Wohnen in Speyer (3) RHEINPFALZ Plus Artikel „Bei den Mietpreisen kaum machbar“

Blick in die Anzeigen: Die Wohnung, die zu den eigenen Bedürfnissen passt, ist oft nur schwer zu finden.
Blick in die Anzeigen: Die Wohnung, die zu den eigenen Bedürfnissen passt, ist oft nur schwer zu finden.

Wohnungen in Speyer sind begehrt – doch der Weg zu den eigenen vier Wänden ist nicht immer einfach. Besondere Ansprüche oder ein begrenztes Budget machen die Suche noch schwieriger. Drei Erfahrungsberichte.

Mona Suzann Pfeil und Axel Spillner aus Marbach am Neckar suchen ein Haus im Raum Speyer zum Leben und Arbeiten.

Pfeil: Ich bin Sängerin und gebe Kurse zu Atmung und Stimme. In unserem momentanen Haus habe ich auch schon ein Studio, das aber ein bisschen zu klein ist. Als uns wegen Eigenbedarfs gekündigt wurde, wollten wir die Gelegenheit ergreifen, etwas Neues und Größeres zu suchen, damit ich auch Gruppenstunden abhalten kann. Die Pfalz schwebt uns schon länger vor, uns gefällt die Mentalität hier. Auch aus Kostengründen wäre das, was wir vorhaben, im Raum Stuttgart nicht möglich.

Spillner: Ich arbeite überwiegend im Homeoffice und könnte das auch unabhängig von der Pandemie. Das war auch ein Auslöser, warum wir überlegt haben, wegzuziehen. Wir haben damit begonnen, bei Wohnungsportalen Profile anzulegen. Da war es aber nicht so einfach, etwas zu finden, weil das, was wir suchen, nichts ins Raster der Suchkriterien passt.

Als wir dann in der RHEINPFALZ inseriert haben, haben wir doch sehr viele Angebote bekommen, die eher auf uns zugeschnitten waren.

Pfeil: Unsere drei Katzen waren bisher überhaupt kein Problem, dazu haben wir auch ganz nette Zuschriften bekommen. Die Häuser, die wir bis jetzt angeschaut haben, waren sehr unterschiedlich. In einem war der Arbeitsbereich super, aber der Privatraum hat nicht ganz gepasst. Das zweite war ein richtiges Traumhaus, aber da war kein Platz zum Arbeiten.

Da ist dann die Frage: Wie viel Kompromiss wollen wir eingehen? Das dritte Haus, das wir in Dudenhofen angeschaut haben, könnte ein guter Kompromiss sein. Wir haben fast ein Jahr Zeit, um ein Haus zu finden, aber wir würden gerne im Herbst umziehen. Für mich wäre das auch wichtig, weil ich sonst beruflich schlecht planen kann.

Anna-Maria Angeli aus Neustadt suchte eine barrierefreie Wohnung.

„Ich bin seit einem Ärztepfusch im vergangenen Jahr querschnittsgelähmt und kannte mich mit Wohnungen für Rollstuhlfahrer bisher gar nicht aus. Zuerst wollte ich unbedingt in meine alte Wohnung zurück, obwohl sie im ersten Stock liegt. Ich bin schon 76, aber noch klar im Kopf und wollte selbstständig bleiben. In der Wohnung ist aber die Tür zum Bad nur zwei Zentimeter breiter als mein Rollstuhl und mein einziger Zugang nach draußen ist eine Rampe auf den Balkon, die mein Schwiegersohn gebaut hat.

Ich habe dann angefangen, mich nach Wohnungen umzusehen. Von einem Vermieter habe ich mir angehört, ich sollte ins Heim gehen, wenn ich schon so alt bin. Ein anderer meinte, ich würde mit dem Rollstuhl die Wohnung demolieren. Davon habe ich mich diskriminiert gefühlt, weil es mir auch darum ging, das Sozialsystem nicht zu belasten.

Ich habe mir auch im betreuten Wohnen eine Wohnung angeschaut, aber die war auch nicht rollstuhlgerecht. Die Küche war zu eng und im Bad konnte man mit dem Rollstuhl nicht wenden. Dann habe ich mich nach Neubauwohnungen umgesehen. Nach dem Bundesteilhabegesetz muss da nämlich ein bestimmter Anteil an behindertengerechten Wohnungen gebaut werden. In Neustadt gibt es einige Projekte, die aber erst 2022 oder 2023 fertig werden.

Über einen Helfer, der für mich einkaufen geht, habe ich dann gehört, dass das Gemeinnützige Siedlungswerk in Speyer baut. Das hätte ich sonst nie erfahren. Zuerst habe ich nur zwischen Bad Dürkheim und Landau gesucht, jetzt gehe ich schweren Herzens nach Speyer. Ich muss da hin, wo ich noch selbstständig leben kann.“

Jasmin Haß aus Frankenthal sucht eine Wohnung für sich und ihre Familie.

„Mein Partner und ich erwarten unser zweites gemeinsames Kind, ich habe auch schon zwei Kinder aus meiner früheren Ehe. Ich lebe mit den Kindern in Frankenthal, ein Partner wohnt bei seinen Eltern in Speyer. Jetzt sind wir auf der Suche nach einer gemeinsamen Wohnung oder einem Haus, je nachdem, was wir finden. Ideal wären fünf bis sechs Zimmer. Im Moment habe ich mit den Kindern 90 Quadratmeter, das ist schon ziemlich eng.

Mein Partner arbeitet in Speyer, ich bin auch festangestellt. Durch die Elternzeit bekomme ich aber Hilfe vom Jobcenter und darf deshalb nicht über eine Kaltmiete von 773 Euro und eine Warmmiete von 956 Euro kommen. Bei den Mietpreisen in Speyer ist das aber kaum machbar, auch nicht bei Vier-Zimmer-Wohnungen. In Frankenthal habe ich auch schon gesucht, da ist es von den Preisen her etwas besser. Mir wäre auch wichtig, meine siebenjährige Tochter aus dem Umfeld hier rauszuholen. Bis jetzt haben wir aber kaum Rückmeldungen von Vermietern bekommen, da wird man immer demotivierter.“

Die Serie

Bauen und Wohnen wird immer teurer. In Speyer ist der Markt seit Jahren angespannt. Gerade bei Wohnungen im unteren Preissegment übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Die Stadt ist beliebt, Wohnraum begehrt. Dieser RHEINPFALZ-Report beleuchtet die Probleme, Perspektiven und Lösungsansätze.

Mona Suzann Pfeil und Axel Spillner.
Mona Suzann Pfeil und Axel Spillner.
Denis Kaufmann und Jasmin Haß.
Denis Kaufmann und Jasmin Haß.
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