mit den Hinterläufen. Capricorny verweigert den sechsten Sprung, putzt eins seiner Schlappohren und lässt sich von Ann-Kathrin ins Ziel tragen. Trainiert werden die Tiere ab dem sechsten Lebensmonat, sagt Stefanie Bauer. Aufs Kanin-Hop, wie die Sportart heißt, seien sie und weitere sieben Züchter in Lachen-Speyerdorf gekommen, als sie von dem skandinavischen Trend gehört hätten. „Den Tieren macht es Spaß. Sie bewegen sich gerne. Aber wer das nicht will, muss nicht.“ „Super“, sagt Bauer kurz darauf zu Jeannie, die sämtliche Hindernisse hinter sich hat fallen lassen. Auf sich sitzen lassen will die Kaninchendame die Schmach aber nicht. Der spontan angetretene Rückwärtslauf vom Ziel zum Start gelingt ihr fehlerlos. Dafür gibt es Extra-Applaus der Zuschauer, was wiederum Painted Lady vom ersten Sprung abhält. „Die meisten sind alte Hasen im Umgang mit Störgeräuschen“, sagt Ann-Kathrin. Zur Gewöhnung werde im Training Musik und Straßenlärm eingesetzt. Kaninchen Painted Lady gehört nicht zu den Abgehärteten. Ein Ohr lässt sie hängen, das andere ragt nach oben, als sie jedes Hindernis besteigt, statt es zu überwinden. Ganz anders Dancer, der grau-weiße Konkurrent. In hohem Tempo bleibt er auch bei Sprüngen über 50 Zentimeter fehlerlos. Bis zu Hindernis neun, das in Sichtweite seines Transportstalls aufgebaut ist. Mit seiner Verweigerung schlägt er locker zwei Minuten mehr Bewegungsfreiheit für sich heraus. „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ intoniert Alleinunterhalter Manne unmittelbar nach dem ersten Kanin-Hop-Durchgang. Ortsbürgermeister Peter Eberhard war der Fassbieranstich mit zwei gekonnten Schlägen gelungen. Die Geflügelzüchter lobt er für ihren unermüdlichen Einsatz zum Erhalt der Artenvielfalt sowie ihr ganzjähriges Engagement für das Gemeindeleben. Inzwischen sind alle Tische besetzt. Am frühen Nachmittag habe das noch anders ausgesehen, berichtet Kurzenhäuser von zunächst wenig Andrang beim Hähnchenfest. „Es war zu warm und in Speyer die Kaisertafel gedeckt“, vermutet er. Bis zum Feuerwerk am späten Abend im Zuckerrübenfeld gegenüber der Geflügelzuchtanlage bleiben die meisten Gäste. Die gefeierten Vögel schlafen längst tief und fest.

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